Dienstag, 02. März 2010

Von: LH

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Keywords:
EU-Kulturhauptstadt | Kulturpolitik | Europa | EU-Kommission | Athen | Kulturprojekt | Vergabeverfahren
25 Jahre EU-Kulturhauptstadt

Bestandsaufnahme: Bilanz und Aussicht

25 Jahre EU-Kulturhauptstadt
Eröffnung der Kulturhauptstadt 2010 (Foto: essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de)

Nur sehr langsam und immer zurückhaltend haben sich die Entscheidungsträger der Europäischen Union an eine gemeinsame EU-Kulturpolitik herangetastet. Als 1985 Athen den Titel als erste EU-Kulturstadt erhielt, war man davon noch weit entfernt. 25 Jahre Erfahrung und mehr als 30 EU-Kulturhauptstädte bieten nun die Möglichkeit für eine Bestandsaufnahme: Lohnen sich die Investitionen? Was lief gut? Was kann verbessert werden? Wo liegen die Stärken und wo die Schwächen des Projekts?

Investition und Imagegewinn

„Kaum zu glauben- aber heute geht es um gemeinsame EU-Kulturpolitik. Es geht also nicht bloß immer um Wirtschaft“. Mit diesen Worten begrüßte Matthias Petschke die Zuhörerinnen und Zuhörer zu der Podiumsdiskussion "25 Jahre Kulturhauptstadt" in der Vertretung der Kommission in Berlin. Für die Europäischen Kulturhauptstädte bedeutet der Titel ein Imagegewinn, verbunden mit mehr Tourismus, mit der Möglichkeit zur Stadterneuerung und vor allem mit Investitionen. Das Projekt bringt für ihre Titelträger also nichts als Vorteile .

Die Idee eines gemeinschaftlichen Kulturprojekts

Gemeinschaftliches Kultirprojekt: 1. EU Kulturstadt 1985
1. Kulturhauptstadt der EU: Athen (Foto: Manfred Walker / pixelio.de)

Die EU-Kulturhauptstädte sind zurzeit das größte und ambitionierteste Kulturprojekt der Union. Die Idee für das Konzept entwickelte 1985 die damalige Kulturministerin Griechenlands, Melina Mercouri. Schuld war ein verspäteter Flug: Denn so hatten Frau Mercouri und ihr französischer Kollege Jack Lang genug Zeit, am Athener Flughafen ihre Visionen für eine gemeinsame europäische Kulturpolitik auszutauschen. Bereits im selben Jahr trug Athen als erste Stadt den Titel "Kulturstadt  Europas". Mercouri sah die Kulturhauptstadt als eine neue Art an, mit der sich Europa darstellen und finden könne. So sollte die Möglichkeit für einen gegenseitigen Austausch zwischen den Mitgliedsstaaten geschaffen werden - weit entfernt von den Butterbergen und Milchseen, die damals den Brüsseler Alltag bestimmten und das Bild der Union in der Öffentlichkeit prägten. Eine Idee also, die sehr schwer umsetzbar erschien in einer Wirtschaftsgemeinschaft, die zu dieser Zeit nicht mal annähernd über eine politische Grundlage für eine gemeinsame Kulturpolitik verfügte.  

Vom Sommerfestival zum einjährigen Event

Seitdem hat sich einiges verändert. Aus einem damals noch kleinen Sommerfestival ist ein einjähriges Event geworden. Mehr und mehr sollten die Kulturhauptstädte zu einem Symbol werden, mit dem sich die EU-Bürger identifizieren können. Besonders bei der Debatte um mehr Bürgernähe hat sich das Projekt zu einem wichtigen Pfeiler entwickelt. Gefördert werden Veranstaltungen und Ausstellungen, die das kulturelle Erbe der Stadt und der Umgebung hervorheben. Die EU finanziert auch Konzerte, Aufführungen und andere Darbietungen, die die kulturelle Vielfalt Europas oder die Besonderheiten der Region verdeutlichen.

