Mittwoch, 15. Dezember 2010

Von: KS

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Deutsche Welle | Intendant Bettermann | Deutscher Auslandsrundfunk | Rundfunkreform | Radio | DW-Internet
Intendant Bettermann plant Reform des Senders

Deutsche Welle – auf neuen Wellen?

Deutsche Welle
Der "Deutsche Welle"-Hauptsitz in Bonn. (Foto: Deutsche Welle)

Die Deutsche Welle als Sprachrohr Deutschlands in aller Welt produziert Fernseh-, Hörfunk- und Internet-Angebote, die weltweit auf Deutsch und in vielen anderen Sprachen abgerufen werden können. Der Sender hat seinen Hauptsitz nach wie vor in Bonn – die Abteilung Fernsehen allerdings sitzt in Berlin. Angesichts der Tatsache, dass sich die Welt der Medien laufend verändert, will Intendant Erik Bettermann – seit dem Jahr 2001 im Amt, im Jahr 2006 wiedergewählt – dem Sender eine Verjüngungskur verpassen. Es ist nicht die erste, der dieser Sender im Laufe seiner Geschichte unterworfen ist.

Welches Programm soll es sein?

Denn Aufgabenstellungen verändern sich, so wie sich die Welt – deren Teile einander immer näher rücken – weiter verändert. Dabei gibt es zunächst eine Definitionsfrage: Was soll, was will, was kann die Deutsche Welle als “Sprachrohr Deutschlands” leisten? Ist sie also ein Sender für Deutsche im Ausland, ein Programm für Eliten fremder Länder, oder für Oppositionelle, die in der Welt unterdrückt werden? Ist der Sender also Sprach- und Wertevermittler oder schlicht die deutsche Stimme im Ausland – in Europa wie in Übersee?

Für Austausch der Kulturen

Rechtliche Grundlage der Arbeit der Deutschen Welle ist das so genannte “Deutsche-Welle-Gesetz”. Seine aktuelle, novellierte Fassung ist am 1. Januar 2005 in Kraft getreten. Nach diesen gesetzlichen Bestimmungen ist es Auftrag der Deutschen Welle, “Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich zu machen”. Dabei soll der Sender, so sagt es dieses Gesetz, deutschen und auch anderen Sichtweisen zu wesentlichen Themen sowohl in Europa wie in anderen Kontinenten ein Forum geben – eine Plattform also mit dem Ziel, “das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker zu fördern”.

Reform auf Kosten des Radios

Erik Bettermann
Intendant Erik Bettermann will den Sender reformieren. (Foto: Deutsche Welle)

Und wie soll das künftig geschehen, angesichts der sich ständig verändernden Welt? Bettermann und seine Direktoren haben dazu einen 18 Punkte umfassenden Modernisierungskatalog ausgearbeitet – der allerdings dem Bundestag noch nicht vorliegt. Er sieht Verlagerungen in der Arbeit des Senders vor, die gravierend sind: Die Deutsche Welle, heißt es, verfolge künftig eine neue Art der Multimedia-Strategie mit dem Ziel, aus den bisherigen drei medialen Säulen zwei zu machen. Das heißt, die Sparten Fernsehen, Radio, Internet werden umstrukturiert zu Fernsehen und Internet/Radio. Dazu heißt es in dem Strategiepapier, sowie es bislang öffentlich ist, das Fernsehen sei die “Visitenkarte der DW”. Und das Radio, in der Vergangenheit vor allem in den Ländern der Dritten Welt DAS Aushängeschild, wird zurückstecken müssen. Ein ziemlicher Einschnitt, denn der Rundfunk der Deutschen Welle hat bislang in 30 (!) Sprachen produziert.

Leicht positives erstes Echo

Dabei soll sich der Sender künftig auf bestimmte Regionen konzentrieren, von China über den Iran, Südostasien bis Südamerika. Auf Kurzwelle soll nur noch in Afrika gesendet werden; andererseits soll das Internet, dem logischerweise wachsende Bedeutung zukommt, stärker regionalisiert werden. Das erste Echo, beispielsweise aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist leicht positiv. Die Konzentration auf bestimmte Regionen der Welt sei sinnvoll, auch die beabsichtigte Stärkung des Fernsehens und des Online-Angebots. Auch die SPD – deren Mitglied Intendant Bettermann ist – sieht neue Chancen für die Deutsche Welle, ihrer gesetzlichen Aufgabe auf Dauer nachkommen zu können, Deutschland in seiner kulturellen Vielfalt zu repräsentieren. Dazu gehöre logischerweise angesichts der internationalen Medienwelt beispielsweise Digitalisierung oder Konvergenz der Medien.

Bundesregierung gibt 270 Millionen Euro

Alle Neuerungen sind allerdings auch eine Frage des Geldes. Bislang unterstützt die Bundesregierung die DW jährlich mit rund 270 Millionen Euro – für die Realisierung aller drei Sparten: Radio, Fernsehen und Internet. Die Reform allerdings dürfte teurer werden, allein schon und besonders mit der verstärkten, kostspieligen Fernseh-Gewichtung. Derzeit beschäftigt die Deutsche Welle 1.500 feste und gleichzeitig 1.500 freie Mitarbeiter weltweit. Sie produzieren journalistisch unabhängig die Programme von dw-radio in 30 Sprachen, dw-tv auf Deutsch und Englisch, dazu Programmfenster auf Spanisch und Arabisch, sowie dw-world.de ebenfalls in 30 Sprachen. Mit der dw-akademie schließlich bietet die Deutsche Welle außerdem eine Einrichtung zur Aus- und Fortbildung. Dort werden Rundfunk-Fachkräfte aus Entwicklungs- und Transformationsländern ausgebildet, aber auch der journalistische Nachwuchs des Senders geschult.

[KS]