Montag, 23. August 2010

Von: KS

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Olympische Spiele | Venedig | Rom | Olympische Spiele 2020 | Olympisches Komitee | IOC
Olympische Sommerspiele 2020 in der Lagunenstadt?

Venedig und das Veneto im Olympiafieber

Olympische Spiele
Olympische Sommerspiele 2020. (Foto: Klaus Steves / pixelio.de)

Es ist ein besonders reizvoller Gedanke: Venedig bewirbt sich um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2020. Es wäre wohl etwas: Turmspringen etwa von der Rialto-Brücke, Rudern auf dem Canal Grande oder klirrendes Pistolenschießen auf der Glasbläser-Insel Murano. So phantasievoll ist es natürlich nicht geplant; aber die Bewerbung steht. Und die Italiener haben gute Chancen. Sie rechnen fest damit, dass die Olympischen Spiele in zehn Jahren wieder in Europa stattfinden werden, und weil sie im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gut vertreten sind, eine starke Pressure-Group haben, gehen sie von Spielen auf der Apennin-Halbinsel aus. Und weil der nationale Konkurrent Rom die Spiele nach dem Zweiten Weltkrieg schon einmal, wenn auch vor 50 Jahren – im Jahre 1960 – hat austragen dürfen, sehen sich die Venezianer im Vorteil.

Auch die Römer haben erneut Interesse

Die endgültige Entscheidung, wo die Olympischen Spiele 2020 stattfinden werden, wird auf einer IOC-Sitzung im Jahr 2013 in Buenos Aires fallen. Dort werden die Italiener – ob Venedig oder Rom – auf starke internationale Konkurrenz stoßen. Madrid und Tokio haben ihr Interesse bekundet. Über eine Olympia-Kandidatur wird zudem in Südafrika, Marokko und Dubai laut nachgedacht. Diese Länder haben indessen geringere Chance: Südafrika war zuletzt bereits Ausrichter des Sport-Großereignisses Fußball-Weltmeisterschaft; Marokko und Dubai liegen, wie auch Tokio, bekanntermaßen nicht in Europa.

Massimo Cacciari
Massimo Cacciari, Bürgermeister Venedig (Foto: comune.venezia.it)

Das ganze Veneto soll teilhaben

Venedigs Bürgermeister Massimo Cacciari, Philosoph und Anhänger der Grünen, hat für die Bewerbung seines Konzepts ein besonders interessantes Konzept. Er baut auf das Argument, Olympische Spiele müssten nicht allein in den engen Mauern einer einzigen Stadt ausgetragen werden. Davon könnten auch die Menschen einer ganzen Region profitieren. Also heißt Venedigs Konzept für 2020: Das ganze Veneto soll teilhaben können.

Marathonlauf in Jesolo 

Natürlich sind solche sensiblen Kulturdenkmäler wie die Rialtobrücke, der Canal Grande oder die Glasbläserinsel Murano nicht als Wettkampfstätten eingeplant. Das Konzept sieht vielmehr so aus: In Verona, Udine, Vicenza und Triest soll das olympische Fußballturnier stattfinden; in Treviso die Kanu-Wettbewerbe, Rugby und Radfahren; in Padua Reiten, Schießen und Badminton; dann in Venedig selbst, im Parco San Giuliano, Hockey, Bogenschießen; Jesolo ist für den Marathonlauf und Beach-Volleyball eingeplant. Zentrum des olympischen Geschehens soll Tessera (östlich von Mestre) werden, vor allem mit der Leichtathletik und einer Reihe anderer Sportarten, darunter der Fußball-Endrunde, Ringen, Schwimmen und Handball. Die Planer wollen schließlich den venezianischen Vega Park (Handball, Gymnastik) und natürlich den Lido integrieren. Dort sollen die Golfer, die Bahn-Radfahrer, die Segler und die Handballer ihre Wettkämpfe austragen. Erhält Venedig tatsächlich den Zuschlag, wird das ein Olympia der weiten Wege.

Kosten liegen bei 15 Milliarden Dollar

Venedig hatte schon einmal besonderen olympischen Ehrgeiz. Mit den Alpen im Rücken hatte sich die Stadt 1998 für die Olympischen Winterspiele 2006 beworben und war Turin unterlegen. Die Austragung der Olympischen Sommerspiele in zehn Jahren würde rund 15 Milliarden Dollar kosten – aber der Ertrag für Stadt und Region läge weit darüber.

[KS]