Mittwoch, 23. Juni 2010

Von: NP

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Victoria | Daniel | Hochzeit | Schweden | Königin Silvia | König Carl Gustaf | Prinzgemahl | Kronprinzessin
Schwedisches Königshaus

Die Hochzeit der Kronprinzessin

Kronprinzessin Victoria
Victoria Ingrid Alice Désirée von Schweden. (Foto: prinzessinvictoria.de)

Victoria Ingrid Alice Désirée von Schweden (Herzogin von Västergötland) wurde am 14. Juli 1977 geboren. Sie ist das älteste Kind von König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia und damit die Kronprinzessin des Königreiches Schweden. Sie erhielt eine sehr gute Ausbildung und studierte unter anderem Politikwissenschaft. Ende der 90er Jahre erkrankte Victoria dann aber an Magersucht. Der Druck um die Zukunft als „Königin“ wog dem Victoria- Biographen Stefan Blatt zufolge zu schwer. Die Kronprinzessin floh vor der Öffentlichkeit in die USA, wurde wieder gesund und trennte sich von ihrem damaligen Freund Daniel Collert. Um die Probleme mit ihrem Körperempfinden zu lösen, ging sie ins Fitnessstudio und traf 2001 Daniel Westling, den einfühlsamen und hilfreichen Trainer, der bald ihr Freund und dann ihr Partner wurde. Im Februar 2009 wurde die Verlobung der Kronprinzessin mit dem Bürgerlichen bekannt gegeben.

Daniel Westling

Die Medien nennen ihn gern „den Fitnesstrainer“. Seine jetzigen Schwiegereltern Silvia von Schweden und der amtierende König Carl XVI. Gustaf hören das weniger gern. Olof Daniel Westling wurde als Beamtensohn am 15. September 1973 in Örebro geboren und ist damit vier Jahre älter als seine schöne Gattin. Sein Start in die königliche Welt vor acht Jahren wird allzu oft als eher wackelig beschrieben, hatte er doch kein adeligen Hintergrund, keinen Studienabschluss und nur bescheidene Englischkenntnisse. Doch er machte sich dahingehend auch nie etwas vor und sagte bei seiner Rede auf dem Festbankett der Hochzeit: „Am Anfang des Märchens war dieser junge Mann vielleicht kein Frosch, aber auch nicht wirklich ein Prinz. Auch der erste Kuss hat daran nichts geändert.“ Mit der Hochzeit wurde er dann  ‚Prinz’ Daniel von Schweden, Herzog von Västergötland.

Daniel Westling
Daniel Westling. (Foto: prinzessinvictoria.de)

Goldmarie und Pechmarie?- Victoria und Madeleine

Auch Victoria hatte es nicht immer leicht. Wegen ihrer Lese-Rechtschreibschwäche brachte ihre Schulzeit Probleme mit sich, trotz späterer hervorragender Ausbildung. Auch die Magersucht ließ sie in der Öffentlichkeit nicht als die strahlende Prinzessin erscheinen, die sie heute ist. Ganz anders sah es da für ihre 1982 geborene Schwester Madeleine aus, die Herzogin von Hälsingland und Gästrikland. Um diese schwedische Prinzessin wurden keine Skandale laut, sie ist seit Ende 2002 glücklich liiert und seit Juni 2009 sogar verlobt. Der schwedische Rechtsanwalt Jonas Claes Bergström wurde lieber gesehen als „der Fitnesstrainer“ von Victoria, der mitunter als „ungebildet“ und „nicht standesgemäß“ zerrissen wurde. Bergström und die schöne Madeleine gaben das nahezu perfekte Paar. Nahezu. Im April 2010 wendete sich das Blatt. Der schwedische Königshof gab die Auflösung der Verlobung bekannt, nachdem Bergströms Affäre mit der norwegischen Handballerin Tora Uppstrøm Berg ruchbar wurde. Victorias Glück mit ihrem soliden Bürgerlichen strahlte plötzlich auch in einem besseren Licht - auch wohl in den Augen des Königs, der sich in Bergström getäuscht hatte.

Die Hochzeit

Am 19. Juni 2010 war es dann soweit - auf das glanzvolle Fest hatte sich ganz Schweden gefreut. 1.100 geladene Gäste kamen in die Stockholmer Nikolaikirche (Storkyrkan) zur Trauung der Prinzessin und des Bürgerlichen. Am 19. Juni 1976, genau 34 Jahre zuvor, hatten ihre Eltern ebenda geheiratet. Während Victoria entspannt und sicher wirkte, konnte Daniel, den sie mit der Heirat zum Prinzen und Herzog machte, seine Nervosität kaum verstecken, geriet sogar beim Ringeanstecken ins Schleudern. Er meisterte die Trauung dennoch und war erkennbar gerührt. Einziges Manko für die betagten adeligen Gäste: Wegen der vielen TV- Scheinwerfern herrschte mit über 30 Grad tropisches Klima in der Kirche.

Victoria Ingrid Alice Désirée
Kronprinzessin Victoria. (Foto: prinzessinvictoria.de)

„Das Kleid“

Lange wurde gerätselt, was Victoria zu ihrer Vermählung wohl tragen würde. Sie erschien letztlich in einem puristischen schulterfreien Kleid aus cremefarbener Seide. Der Schöpfer war eben, wie schon vermutet, der Lieblingsdesigner der Kronprinzessin, Pär Engsheden. Er hatte neben anderen Kleidern schon Victorias Verlobungskleid und das ihrer Schwester entworfen. Weniger schlicht hielt sie es allerdings mit ihrer fast fünf Meter langen Schleppe. Der Schleier stammte ebenso wie das französische Kameediadem von der Hochzeit der Mutter. Das Diadem war 1809 ein Geschenk von Napoleon an seine Frau Josephine gewesen und überstrahlte sogar Victorias Ehering aus 25 Brillanten. Das prunkvolle Bild um die schöne Braut wurde von einem Brautstrauß aus Sommerblumen und zehn Blumenkindern aus den befreundeten Monarchien Norwegen, Niederland und Dänemark abgerundet.

