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Gibt es Sieger in der Bildung?

- Wo lernt man am besten? (Foto: Stephan Bachmann / pixelio.de)
In Deutschland regelt Artikel 7 des Grundgesetzes, dass das gesamte Schulwesen „unter der Aufsicht des Staates“ steht. Die Durchführung liegt aber bei den Bundesländern. Ihre Kulturhoheit ergibt Unterschiede etwa im Abitur nach 12 oder 13 Jahren oder bei Studiengebühren im Hochschulbereich. Dennoch gibt es einen einheitlichen Kurs im deutschen Bildungssystem – wie die weitgehend vierstufige Gliederung in Primarstufe, Sekundarstufe I und II, den tertiären (z.B. Hochschulen) und den quartären (Weiterbildung) Bereich oder auch die zehnjährige Schulpflicht. Übergeordnet verhält es sich mit Europa, beziehungsweise den Mitgliedsländern der EU, ähnlich: Es gibt Unterschiede, aber auch einen gemeinsamen Kurs.
EU-Vergleich
Anders als in der BRD und der Schweiz werden Bildungsfragen in der EU generell von den Regierungen entschieden, die Bildungspflicht schwankt zwischen acht (Italien) und zwölf (Belgien) Jahren und neue Arbeitsmarktanforderungen, unterschiedliche politische, technologische und wirtschaftliche Entwicklungen haben auch starke Abweichungen in den Berufsausbildungssystemen potenziert.
Die Berufsausbildung kann so entweder im dualen System mit der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule erfolgen, oder aber auch in Vollzeitschulen, nur in Betrieben oder in Mischformen dieser vorgenannten Typen. Kennzeichnend für die Berufsausbildung ist in der EU die Ausbildung in Vollzeitschulen. Als gemeinsamen Kurs in Europa kann man die überwiegend fünf Bildungsbereiche ab der Vorschule und eine starke Verbreitung von Einheits- und Gesamtschulen betrachten. Ebenfalls einig und festgehalten unter „Bologna“ ist die allgemeine Umstrukturierung des Hochschulbereichs, etwa die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge.
OECD-Ländervergleich
Global sind die Unterschiede noch gewichtiger als zwischen den EU-Ländern. Wenn man vergleichen will, dann am besten zwischen den OECD-Ländern (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Sie gelten generell als entwickelt und weisen ein relativ hohes Pro-Kopf-Einkommen auf – sind also in ihren Voraussetzungen vergleichbarer als etwa Finnland und Simbabwe. Die einzelnen Staaten schneiden aber nicht durchgängig gut oder schlecht ab – von Vorschulbildung bis zu lebenslangem Lernen. So unterscheiden sich die Bildungsausgaben für die jeweiligen Bereiche auch stark innerhalb eines Landes. Das Motto also: Zur Vorschule nach Dänemark, zum Kindergarten nach Deutschland, zur Schule nach Finnland und zum Studium in die USA.
Internationales Bildungsranking
Und so ist es tatsächlich: Auch wenn in Deutschland die Vorschule noch nicht zum Pflichtprogramm gehört, ist man sich doch allgemein einig, dass sie dabei hilft, Bildungschancen durch alle Bevölkerungsschichten anzugleichen. Die EU-Quote von Unter-Dreijährigen in einer Kinderkrippe liegt bei 26 Prozent. Deutschland liegt mit 18 Prozent klar darunter und wird vom Nachbarland Dänemark mit 73 Prozent mehr als ausgestochen.
Beim Besuch der (wenn auch nur selten ganztägigen) Kindergärten für Drei- bis Sechsjährige liegt Deutschland mit 93 Prozent dann aber wieder über dem Durchschnitt von 84 Prozent. Ein nationenübergreifender Blick auf die PISA-Studien verrät, dass sich Deutschland mit Platz 13 von 57 noch etwas von den Spitzenreitern Finnland, Hongkong, Kanada und Taiwan abschauen kann – hier ist der Bildungsstand der 15-Jährigen am höchsten. Und in der Slowakei, Slowenien und Tschechien ist die Quote der 20- bis 24-Jährigen, die mindestens einen Hauptschulabschluss aufweisen können, am höchsten. Das waren 2005 in Deutschland „nur“ 71 Prozent, während die Quote in östlicheren Ländern bei über 90 Prozent lag.
