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Typisch deutsch - typisch italienisch?

- Träger des Projekts, Goethe-Institut Italien sowie weitere Partner. (Foto: goethe.de)
Das Projekt “Va bene!? La Germania in italiano. Italien auf Deutsch” zielt darauf, gegenseitige Vorurteile zwischen Italienern und Deutschen abzubauen und Lust auf tieferes Kennenlernen zu wecken. Dafür schreiben Schriftsteller über ihr Land, Karikaturisten nehmen die deutsch-italienischen Beziehungen aufs Korn, und Journalisten verlassen ihren Schreibtisch, um im jeweils anderen Land nach hintergründigen Geschichten zu suchen. Träger des Projekts sind das Goethe-Institut Italien, die Bundeszentrale für politische Bildung, das Institut für Auslandsbeziehungen, die Italienischen Kulturinstitute in Deutschland und weitere Partner.
Berlin, Palermo und Neapel
Montag, 22, März, 2010: “Wer hätte das gedacht? Sonne in Bremen, Regen in Mailand. Ich bin sicher, dass niemand sonst jemals Norddeutschland mit der Sonne im Rücken verlassen hat, um in Italien bei Regen anzukommen. Um nicht zu sagen, dass dies das Land sein sollte, in dem die Zitronen blühen!” Der Italiener Marcello Bonventre ist aufgebrochen, um eine Zeit lang tiefer in die Welt seiner deutschen Kollegen einzutauchen und zu überprüfen, welche Urteile über Deutschland und die Deutschen den Erfahrungen standhalten. Zu gleicher Zeit atmen zwei deutsche Journalisten italienische Luft in Neapel: Zusammen mit zwei Italienern machen sie sich auf die Suche nach dem Neapel jenseits von Mafia und Müll, von Weltkulturerbe und deutscher Italiensehnsucht. Dabei bewegen sie sich in den malerischen Hügeln des Posillipo genauso wie in der unglaublich hässlichen Schlafstadt von Barra und zwischen den Resten des Stahlwerks “Italsider”. Selbst vom Zug aus lässt sich mit aufmerksamem Blick eine andere Welt entdecken: Mark Spörrle von der “ZEIT” und Beppe Severgnini vom “Corriere della Sera” reisen von Berlin bis nach Palermo und schreiben in einem Blog ihre Erfahrungen nieder. Wer wie sie reist, um zu fragen, stößt bisweilen schon beim Kofferpacken auf erste Denkwürdigkeiten...
Deutsches Bier und italienische Pizza
Der deutsche Papst und die Liebe der Deutschen zu italienischen Badeorten, die deutsche Kritik an Berlusconi und an italienischen Straßenräubern sind Themen für Karikaturisten: Mit einem Augenzwinkern und einem Lächeln nehmen sie liebgewonnene Eigenheiten ihrer jeweiligen Landsleute aufs Korn. Dabei materialisieren sich vordergründig in deutschem Bier und italienischer Pizza die Klischees über die Italiener, welche die Deutschen zwar wegen ihrer Ordentlichkeit hoch schätzen, aber nicht lieben, und die Deutschen, welche die Italiener zwar in ihrer Lockerheit lieben, aber sie wenig achten. Manchmal, wie in einer Karikatur von Mauro Bian, blitzt hinter der Heiterkeit ein verborgener Ernst auf: wenn zwei Kollegen von Fiat und Opel an einem Tisch sitzen, beide mit dem Zettel zu ihrer Entlassung in der Hand.

- Hat jeder Italiener im Schnitt wirklich zwei Mobiltelefone? (Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de)
Brot und Cappuccino
Welche Bilder haben heute noch Bestand? Was ist dran an italienischer Handy-Manie, von der das Europäische Statistikamt Eurostat berichtet, dass jeder Italiener im Schnitt zwei Mobiltelefone besitze - obwohl die Tarife zu den höchsten weltweit gehören? Gibt es in Zeiten der Globalisierung noch nationale Institutionen wie deutsches Brot und italienischen Cappuccino? Mit spitzer Feder schreiben dazu Autoren über ihr eigenes Land. Ganz normale Bürger erzählen in einem Forum des Goethe-Instituts über ihre Sicht der Dinge. Einer der Beiträge lautet: “Das jeweilige Bild der anderen Nation ist sehr emotional geprägt. Ein Grund mag in der engen historischen Verbundenheit über zwei Jahrtausende liegen ... Ein guter Ansatz wäre die Bereitschaft, auf beiden Seiten der Alpen voneinander zu lernen, wie das in Wirtschaft, Architektur, Kunst und Handwerk lange üblich war.”
Rahmenprogramm zum deutsch-italienischen Projekt
Das Projekt “Va bene!?” wird begleitet von einem dichten Veranstaltungskalender mit Ausstellungen, Vorträgen, internationalen Workshops, einem Journalistenwettbewerb und diversen Filmreihen. Beispielsweise stehen im Fokus des Hamburger Cinefestes die transalpinen Beziehungen der deutsch-italienischen Filmgeschichte. Auch wissenschaftliche Publikationen beschäftigen sich mit den bilateralen Beziehungen: Das Institut für Auslandsbeziehungen analysiert die kulturellen Verbindungen; die Bundeszentrale für politische Bildung legt im Herbst 2010 einen Länderbericht zu Italien vor. Die Reihe der Veranstaltungen gipfelt in zwei Konferenzen: Im Herbst 2010 wird in Rom und 2011 in Berlin Bilanz gezogen.
[GD]









