Mittwoch, 19. Mai 2010
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FGM | Beschneidung | Verstümmelung | Buchvorstellung | Afrika | Europa | Genitalverstümmelung
Waris Dirie in Berlin

Neues Buch, neues Vorhaben, gleiche Kämpferin

Ex-Model und Frauenrechtlerin Waris Dirie stellte gestern in Berlin ihr neues Buch „Schwarze Frau, weißes Land“ vor. Ihr Weltbestseller „Wüstenblume“ hatte Millionen Menschen bewegt und wurde 2008 verfilmt. Nun will sie mit einem neuen Projekt den Frauen Afrikas noch besser helfen. Felix Struening hat für The European Circle herausgefunden, wie.
Waris Dirie - "Schwarze Frau, weißes Land"
Das neue Buch von Waris Dirie (Foto: Droemer)

„Ich schreibe Bücher nicht aus Spaß. Ich schreibe sie, weil ich etwas zu sagen habe. Und weil es etwas gibt, das ihr wissen müsst“, rief Dirie ihren versammelten Fans zu. Rund 150 von ihnen hatten sich in Berlin eingefunden, um sich die Bücher signieren zu lassen. Zuvor stellte Dirie "Schwarze Frau, weißes Land“ der Presse vor. Darin berichtet sie vor allem von der inneren Zerrissenheit zwischen Afrika und ihrer neuen Heimat Europa.

Female Genital Mutilation (FGM)

Wie in ihren vorherigen Büchern, schreibt sie aber auch über ihren Kampf gegen die Beschneidung von Mädchen und jungen Frauen – auf Englisch treffender als Verstümmelung, Female Genital Mutilation (FGM), bezeichnet. Nach 15 Jahren sei sie am Ende gewesen und hätte einen ganz anderen Ansatz gebraucht, erzählt Dirie. Bei den Dreharbeiten zur Verfilmung ihres Buches „Wüstenblume“ in Äthiopien war sie über die dortigen Zustände entsetzt. Der Wunsch nach einem neuen Projekt entstand. Mit ihrem mittlerweile gegründeten „Africa Fund“ will Dirie nun Frauen in Afrika vor allem finanziell helfen. Ihrer Meinung nach könnte so vielen Problemen das Wasser abgegraben werden. Denn wirtschaftlich unabhängige Frauen würden ihre Töchter weder beschneiden lassen noch zwangsverheiraten.

Zusammen gegen die Verstümmelung

Waris Dirie in Berlin
Waris Dirie mit ihren Fans bei der Buchvorstellung im Berliner Kaufhaus Alexa (Foto: Struening)

Nun ist Wohlstand keineswegs ein Allheilmittel gegen überkommene Traditionen und Kulturen, wie zahlreiche Studien beweisen. Weltweit sind von FGM laut Weltgesundheitsorganisation immerhin rund 150 Millionen Frauen betroffen. Die Beschneidung der weiblichen Genitalien ist auch bei muslimischen Einwanderern in Europa verbreitet, man geht von mehr als 500.000 Frauen aus. „Integration scheint nicht die Sache der Somalis zu sein“, schrieb Dirie schon in ihrem letzten Buch „Brief an meine Mutter“ und forderte eine enge Zusammenarbeit aller Organisationen und Regierungen im Einsatz für die Menschenrechte.

Alte und junge Fans

Zur nachmittäglichen Signierstunde der dynamisch und fröhlich plaudernden Dirie im Berliner Kaufhaus Alexa zog es derweil nicht nur junge Mädchen – wenn sie auch deutlich in der Überzahl waren. Dorothea (21) kam sichtlich gerührt von ihrem kurzen Gespräch mit Dirie. Mit 14 Jahren hatte sie „Wüstenblume“ gelesen und sofort in der Schule ein Referat dazu gehalten. „Das Buch hat einfach mein Leben beeinflusst“, sagte sie nun zu The European Circle. „Es öffnete mir die Augen bezüglich des Schicksals der Frauen in Afrika. Gleichzeitig zeigte Waris mir: Du bist immer dein eigener Chef.“

Autorin Dirie in der Autogrammstunde
Dirie gab eine aus- führliche Autogramm- stunde (Foto: Struening)

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied

Ähnlich begeistert klang Markus (20), einer der verhältnismäßig wenigen Männer unter den Fans. „Mit 15 Jahren habe ich meiner Mutter ‚Wüstenblume‘ geklaut, da sie mir die Lektüre noch verbieten wollte. Dabei prägte Waris Dirie mein Empfinden, wie ich Frauen begegne und wie ich die Welt mit Gut und Böse wahrnehme.“ Sie habe ihm gezeigt, erklärte Markus, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen müsse und dass man immer wieder aufstehen könne. „Sie ist die Stimme der Frau. Sie zeigt, dass jeder ein Recht auf Freiheit und Glück hat

Unwissen und Desinteresse bei den Jüngsten

„Wer ist denn das?“ - „Das ist die aus Wüstenblume.“ - „Achso.“ So oder ähnlich tönten hingegen die lapidaren Kommentare der Jüngeren, die die Autorin oft für die Hauptdarstellerin der Wüstenblumen-Verfilmung hielten. Es gibt anscheinend schon eine Generation, die die Autorin nicht mehr kennt bzw. nur den Film. Bleibt zu hoffen, dass Dirie ihr wichtiges Anliegen auch langfristig vermitteln kann.

[FS]