Mittwoch, 17. März 2010

Von: GD

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München | italienische Spaziergänge | Daniela Crescenzio | Florenz | Venedig | Rom
Italienische Spaziergänge

Eine Italienerin erforscht Münchens Geschichte

Daniela Crescenzio
Daniela Crescenzio, italienische Historikern (Foto: italienische-spaziergaenge.de)

Viele Münchner kennen die Fresken in den Arkaden des Hofgartens. Doch nur wenige wissen, dass auf dem Fresko von der Erstürmung von Belgard neben Kurfürst Max Emanuel ein General aus Verona zu sehen ist. Die Geschichte des Generals aus Verona beginnt 1670: Alessandro Maffei, nicht verwandt mit dem bekannten Lokomotivbauer Josef Anton Maffei, wurde als Kind von acht oder neun Jahren an den Münchner Hof geschickt, um den Beruf des Pagen zu erlernen. Damit teilte er das Los vieler adeliger Kinder seiner Zeit, die jung in die Fremde mussten, um eine gute Ausbildung zu erwerben. Alessandro brachte es bis zum General in der kurfürstlichen Armee Bayerns. Als solcher wohnte er in einem Palais an der Residenzstraße Nr. 6. - eine Bronzetafel weist heute noch auf diese Tatsache hin.

Nicht nur ein General

Wer Daniela Crescenzio erzählen hört von General Alessandro Maffei und all den anderen Italienern, der glaubt, sie wäre dabei gewesen. Dabei ist die 44jährige gar keine gelernte Historikerin, sondern hat früher im Büro gearbeitet. Ihr historisches Interesse verdankt sie der Tatsache, dass sie neugierig ist und gerne in die Tiefe schaut – und dass sie sich dafür interessiert, wie die Menschen in den alten Häusern gelebt haben. Zum 850. Geburtstag Münchens im Jahr 2008 bot Daniela Crescenzio ihre erste offizielle Stadtführung in München an. Seitdem ist sie in Sachen Münchner Geschichte unterwegs.

Venezianisches Flair und Teutsches Rom

Teutsches Rom
Collosseum in Rom (Foto: N.Vollmert / pixelio.de)

München ist nicht die erste bayerische Stadt, die das Interesse von Daniela Crescenzio erregte: Bevor sie vor vier Jahren nach München kam, hatte sie 15 Jahre lang in Nürnberg gelebt. Dort fielen ihr immer wieder italienische Namen auf. Sie recherchierte in alten Büchern, Handschriften und Archiven und blickte hinter die trockenen Zahlen und Daten auf das, was sich an Persönlichem verbarg. Auch in Nürnberg führte sie fünf Jahre lang Interessierte auf italienischen Spuren durch die Stadt. “So wird Geschichte lebendig”, sagt die Italienerin, die in Padua geboren ist und inzwischen München zu ihrer Wahlheimat auserwählt hat. 

Wer die Routen lieber alleine als mit einer offiziellen Führung gehen möchte, kann über Daniela Crescenzios Spaziergänge in ihren Büchern nachlesen. Denn die von ihr gefundenen Orte mit italienischer Vergangenheit beschreibt sie in zwei Bänden mit dem Titel „Italienische Spaziergänge in München“. Der erste Band hat die Themen: Isar-Florenz, Venezianisches Flair in München und das Teutsche Rom.

Markuslöwe als Glücksbringer

Mit genauen Ortsangaben beschreibt Daniela Crescenzio im ersten Band, wo überall sich in Münchens Bauwerken, Denkmälern und Kunstwerken die Spuren aus Florenz, Venedig und Rom finden lassen. Wer weiß zum Beispiel, wie mit italienischen Magistri der Barock nach Bayern kam, warum es bei der Theatinerkirche eine Viscardigasse und bei Nymphenburg eine Zuccallistraße gibt? Und was hat die Münchner Mariensäule mit Rom zu tun? Wer hat schon einmal die Kopie von Michelangelos "David" in einem Brunnen im Alten Botanischen Garten bemerkt? Oder das venezianische Zimmer im Restaurant des Künstlerhauses gesehen? Und wem ist bewusst, dass der venezianische Markuslöwe kein seltenes Motiv in der Stadt ist? Er taucht beispielsweise in einem Hinterhof des Hauses Bernheimer am Lenbachplatz auf, im Siegel der einstigen Münchner Händlerzunft und sogar im Wappen des heutigen Erzbischofs Karl Marx von München-Freising.

München in Norditalien

München in Norditalien
Blick von oben auf München (Foto: Stephan Bratek / pixelio.de)

Im zweiten Band ihrer „Italienischen Spaziergänge“ mit dem Untertitel „Dynastien aus Italien“ wendet sich Daniela Crescenzio noch mehr den Geschichten der Menschen zu: italienischen  Familien, die über Jahrhunderte in München das öffentliche Leben, die Gesellschaft und die Politik mitgeprägt haben. Dabei beschreibt sie, was die Menschen in die bayerischen Hauptstadt führte und wie sie sich für ihre Wahlheimat einsetzten: von der Brautwerbung für die Wittelsbacher über die Rettung der Heiliggeistkirche bis hin zum ersten Kriegsminister.

Im Juni 2010 soll Daniela Crescenzios drittes Buch erscheinen. Es befasst sich mit italienischen Spuren und Lebensgeschichten in Bayern. Bereits in ihrem zweiten Band  macht sie Vorschläge für Fahrten ins Blaue, deren Ziele für Daniela Crescenzio „in der Umgebung Münchens und anderen Regionen Norditaliens“ liegen. 

[GD]

Link:

www.italienische-spaziergaenge.de