Montag, 25. Juni 2012

Von: Redaktion

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Handyfotografie

Kunst mit dem Smartphone

Michael Baranovic
Michael Baranovic hat im vergangenen Jahr seine erste Ausstellung in Melbourne eröffnet. (Foto: tv.berlin)

Sein Arbeitsmittel ist ein gängiges iPhone. Seine Momentaufnahmen von alltäglichen Straßenszenen haben mit den üblichen unüberlegten Handyschnappschüssen jedoch nichts zu tun. Licht, Schatten, Bewegungen und Kontraste sind alles Parameter, die bei der professionellen Fotografie zum Einsatz kommen. Michael Baranovic macht sich diese auf seinem iPhone zu nutze. Im letzten Jahr eröffnete der Fotograf seine erste Ausstellung in Melbourne und ist anlässlich der bekanntesten Fotoapp, EYEEM, nach Berlin gekommen. Im Interview spricht Baranovic über seine Arbeit, deren Entwicklung und die Idee, die hinter dem Ganzen steckt.

The European Circle: Herzlich Willkommen Michael Baranovic. Lassen Sie uns doch mal kurz in Ihre Geschichte als Künstler eintauchen. Sie arbeiten schon lange als Fotograf, haben sich aber jetzt dem iPhone als Kamera zugewandt. Erzählen Sie doch etwas darüber, was Sie bist jetzt schon alles getan haben.

Michael Baranovic: Ich bin seit circa zehn Jahren Fotograf. 2002 habe ich zu fotografieren begonnen. Hauptsächlich waren das Reisebilder von Aufenthalten in Europa. Das hat sich dann in eine kommerzielle Richtung entwickelt. Ich arbeitete unter anderen in einem Büro für Design und Architektur. Dort habe ich eigentlich alles gemacht. Ich habe Bilder von Hamburgern, Dönern, Toilettenpapier oder männlichen Models gemacht. Es hat sich herausgestellt, dass es nicht die Arbeit war, die ich machen wollte. Das kunstschaffende Element hat gefehlt. Das war nicht die Fotografie, die ich machen wollte. Ich habe mich dann davon gelöst und 2006 ein Studium für internationale Entwicklung aufgenommen. Ein Studium, das gesellschaftliche Entwicklung und gesellschaftliches Engagement in den Fokus gerückt hat. Dem bin ich dann auch beruflich gefolgt. Die Fotografie hat mich aber nie wirklich losgelassen und mich peu a peu wieder für sich vereinnahmt.

The European Circle: Jetzt haben Sie sich aber dem iPhone zugewandt. Warum haben Sie sich entschieden, damit die Bilder zu machen? Geht es Ihnen dabei um die App EYEEM oder das Instrument als solches?

Michael Baranovic: Es ging mir dabei um das Werkzeug. Vor etwa zwei Jahren habe ich angefangen das iPhone als Kamera zu verwenden. Zu dem Zeitpunkt sind meine Freundin und ich von Brisbane nach Melbourne gezogen. Wir sind die 2500 Kilometer selber gefahren. Das waren zwei Tage reine Autofahrt. Dabei wollte ich meine große Kamera nicht benutzen und habe begonnen mit dem iPhone rumzuspielen. Zuerst habe ich ein Foto von einem Strand in New South Wales geschossen. Das sah richtig gut aus. Das war eine Art Aha-Erlebnis bei dem ich mir dachte, dass das iPhone auch als vollwertige Kamera zu gebrauchen ist. Andere Menschen können auf diese Bilder reagieren. Ich habe darüber auch eine Menge verschiedener Leute aus unterschiedlichen Ländern kennen gelernt, was meine Arbeit zusätzlich gefördert hat. Es ist zu einer Art Schneeballsystem geworden. Durch diese vielen Möglichkeiten und den ganzen Freiheiten die sich über diese Form des Fotografierens ergeben bin ich zu einem viel gelassenerem Fotografen geworden.

The European Circle: Aber solange Sie am iPhone nicht alles einstellen können, wie Sie etwas gerne fotografieren würden, ist da nicht ein großer Grad an Überraschung mit dabei?

Michael Baranovic: Zu Beginn war es wirklich so, dass ich Apps verwendet habe um Bilder zu machen. Ich habe dann dem iPhone den Rest überlassen und auf das fertige Bild gewartet. Im vergangenen Jahr kamen neue Apps, wie zum Beispiel ProCamera, auf den Markt. Der Fotograf hat dabei viel mehr Kontrolle zurückgewonnen und kann sehr viele Einstellungen vornehmen. Ich fühle mich dabei, als wenn ich mit meiner großen Kamera arbeiten würde. Das alles findet aber in einem viel handlicheren Gerät statt. Zusätzlich gibt es den Vorteil, dass ich nicht nur Einstellungen vornehmen kann, die für das Fotografieren relevant sind, sondern im Anschluss die Bilder auch bearbeiten kann. Über PhotoShop-Programme die auf dem iPhone sind. Darüber hinaus kann ich die Bilder gleich ins Internet transferieren. Wenn ich in den Straßen am Fotografieren bin, kann ich alles vor Ort fotografieren, bearbeiten und ins Internet hochladen.

Michael Baranovic
Fotografie von Michael Baranovic. In der Nähe des Horsky Park, Bratislava/ Slowakei. (Foto: © Michael Baranovic mishobaranovic.tumblr.com)

The European Circle: Sie haben vor kurzem einen Workshop in Berlin veranstaltet, bei dem Sie den Teilnehmern etwas beigebracht haben. Wie sind Sie gerade auf Berlin gekommen?

Michael Baranovic: Die Leute von EYEEM haben das organisiert. Ich kenne die Leute von EYEEM schon seit ein paar Jahren. Sie waren die ersten die mit Handyfotografien versucht haben, Leute zusammen zu bringen und diese Arbeit als echte Fotografie anzuerkennen. Sie haben meine App entwickelt und darüber hinaus habe ich weiter mit ihnen zusammengearbeitet. Als ich ihnen sagte, dass ich in Berlin bin, auch für dieses Interview, kamen sie auf die Idee, dass ich doch meine Art zu fotografieren mit anderen teilen und es auch anderen lehren könnte.

The European Circle: Was haben Sie mit den Teilnehmern genau gemacht? Waren das alles Studenten oder ausgebildete Fotografen? Oder Menschen aus allen Bereichen?

Michael Baranovic: Das waren Leute aus allen Bereichen und Altersklassen. Es waren professionelle Fotografen dabei, aber auch Leute mit wenig Erfahrung mit Handyfotografie. Ein ziemlich bunter Haufen. Die Teilnehmer haben sich in einem Raum im EYEEM-Hauptquartier getroffen. Zuerst habe ich eine kleine Präsentation veranstaltet, die mich und meine Arbeit beinhaltete. Anschließend gingen wir raus. Es war früher Abend, die Sonne schien und es war eine Menge Musik zu hören. Später gingen wir zurück und haben die Bilder vergrößert angeschaut und einen Sieger ausgesucht. Dann gab es ein paar Drinks und gute Gespräche.

The European Circle: Das hört sich spannend an. Ein Besuch der Homepage von Michael Baranovic lohnt sich. Vielen Dank für das Gespräch!