Im Laufe der Zeit wurden die Kriterien für eine Bewerbung immer klarer definiert: die Stadt muss die nötige Infrastruktur vorweisen und das Program muss eine nachhaltige Wirkungen auf die Stadtentwicklung haben; außerdem müssen regionale Künstler gefördert werden und gleichzeitig sollen internationale Künstler in den Projekten mitwirken. Die europäische Dimension des Programms muss anhand der ausgewählten Themen ersichtlich sein, und die Bürger müssen in die Veranstaltungen einbezogen werden.

Ein neues Vergabeverfahren ab 2013

Ein neues Vergabeverfahren ab 2013
EU-Kulturpolitk: ab 2013 neues Vergaberecht (Foto: bigfoto.com)

Trotz der Entwicklungen während der letzten Jahre ernten die EU-Kulturhauptstädte immer wieder Kritik: die damit verbunden Projekte seien verschwenderisch, unökonomisch, schlecht geplant und umgesetzt. Besonders das Vergabeverfahren müsse verbessert werden. In diesem Zusammenhang hob die Vorsitzende des Kulturausschusses, Doris Pack, die Bemühungen des europäischen Parlaments hervor, die Auswahl der Städte transparenter und fairer zu gestalten. Ab 2013 soll ein neues Verfahren die Vergabe des Titels regeln. „Es ist wichtig, dass ein Auswahlgremium da ist, das die Erfahrung der vergangenen Jahre im Visier hat“, so Pack. Das neue Verfahren verpflichtet die Mitgliedstaaten, mehrere Städte vorzuschlagen, die dann von einem unabhängigen Gremium beurteilt werden. Diese Jury wird aus dreizehn Mitgliedern bestehen: sechs aus dem jeweiligen Mitgliedstaat und sieben Experten aus den europäischen Organen. Mit dem neuen Verfahren ab 2013 werden auch die Beurteilungskriterien einheitlicher definiert, sodass der Prozess insgesamt transparenter wird.

Bilanz der Kulturhauptstädte 2010

Während der Veranstaltung in der Vertretung der EU-Kommission in Berlin charakterisierten Begriffe wie Kreativwirtschaft, Kulturmanagement, Wandel und  Innovation die Diskussion. Die Organisatoren der Kulturhauptstädte 2010 betonten, dass die Förderung von und die Investition in Kultur sich zunehmend zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickele. Besonders das Konzept der Nachhaltigkeit stehe im Mittelpunkt der Projekte. Da die Investitionen in die Städte nur teilweise von dem EU-Budget gedeckt werden können, habe man ein großes Interesse daran, dass die Projekte auch über das Jahr hinweg wirtschaftlich seien, so der  Regionaldirektor der Kulturhauptstadt 2010.

Auch der Austausch zwischen ehemaligen und zukünftigen Kulturhauptstädten muss verbessert werden. Der Stellvertretende Direktor des „European Centre for Creative Economy RUHR.2010, Herr Fesel, betonte, dass viele Fehler der RUHR 2010 durch einen besseren Informationsaustausch mit den Ex-Kulturhauptstädten vermieden worden wären. Er hob hervor, dass durch innovative Konzepte der EU-Kulturhauptstädte eine „Kreativ-Wirtschaft“ entstehen könne, die durch ihre wertschaffendes Potential ausgezeichnet werde. Kultur also nicht mehr nur der Kultur wegen, sondern auch als Wirtschaftsförderung.

Eine EU Kultur-Agenda

Bilanz der Kulturhauptstädte 2010
(Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)

Raum für Weiterentwicklung bleibt also sowohl bei der Umsetzung also auch auf politischer Ebene. Auch wenn man in Brüssel nur sehr zögerlich den Weg zu einer gemeinschaftlichen EU-Kulturpolitik eingeschlagen hat, so formulierten die Europäischen Volksvertreter während der letzten Jahre die Kultur-Agenda immer klarer: 

  • Kulturelle Vielfalt und interkultureller Dialog, 
  • Kultur als Katalysator für Kreativität sowie 
  • Kultur als Schlüsselelement der internationalen Beziehungen

sind zu den drei Schlüsselbereichern der EU-Kulturpolitik geworden. Kultur kann und soll Teil der wirtschaftlichen und auch politischen Weiterentwicklung der Europäischen Union sein. 

[LH]