„The Kennedys“ in Berlin
Widersprüche charakterisieren die Geschichte der Kennedy-Familie: der rasante Aufstieg einer Einwandererfamilie, enormer politischer Einfluss, aber auch zahlreiche Schicksalsschläge und Tragödien.

- (Foto:pixelio.de)
Wenige Meter entfernt von dem Ort, an dem John F. Kennedy 1963 die Mauer sah, befindet sich das Museum THE KENNEDYS. Vor drei Jahren wurde es am Pariser Platz von der Berliner Galerie "Camera Work" eingerichtet. Mit seltenen Filmaufnahmen, persönlichen Gegenständen und zahlreichen Fotografien wird die Geschichte der Kennedys dargestellt. Gegensätzlichkeiten, Glanz und Unglück, Karrieren und Katastrophen der Familie - sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung.
Die Ausstellung des Kennedy-Museums
Eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen zeigt die facettenreiche Familiegeschichte der Kennedys. Seltene Filmaufnahmen und persönliche Gegenstände zeichnen ein Bild vom Leben und der besonderen Ausstrahlung dieser Familie. Die Geschichte der Kennedys ist durchaus nicht langweilig: Im 19.Jahrhundert wanderten die Kennedys und die Fitzgeralds von Irland in die USA aus. Wie viele Tausende andere auch, waren sie von Hungersnöten bedroht und hofften auf eine bessere Zukunft und auf einen Neuanfang. Allerdings schafften nur wenige den gesellschaftlichen Aufstieg so beeindruckend wie Joseph P. Kennedy und seine Frau Rose Fitzgerald, die Eltern von John F. Kennedy und seinen acht Geschwistern. Besonders der katholische Hintergrund der Familien machte es diesen zu Anfang schwer, gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen. So war es für John F. Kennedy zu Beginn seines Wahlkampfes 1960 nicht leicht, sich im protestantisch geprägten Amerika Gehör zu verschaffen. Die Ausstellung bringt den Besuchern durch die unterschiedlichsten Fotoarbeiten, offizielle Dokumente, private Papiere und Memorieren die liberalen Grundsätze näher, für die die Kennedys auch noch heute stehen.
John Fitzgerald Kennedy

- (Postkarte: Rede Kennedys am Schöneberger Rathaus 1963 Foto:TvBerlin)
Besonderen Raum widmet das Museum in seiner Ausstellung der Biographie John F. Kennedys und dessen Amtszeit als 35. amerikanischer Präsident. So wird zum Beispiel das Goldene Buch der Stadt Berlin mit Kennedys Eintragung vom 26. Juni 1963 ausgestellt. Auch der Notizzettel ist zu sehen, mit dem sich der US-Präsident auf die legendär gewordene Rede vor dem Schöneberger Rathaus vorbereitete. Neben diesen historischen Gegenständen findet man zahlreiche Fotografien.
Viele der Bilder sind gleichsam moderne Ikonen geworden. Denn wie kein Politiker vor ihm erkannte und nutzte Kennedy die Macht des Rundfunks und des Fernsehens für sich und seine politischen Zwecke. JFK wurde zum Medienstar seiner Zeit: Kennedy auf allen Kanälen. So schrieb der amerikanische Schriftsteller und Gesellschaftskritiker Norman Mailer: „Amerikas Politik wurde nun gleichzeitig Amerikas beliebtester Kinofilm, Amerikas liebste Soap-Opera, Amerikas Bestseller.“ Kennedys Inszenierung in den Medien machte ihn auch außerhalb der USA bekannt. Er setzte die Wirkung von Fotos und von Fernsehbilder bewusst ein und beeinflusste damit grundlegend die Entstehung der Medien- und Imagepolitik. Neben der Beschreibung seines Lebens vor dem geschichtlichen Hintergrund gelingt es der Ausstellung, das besondere Verhältnis der Kennedys zu den Medien geschickt hervorzuheben.
Der Besuch des amerikanischen Präsidenten in Berlin
Mit den legendären Worten: „Ich bin ein Berliner“ wurde John F. Kennedy zum Helden der Deutschen. Er brannte sich in das kollektive Gedächtnis des Landes und insbesondere in das der Berlinerinnen und Berliner ein. Bis heute nimmt der Besuch des jungen und charmanten amerikanischen Präsidenten einen ganz besonderen Platz in der Erinnerung Deutschlands ein. Die Aufmerksamkeit, mit der die Medien den Besuch Kennedys begleiteten von den Medien war enorm: Deutschland wurde mit Extrablättern und Sondersendungen überschüttet und so geradezu auf den Besuch eingeschworen.
Besonders die Westberliner fieberten dem Kommen Kennedys entgegen. Tausende Menschen empfingen den amerikanischen Präsidenten am 26. Juni 1963 schon am Flughafen und standen dichtgesäumt an den Straßen, durch die er - begleitet von Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt - mit offener Limousine gefahren wurde. Diesen begeisterten Empfang beschrieb John F. Kennedy mit den Worten: „So lange wir leben, werden wir niemals wieder einen solchen Tag wie heute erleben“. Kennedys Besuch markierte einen emotionalen Höhepunkt deutsch-amerikanischer Beziehungen und wurde somit in den Köpfen der Berliner und der Deutschen verankert. Besonders die friedliche und begeisterte Stimmung blieb unvergessen und beeindruckte auch Kennedy tief. Emotional aufgewühlt von dieser Atmosphäre änderte Kennedy kurzfristig seine vorbereitete Rede am Schöneberger Rathaus und notierte sich auf einen Notizzettel die legendären Worte: „Isch bin ein Bearleener.“
Sonderausstellung: 'Zwei Daten- zwei Höhepunkte'

- (Postkarte: Notizzettel Kennedys Foto:TVBerlin)
Die Sonderausstellung eint fotografische Gipfelpunkte der deutschen Geschichte: den 26. Juni 1963 und den 9. November 1989. Zeitlich liegen der Besuch des amerikanischen Präsidenten kurz nach dem Bau der Berliner Mauer, und der Mauerfall 26 Jahre auseinander. In Form von Fotoaufnahmen vergleicht die Exposition "Zwei Tage in Berlin - Bilder einer Stadt" nun die beiden zentralen und geschichtsträchtigen Tage. Der Aufbau und die Fotos der Ausstellung liefern anhand von Momentaufnahmen Eindrücke von zwei sehr deutschen Tagen in der bewegten Geschichte des Landes. Die Nachrichten der beiden Ereignisse gingen besonders in Form von Bildern um die ganze Welt. Nun treffen sie direkt aufeinander und offenbaren Parallelen und Unterschiede der beiden historischen Augenblicke. Die Foto-Sonderausstellung läuft bereits seit dem 11. November und ist noch bis zum 31. Januar zu sehen.
[LH]
