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Als Austauschschüler ein Jahr in die USA

- Flagge der Vereinigten Staaten. (Foto: Christine Becker / pixelio.de)
Ein Jahr kostenfrei in den Vereinigten Staaten von Amerika zu lernen, Land und Leute kennen zu lernen, Erfahrungen in der „Neuen Welt“ zu sammeln - diese Möglichkeiten eröffnet ein Parlamentarisches Austauschprogramm jungen Leuten. Und viele wissen es gar nicht. Paul aus Frankfurt hat es gewusst. Der 17jährige Gymnasiast ist ein ausgezeichneter Schüler, aber beileibe kein Streber. Er spielt Saxophon in einer Band und American Football im Verein. Er hat also Hobbies, die in der Mainmetropole nicht selten sind, seit dort die US-Army über Jahrzehnte das Umfeld geprägt hat. Das alles hat sich ausgezahlt:
360 Schüler und Berufstätige in die USA
Der Schüler hat nämlich, dank der Unterstützung des Deutschen Bundestags und der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach, einen einjährigen Aufenthalt in den USA absolviert. Er hat teilgenommen am Parlamentarischen Partnerschaftsprogramm (PPP): Der Bundestag schickt nämlich – in Zusammenarbeit mit örtlichen Parlamentariern – jährlich 360 ausgewählte deutsche Schüler und junge Berufstätige für ein Jahr in die Staaten; im Gegenzug kommen 350 junge Amerikaner in deutsche Schulen und Familien. Das Programm ist im Jahr 1983 begründet worden. In den abgelaufenen 27 Jahren haben rund 19.000 junge Leute auf diesem Wege Kultur und Lebensgewohnheiten des transatlantischen Partners kennen, verstehen und schätzen gelernt.
Gegenseitig Verständnis wecken
PPP war seinerzeit gegründet worden zum 300. Jahrestag der ersten deutschen Einwanderung in die Vereinigten Staaten, und zwar gemeinsam vom Deutschen Bundestag und dem US-Kongress. Dahinter stand die Überzeugung – wie schon die Gründerväter ausdrücklich betonten – dass nichts den Blick auf und das Verständnis für eine andere Gesellschaft so nachhaltig schärft wie das Eintauchen in dessen Alltag. Dies war vor fast 30 Jahren auch deshalb von einiger Notwendigkeit, weil in den 1980er Jahren die Amerika-Euphorie der Nachkriegszeit deutlich abgekühlt war und sich ein auch unreflektierter Anti-Amerikanismus, nicht nur in Deutschland, auszubreiten begann.
Wahlkreisabgeordnete als Sponsoren
Die Austauschpraxis, die Auswahl also, vollzieht sich folgendermaßen:
Die 285 deutschen Schüler und 75 Berufsanfänger werden jeweils von heimischen Paten- Bundestagabgeordneten, also den Wahlkreisabgeordneten, nominiert und stehen mit ihnen in ständigem Kontakt. Dabei spielen parteipolitische Präferenzen keine Rolle: Es geht um Leistung und Leistungsbereitschaft. Das Interesse der Parlamentarier an diesem Austauschprogramm ist groß. Nach Angaben der Bundestagsverwaltung bewerben sich Jahr für Jahr mehr Abgeordnete um eine Patenschaft, als angesichts der beschränkten Zahl von Plätzen berücksichtigt werden können.

- Berufsanfänger drücken in den USA wieder die Schulbank (Foto: Jochen B. / pixelio.de)
Berufsanfänger besuchen die Berufsschule
Für die 75 jährlich ausgewählten Berufsanfänger ist dieses Programm ein besonderes Highlight. Denn solche Programme sind für sie besonders rar. PPP bietet in der Bundesrepublik fast die einzige Chance, ein Jahr jenseits des Atlantiks zu verbringen. Die ausgewählten jungen Leute gehen zunächst für sechs Monate auf ein Community-College – eine Art Berufsschule – und suchen sich dann für weitere sechs Monate ein Praktikum.
Für ein Jahr bei Gastfamilien
Die eigentliche Abwicklung des vom Bundestag gesponsorten Programms liegt in den Händen renommierter Austausch-Organisationen, die sich alle vier Jahre in einer öffentlichen Ausschreibung bewähren müssen. Sie treffen auch die Vorauswahl der Bewerber, deren Zahl inzwischen jährlich ein Zehnfaches der zur Verfügung stehenden Plätze beträgt. Sie wählen auch die Gastfamilien aus, die ihre jungen Gäste ein Jahr lang ehrenamtlich bei sich aufnehmen.
Manchmal ist es auch ein Kulturschock
Viele der jungen Leute, die an diesem Programm teilgenommen haben, sagen später, sie seien in den zwölf Monaten erwachsener geworden, auch wenn es Heimweh gegeben habe – und nicht selten auch eine Art Kulturschock. Wobei es gemeinhin die jungen Deutschen in den USA leichter haben als umgekehrt die jungen Amerikaner in der Bundesrepublik: Die Deutschen sprechen die Landessprache, die Amerikaner häufig kein Wort deutsch. In den USA bestimmt die Schule den Tagesablauf und die sozialen Aktivitäten bis in den späten Nachmittag. In Deutschland hingegen werden die jungen Gäste ab Mittag meist sich selbst überlassen und müssen sich in einer völlig fremden Welt allein um ihre Freizeitgestaltung bemühen. Es sind völlig neue Welten – hier wie da. Pauls jüngerer Bruder Luis hat Lunte gerochen. Er hat sich jetzt in Frankfurt ebenfalls für den Austausch beworben.
Nähere Informationen gibt es beim Deutschen Bundestag, Rufnummer: 030-227 39336; Berichterstatter für das Programm ist der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen.
[KS]









