Donnerstag, 28. Januar 2010
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Spanien | Wein | Biowein | Winzer | Ronda
Deutscher Biowein aus dem Süden Spaniens

Ein badischer Winzer in den Bergen bei Ronda

So ursprünglich wie die Römer baut der Sohn badischer Winzer, Friedrich Schatz, in den Bergen bei Ronda Wein an – auch in Deutschland hat sich sein spanisches Produkt inzwischen einen Namen gemacht.

(Foto:pixelio.de)

Der Weg zur Finca Sangijuela, zur Blutegel-Finca, ist lang, kurvig und staubig. Doch wenn man das alte Bauernhaus mit den hohen Bäumen und den Weinstöcken drum herum erreicht, versteht man, wieso man sich so einen Ort zum Leben aussucht.

Friedrich Federico Schatz wusste noch aus einer Vielzahl von anderen Gründen, wieso hier sein Platz sein würde. Als er sich im Jahr 1982 als 18-Jähriger in einer heruntergekommenen Finca nördlich von Ronda niederließ, hatte der zielstrebige Mann bereits eine Regionalstudie erarbeitet. Die  Gegend ist die älteste Weingegend Spaniens – schon die Römer hatten hier ihre Reben gepflanzt – die klimatischen Verhältnisse sind für den Weinanbau ideal, und er selber fühlte sich an diesem Fleckchen Erde pudelwohl. Der Sprössling einer alten badischen Winzerfamilie packte seine Siebensachen und machte sich mit dem Ziel auf den Weg nach Südspanien, reinen Wein herzustellen. Weder den Weinstock, noch die Erde, noch den Rebsaft wollte er mit künstlichen Stoffen beschädigen. Aus dieser Idee entstand in 15-jähriger Arbeit die „Bodega Ecológica Schatz“.

Natürlicher Weinanbau als Qualitätssiegel

Das Adjektiv „biologisch“ benutzt Schatz ungern, auch wenn sein Wein das Biosiegel trägt. „Mein Wein ist natürlich, es ist echter Wein. Eigentlich müssten die anderen sich aufs Etikett „konventionell“ schreiben“, sagt er. Der mittlerweile 42-Jährige ist überzeugter Anhänger von biologischen Lebensmitteln. Der kräftige dunkelhaarige Mann, der fast als Spanier durchgehen könnte, ist kein Kämpfer, sondern ganz einfach von seiner Sache überzeugt. Er schmeckt bei einer Tomate heraus, ob sie mit Düngemitteln großgezogen wurde. Hinter seinem Haus hat er deshalb für den Eigenbedarf einen kleinen Gemüsegarten angelegt.

Bei einem Rundgang durch den Garten hält Schatz bei fast jedem Strauch inne. „Das ist Myrte. Eine sehr aromatische Pflanze. Sie zieht nützliche Insekten an und hält schädliche fern.“ Hinter dem Swimmingpool blühen Lavendel und Thymian. „Das ist, als hätte man die Polizei im Haus“, sagt Schatz und streicht mit seiner Hand liebevoll über die Blätter. Die Pflanzen sind Teil eines großen Ganzen. „Ich will meine Weinstöcke stark machen und sie gegen jeden Befall schützen. Probleme heilen, will ich in jedem Fall vermeiden.“

Was lange währt wird endlich gut

(Foto:pixelio.de)

Fünfzehn Jahre lang hat Schatz experimentiert, welche Weinsorten hier am besten gedeihen. Währenddessen verdiente er sein Geld mit dem Verkauf von Gestecken aus Trockenblumen. Außerdem musste er für die Genehmigung kämpfen, in der Serranía de Ronda Wein anbauen zu dürfen. Heute ist die Gegend dank seines Engagements das fünfte offiziell zertifizierte Anbaugebiet in der Provinz Málaga. Sieben Bodegas gibt es heute in der Serranía de Ronda, sechs  weitere entstehen gerade. „Die Gegend musste als Weinanbaugebiet in den offiziellen Katalog aufgenommen werden. Es ist schließlich die älteste Anbaugegen ganz Spaniens. Ich habe nur alte Traditionen wiederbelebt“, sagt Schatz bescheiden.

Schatz entschied sich schließlich für fünf verschieden Weinsorten: den Österreicher Lemberger, den Spätburgunder Pinot Noire, den Rotwein Petit Verdot, den Rosé Mouscat Trollinger aus Ägypten und den Weißwein Chardonnay. Die Sorten gediehen gut und gefallen Schatz am besten. Einen weiteren Vorteil vereinen die fünf Sorten noch auf sich: Jede Traube muss zu einem anderen Zeitpunkt geerntet werden. Damit kann er auf seinem drei Hektar großen Weingut „La Sangijuela“ die Lese ganz allein bewältigen. Angestellte hat er keine, nur seine Eltern verbringen ihren Urlaub immer während der Erntezeit in seiner Finca und gehen dem Sohn zur Hand.

Selbst der Mond hat Einfluss auf die Qualität des Endergebnisses

„Jede Traube hat einen ganz bestimmten Zeitpunkt, zu dem sie gepflückt werden darf“, erklärt Schatz. „Die Traube bestimmt zu 80 Prozent den Geschmack des späteren Weines, die Lagerung in den Eichenfässern 20 Prozent.“ Bei der Ernte richtet er sich nicht nur nach dem perfekten Reifegrad der Traube, sondern wirft auch einen Blick in den Nachthimmel. „Die Mondphasen sind für die Ernte wichtig.“ Fragenden Blicken entgegnet er genauso selbstverständlich wie abschließend: „Wenn der Mond so viel Einfluss auf das Meerwasser hat, dann auch auf alles andere Wasser auf dieser Erde.“

In seinem Lager stapeln sich leere Flaschen. Die Erntezeit steht bevor. Seine 15.000 Rebstöcke füllen genau 15.000 Flaschen Wein. Die Weinfässer, die Federico Schatz benutzt, sind aus unbehandelten Eichenholz. Sieben Jahre lang muss das Holz ruhen, nachdem es ohne  jede Behandlung zu den bauchigen Fässern gebogen wurde. Nur dann kann es den Wein aufnehmen. Auch der Korken ist nicht irgendein Korken. Zwei Euro kostet das unbehandelte Stück, das von einer speziellen Korkeiche kommt.

Die beste Werbung, die man für Bio machen kann

(Foto:pixelio.de)

Neben den fünf Rebsorten, auf die er sich jetzt festgelegt hat, probiert er jedes Jahr verschiedene neue Traubensorten aus und füllt auch Flaschen ab.  Seine liebste Beschäftigung ist der Wein, sein Lieblingsgetränk ist Wein, sein liebstes Geprächsthema ist Wein. Deshalb wird er auch nicht mit dem Experimentieren aufhören.

Erst im Jahr 1997 konnte er die ersten Weinflaschen verkaufen. Am ehesten findet man seinen Wein in den eleganten Restaurants Andalusiens. Auch einige Weinhändler in Deutschland führen mittlerweile seine Flaschen. Der Wein zählt zu den Besten aus der Serranía der Ronda. „Er ist nicht als bester Biowein bekannt, sondern als bester Wein“, sagt Schatz, das erste Mal schwingt stolz in seiner Stimme. „Das ist die beste Werbung, die man für Bio machen kann.“

[VF]