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Die Vulkaninsel Stromboli ist wieder aufgeblüht

- Die Vulkaninsel Stromboli vor Sizilien (Foto: Ulla Trampert / pixelio.de)
Der europäische Regionalfonds verfügt für den Zeitraum 2007 bis 2013 über ein Volumen von 336 Millliarden Euro. Eine stolze Summe, die seit Anfang Februar 2010 von Johannes Hahn aus Österreich verwaltet wird. Er ist in der Nachfolge von Danuta Hübner Kommissar für Regionalpolitik in Brüssel. In der Vergangenheit war den EU-Geldspendern häufig vorgeworfen worden, Finanzspritzen auch für schlecht durchdachte Projekte ausgeschüttet und die jeweiligen regionalen Behörden zu wenig gefragt, zu wenig integriert zu haben. Doch es gibt Gegenbeispiele.
Als der berühmte Filmregisseur Roberto Rosselini im Jahr 1949 auf die abenteuerliche Idee kam, mit Ingrid Bergmann in der Hauptrolle einen Film auf einer kargen, armen Vulkaninsel vor Sizilien zu drehen, gab es noch keine Europäische Union und auch keine regionalen Finanzspritzen der EU. Rosselini drehte seinen Film auf einer Insel mit armen Fischern und Kapernsammlern in einem etwa 300 Einwohner zählenden Dorf ohne fließendes Wasser, ohne feste Strassen, ohne Arzt und Hebamme. Das Schiff, das zweimal die Woche aus Neapel oder Messina kam, ankerte vor der Insel; Menschen und Waren mussten ausgebootet werden. Doch – oder gerade deshalb – wurde der Film ein Klassiker. Er hieß „Terra di Dio“ (Erde Gottes) und wurde besser bekannt unter dem Namen der Insel, auf der er gedreht worden war: „Stromboli“.
Auf der Piazza weht die Europafahne
Heute ist dieses Stromboli nachgerade eine andere Welt. Zwei Fahnen wehen im Dorf: Die italienische Trikolore vor der Carabinieri-Kaserne - und auf der zentralen Piazza gegenüber der Kirche San Vincenzo die Europafahne. Das hat seinen Grund: Denn mit dem Geld aus dem europäischen Regionalfonds hat Stromboli eine neue, eine moderne Infrastruktur erhalten.
Jetzt können Schiffe auch anlegen
Das heißt im Detail: Mit Hilfe dieser Gelder wurde eine große Dorfzisterne gebaut, denn auf der Insel gibt es keine natürlichen Quellen. Die Zisterne wird vom Wasserschiff aus Milazzo gespeist und fließt dann über neu gebaute Wasserleitungen in die Häuser. Gepflasterte oder geteerte Strassen sind angelegt. Vor allem aber: Im windgeschützten Ortsteil Scari wurde eine Mole gebaut, weil es keinen natürlichen Hafen gibt. Nun können nicht nur die schnellen Tragflügelboote angelegen, sondern auch große Fähren und Schiffe. Diese verbinden die Insel mit dem Festland und bringen Menschen, Autos und Schwerlastwagen, die von den Lebensmitteln bis zu Zement und anderen Baustoffen alles geladen haben, was man für ein Leben auf Stromboli braucht.
Private Buchhandlung mit EU-Unterstützung

- Die Europafahne auf der Piazza vor der Kirche San Vincenzo in Stromboli (Foto:Schwehn)
Unterstützung durch den europäischen Regionalfonds hat etliche junge Einheimische dazu gebracht, eine Bergsteigerausbildung in den italienischen Dolomiten zu absolvieren. Sie begleiten heute die im Sommer in Scharen anreisenden Touristen hinauf zum bedrohlich wirkenden, ständig aktiven Vulkan, der der ganzen Insel seinen Namen gegeben hat. Teile des Eilandes wurden zu Naturschutzzonen erklärt; zum Schutz von Flora und Fauna. Stromboli ist beispielsweise ein Dorado des Kolkraben, und auf der Insel gibt es mehrere Pflanzenarten, die in Europa nur noch hier zu finden sind. Der Clou dieser gesamten Unterstützungsmaßnahmen ist aber wohl die Einrichtung einer kleinen privaten Buchhandlung. Deren Besitzerin, die Signora Chiara, hat ihren Dank für die Finanzspritzen der europäischen Gemeinschaft auf einer Tafel im Schaufenster festgehalten. Sie hat ihren Laden inzwischen ausgeweitet: Im Sommer bietet sie den Touristen im Nebenraum ein kleines Internet-Cafè zur Nutzung an.
Auch der Staatspräsident macht hier Urlaub
Diese Europäische Unterstützung zur Selbsthilfe hat sich also mehr als ausgezahlt. Auf Stromboli gibt es inzwischen mehrere Hotels und Pensionen und zur Ferienzeit eine Fülle von Privatquartieren für die herströmenden Touristen - und das sind in den Ferienwochen bis zu 3000 Urlauber. Die Zeit ist vorbei, da eine karge Insel im Mittelmeer vor sich hin darbte und lediglich entdeckt wurde von Vulkanologen oder Künstlern, die Einsamkeit suchten. Der Ort ist aufgeblüht und hat doch, weil er von seinen Einwohnern gepflegt wird, von seiner Ursprünglichkeit wenig verloren. Das weiß auch der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano. Denn dieser verbringt seit Jahren seinen Sommerurlaub auf Stromboli
[KS]