Die Feier

…war aber mit der Trauung noch längst nicht vorbei. Im Anschluss an die Trauung und nachdem Daniel dem neuen Stand gemäß Schärpe und Orden angelegt hatte, trat man eine 7,3 km lange Fahrt zu Kutsche und Boot durch die Stadt an. Statt der 250.000 erwarteten Schaulustigen kamen eine halbe Million. Bei den Eltern waren es damals ‚nur’ 180.000 gewesen. Ohne sichtliche Anstrengung grüßte und lächelte das Brautpaar über die gesamte Strecke und zeigte auch die vom Volk verlangte Zuneigung. Sie küssten sich, was die Presse mitunter tatsächlich in Anzahl und Uhrzeit festhielt. Von der Fahrt zurück auf dem Balkon bei Leonbacken sprach die Prinzessin dann zum Volk: „Liebe, liebe Freunde, danke, dass ihr mir meinen Prinzen geschenkt habt.“- und würdigte so die Herzlichkeit, mit der Daniel doch noch in Schweden als neuer Prinz der Herzen aufgenommen wurde.

„Von einem der auszog das Fürchten zu lernen“- das Leben als Prinzgemahl

Carl XVI. Gustaf
König Carl XVI. Gustaf. (Foto: prinzessinvictoria.de)

Hochzeiten von Adeligen und Bürgerlichen gab es schon mehrere. Auch Silvia Königin von Schweden heiratete als bürgerliche Deutsche deutsch- brasilianischer Abstammung in Schwedens Königshaus ein. Als weibliche und zugleich gut qualifizierte Dolmetscherin mit sozialer Ader war sie dort als Repräsentantin gern gesehen und wurde vom Volk in einer Art geliebt, wie nur ihre Tochter es übertreffen könnte. Doch als Prinzgemahl hat Daniel es in vielfacher Weise schwerer. Als das Parlament die Regelung der männlichen Thronfolge abschaffte und so Frauen und ihren „Prinzgemahlen“ die Herrschaft ermöglichte, sprach sich der konservative König Carl XVI. Gustaf dagegen aus. Sein Schwiegersohn als ‚Emporkömmling’ der schwedischen High Society, Fitnesstrainer der Promis, schien für ihn diese Vorurteile zu bestätigten. Auch wies Westling weniger Etikette auf als sein damaliger Schwiegersohn in spe Bergström. Daniel musste anders als seine Schwiegermutter oder Bergström repräsentative Fähigkeiten erst erlernen und zeigte keine Neigung zum Smalltalk. Das kreidete Carl Gustaf ihm an.

Opfer

Westling engagierte einen PR- Berater und wirkte fortan weniger steif in der Öffentlichkeit. Er zeigte sich offen und aufrichtig dem Volk gegenüber, berichtete über sein Nierenleiden, die Spende durch seinen Vater. Überraschend kam es dennoch, dass er öffentlich Stellung zu seiner Zeugungsfähigkeit und der Vererbbarkeit der Krankheit bezog. Aber seine öffentlichen Offenbarungen waren nicht sein einziges Opfer. Er musste seinen Beruf aufgegeben. Und er tat es - für die Liebe. Ebenfalls für die Liebe muss Daniel es in Kauf nehmen, die zweite Geige nach Victoria zu spielen- zumindest in der Öffentlichkeit- so heißt es. Das „Repräsentieren“- das ihm dann als Prinzgemahl neben der Zeugung von Nachkommen zur hauptsächlichen Aufgabe wird, gilt generell auch als weiblich belegte Aufgabe. Viele Prinzgemahle leiden unter der Reduzierung, die ihnen öffentlich widerfährt, leiden an Depressionen oder werden zynisch- was der Blick nach Großbritannien, Dänemark oder die Niederlande schon zeigte. Die Schweden und auch die Presse, die Daniel nun fast so sehr liebt wie seine Kronprinzessin und seine Königin,sind sich aber einig, dass er dem Druck wohl standhalten wird.

Und?

Ob nun die 5 Meter lange Schleppe, importierte adelige Blumenkinder aus den Nachbarländern, schwitzende Royals, die Einbuße des Berufs des Bräutigams, Verlautbahrungen über die „hoheitliche Potenz“, protokollierte Zärtlichkeiten, pompöse Ringe, ewige künstlich wirkende Rundfahrten durch die Stadt zum Winken und Lächeln, aufkeimende Diskussionen um die Bedeutung der Monarchie, die angeblich nicht passend gekleidete Mutter des Bräutigams oder die liebevolle Rede des Vaters, ob nun die zu kurze Rede des Königs, die ja etwas bedeuten könnte oder die Kleider von Mette Marit oder Madeleine, ob nun zu viel Schmuck oder zu schlichtes Kleid und angeblich geplante Gesten - wenn eine Hochzeit so öffentlich gefeiert wird, gibt es viel, woran wiederum viele Anstoß nehmen, was sich zum Reden, Spekulieren, Zerreißen lohnt. Festzuhalten bleibt aber: Es war märchenhaft, so märchenhaft wie jeder Bund zwischen zwei Menschen, die sich den Umständen und Opfern zum Trotz lieben und sich nicht schämen, es zu zeigen, ist. Es gibt also nicht viel zu sagen, es wurde geheiratet- ganz spektakulär unspektakulär. 

[NP]