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eGovernment braucht noch Zeit

- (Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de)
Inzwischen gibt es in Deutschland ungefähr 7.000 Online-Portale, die den Gang zum Amt ersparen sollen. Rund 52 Prozent der deutschen Internetnutzer besuchen bereits online ein Amt - das sind etwa 26 Millionen Menschen. Nur lässt sich zur Zeit bei weitem noch nicht jeder Gang ersparen, vor allem die Kommunikation scheint noch nicht so weit zu sein. Auch wenn es um den Begriff "E-Government" an sich geht, scheinen die Definitionen von Bürgern und Ämtern teilweise weit auseinander zu gehen.
Mehr als eine Webseite
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. - kurz "Bitkom" - hat durch eine Studie herausgefunden, dass auch dort, wo Interaktion (z.B. durch Kontaktformulare) möglich ist, oft die Prozesse dahinter nicht stimmen. So gaben zwei Prozent der Befragten an, dass sie überhaupt keine Antwort auf ihr Anliegen bekamen. "E-Government ist mehr als eine Webseite mit Telefonverzeichnis, Öffnungszeiten und touristischen Informationen", sagt Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Es handele sich hierbei viel mehr um einen "ganzheitlichen Ansatz, der zu Entbürokratisierung führt".
Mehr Angebote gewünscht

- (Foto: Viktor Mildenberger / pixelio.de)
Die große Mehrheit der Bundesbürger wünsche sich mehr Online-Angebote der öffentlichen Verwaltung. Über 50 Prozent würden gerne mit der entsprechenden Behörde per eMail in Kontakt treten oder gleich ganze Anträge, wie z.B. Ummeldungen, Bauanträge, Fahrzeuganmeldungen u.ä., stellen können. Vielen würde es schon reichen, wenn sie wenigstens den Stand ihres Antrags online verfolgen können - ähnlich wie das Nachverfolgen eines Paketes.
Weniger Zeit - weniger Kosten
Die Vorteile für das Vorantreiben der Online-Bemühungen liegen auf der Hand: Für den Bürger entfällt der Weg auf das Amt, und die Behörde ist für ihn jederzeit erreichbar. Die öffentlichen Einrichtungen können durch die neue Technik Arbeitsabläufe vereinfachen und automatisieren, was mehr Kapazitäten für "Sonderfälle" schaffen würde. Außerdem könnte den Bürgern viel Zeit gespart werden - und somit Geld: Man könnte seine Zeit z.B. für Geschäfte und Einkäufe nutzen, statt sie sinnlos auf einem Behördenflur zu verwarten. Die Wirtschaft würde ebenfalls profitieren, da durch effektivere und vor allem schnellere Behördengänge auch hier eingespart werden könnte.
Die Nachbarn sind weiter

- (Foto: Hartmut910 / pixelio.de)
Ein Blick in die europäischen Nachbarländer lohnt sich: In Österreich ist es zum Beispiel nicht nur möglich, die Steuererklärung oder Umsatzsteuervoranmeldung elektronisch ans Finanzministerium zu übermitteln, auch eine Vielzahl von Online-Anträgen ist hier bereits erhältlich. Von A wie "Abfallentsorgung" bis Z wie "Zivildiensterklärung" ist hier fast alles online abwickelbar. In Großbritannien kann man Anträge online stellen, auch die eMail-Kommunikation mit den Beschäftigten der Stadt ist hier kein Problem mehr. Die skandinavischen Länder sind bereits seit längerer Zeit deutlich weiter als Deutschland.
"115" als Erfolgsprojekt
Die deutschen in Behörden haben noch einiges nachzuarbeiten, wenn sie im europäischen E-Government-Vergleich aufholen wollen. Bei der EU-Kommission rangiert man auf einem mittelmäßigen Platz, die UN setzte Deutschland beim "E-Governance-Index 2008" lediglich auf Platz 22. Ein kleiner Schritt ist immerhin getan: Für die Idee der einheitlichen Behörden-Telefonnummer "115" gab es beim "eGovernment-Wettbewerb" in Berlin den ersten Preis in der Kategorie "Innovation".
[JH]