Hochschulranking

- Zum Studieren auf eine Eliteuni in den USA – dazu fehlt vielen das nötige Kleingeld (Foto: Sebastian Bernhard / pixelio.de)
Beim internationalen Vergleich der Hochschulen liegen Harvard, Yale, Princeton oder auch das MIT regelmäßig vorn. Das lockt natürlich prominente Wissenschaftler zur Professur und die heben wiederum den Ruf. Dass das ganze durchaus mit Geld zu tun hat, ist leicht vorstellbar. Dabei geht es aber weniger um die Gelder, die der Staat investiert – wirklich ertragreich sind neben den hohen Studiengebühren Privatspenden und Stiftungen etwa von Ehemaligen, für die das Ehrensache ist.
Auch in China ist ein Platz an einer Universität heiß begehrt. Die Zugangsexamen für ein Studium sind hart und verlangen von Anwärtern aus ländlichen Gegenden eine höhere Punktzahl als etwa von Anwärtern aus Peking – eine offene Ungleichheit. Auch mit der akademischen Freiheit in der Wahl von Forschungsthemen, die gegen den politischen Strom schwimmen, ist es nicht weit her. Und dennoch ist das Ziel, einmal eigene Eliteuniversitäten und das umfangreichste Bildungssystem der Welt zu haben – ein weiter Weg.
Südafrika stellt die Punktlogik für den Aufnahmetest auf den Kopf. Nur zehn bis fünfzehn Prozent der Studierenden sind schwarz. Weil Minister nun wegen der Ungleichheit mit Kürzungen drohen, müssen schwarze Afrikaner weniger Punkte im Aufnahmeverfahren erlangen als weiße. Und an australischen Hochschulen sind die Ausländer gern gesehen und machen ein Viertel der Studenten aus – sie müssen nämlich mehr als doppelt so hohe Studiengebühren zahlen und sind damit eine gute Geldquelle.
Weltbildung
Doch das sind Luxusprobleme in der Bildung. Denn immer noch sind 16 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung (776 Millionen) Analphabeten. Zumindest eine primäre Bildung erhalten 70 bis 80 Prozent der Kinder in Entwicklungsländern. Doch was ist ein Grundschulabschluss gegenüber einem der besten Bildungssysteme in Japan oder den amerikanischen Eliteuniversitäten?
Der Weltbildungsbericht der UNESCO öffnet die Augen für die subtilen Probleme mit der Bildung in der Welt. 2000 wurden vom EFA (Education for All), dem größten Programm der UNESCO im Bildungsbereich, sechs bis 2015 zu erreichende Ziele festgelegt: 1. Frühkindliche Förderung und Erziehung, 2. Universelle Grundschulbildung, 3. Lebenslanges Lernen für Jugendliche und Erwachsene, 4. Alphabetisierung Erwachsener, 5. Geschlechterparität und Gleichberechtigung und 6. Bildungsqualität.
Entwicklungsländer und Bildung
Manche Ziele konnten schon erreicht werden. So sind die Einschulungsquoten etwa in Tansania besonders auch aus den ärmsten Familien stark gestiegen. Aber es gibt auch noch starken Nachholbedarf. Zwei Drittel der Millionen Analphabeten in der Welt sind Frauen. Sie kommen vorwiegend aus Süd- und Westasien (etwa 380 Millionen) und Subsahara-Afrika (150 Millionen). Selbst von den heutigen Kindern besuchen noch immer 75 Millionen keine Schule und weltweit fehlen vom EFA geschätzte 18 Millionen Grundschullehrer. Neben der Bestandsaufnahme in der Umsetzung der sechs Ziele liegt der diesjährige Fokus des Weltbildungsberichts auf der Bedeutung von politischem Handeln, dem Engagement der Regierungen für die Beseitigung von Ungleichheiten in der Bildung.
So stark die Unterschiede in den Bildungssystemen zwischen entwickelten Ländern und Entwicklungsländern also auch sein mögen, das eint sie. Ungleichheiten in der Bildung, zum Beispiel durch Einkommen, Geschlecht, ethnischen Hintergrund, Sprache oder Behinderung, gibt es überall. Und so wird es noch lange dauern bis es wirkliche Siegerstaaten in der Bildung geben wird …
[NP]









