Freitag, 16. Juli 2010

Von: KS

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Staatspräsident Italien | Giorgio Napolitano | Kommunist | Widerstandskämpfer | Europaparlament
Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano 85 Jahre alt

Hüter demokratischer Freiheiten

Giorgio Napolitano
Giorgio Napolitano, Staatspräsident Italien. (Foto: quirinale.it)

Er macht den Eindruck eines Aristokraten, und weil er angeblich dem letzten italienischen König Umberto II ähnlich sieht, wird er in Rom auch "der Prinz“ genannt. Aber der jetzt 85 Jahre alte italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano hat keineswegs blaues Blut in den Adern – eher rotes. Denn erstmals in der Geschichte der Republik Italien ist mit ihm ein ehemaliger Kommunist Staatsoberhaupt. Er ist kein Aristokrat, aber er ist ein Grandseigneur. Im Mai 2006 wurde er vom damaligen Ministerpräsidenten Romano Prodi als Kompromisskandidat für das Amt des Staatspräsidenten vorgeschlagen. Erst im vierten Wahlgang wurde er mit der Mehrheit der 1009 Wahlmänner aus Abgeordnetenhaus und Senat gewählt . Aus dem „Kompromisskandidaten“ ist ein allseits geachteter, respektierter und auch beliebter Staatsmann geworden; der elfte in der Geschichte der Republik.

Zur Zeit des Faschismus eine kommunistische Gruppe gegründet

Giorgio Napolitano ist Neapolitaner – aber sein Nachname ist kein Künstlername. Am 29. Juni 1925 wurde er in der Stadt am Golf geboren. Schon früh, mit 17 Jahren, gründete er eine kommunistische Gruppe. Das war im Jahr 1942 im faschistischen Italien ein gefährliches Unterfangen. Aus dem Untergrund starteten diese jungen Kommunisten immer wieder Aktionen gegen die regierenden Faschisten – Napolitano überstand dies alles und widmete sich nach dem Kriegsende dem Jurastudium, das er 1947 abschloß.

Ein Vertreter des sozialdemokratischen Flügels

Wulff und Napolitano
Christian Wulff (l.) und Giorgio Napolitano (r.) 14.07.2010 (Foto: quirinale.it)

Schon 1945 hatte er sich offiziell der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) angeschlossen, und fortan führte der politische Weg gradlinig aufwärts: 1953 wurde er Abgeordneter, stieg in das Nationalkomitee seiner Partei auf und wurde einer der einflussreichsten Politiker in der PCI. Dabei blieb er nicht unumstritten. Politische Gegner warfen ihm in den 1950er Jahren einerseits vor, er verharmlose die Verbrechen des Stalinismus; andererseits galt er immer als einer der führenden Vertreter des moderat-sozialdemokratischen Parteiflügels, der so genannten Miglioristi.

Napolitano bootete die Stalinisten aus

Er war und ist ein „Reformer“, auch innerhalb der eigenen Partei. Es gibt nicht wenige, die sagen, der damalige Parteichef Achille Occhetto hätte es 1989 bei allem guten Willen nicht geschafft, aus der kommunistischen Partei eine Partei des „Demokratischen Sozialismus“ zu machen, wenn Napolitano nicht im Hintergrund die Fäden gezogen hätte. Dass diese Partei später unter der Leitung seines weitaus jüngeren Genossen Walter Veltroni schließlich eine sozialdemokratische Partei wurde, war ebenfalls mit sein Verdienst. Napolitano, als Anführer der Reformer, hat seinerzeit, vor allem in den ganz Europa umkrempelnden Jahren 1989/1990, die Schalthebel in der PCI-Zentrale so umgeworfen, dass die orthodoxen Marxisten wie der Altkommunist Pietro Ingrao oder der Altstalinist Armando Cossutto in der Minderheit blieben. So war es schließlich auch sein Erfolg, dass seine gewandelte Partei im September 1992 den endgültigen Anschluß an die von Willy Brandt so stark geprägte „Sozialistische Internationale“ fand und auf dem Kongress in Berlin Vollmitglied werden konnte.

Mitglied auch im Europäischen Parlament

Napolitano, der gelernte Jurist, hatte und hat stets einen besonderen „europäischen Blick“. Schon seit 1986 war er verantwortlich für die außenpolitischen Beziehungen der Kommunistischen Partei Italiens gewesen, von 1989 bis Anfang 1992 war er Mitglied des Europäischen Parlaments. Außenpolitische Bindungen, Verflechtungen und Notwendigkeiten hat er beispielsweise in seinem 1992 veröffentlichten Buch "Europa e America dopo 1989" – Europa und Amerika nach 1989 – ausgebreitet.

[KS]