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Steht das Ende der “Kreidezeit” bevor?

- Gehört Kreide in Schulklassen bald der Vergangenheit an? (Foto: Gerd Altmann / pixelio.de)
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) will das Schulwesen revolutionieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Digitalisierung des Unterrichts und eine Verschiebung der Prioritäten in Richtung Naturwissenschaften, Mathematik und vor allem Informatik. Diese Fächer sollten künftig ein Drittel des gesamten Unterrichts ausmachen. Bisher ist es im Schnitt der Bundesländer etwa ein Viertel.
Informatik sollte Pflichtfach von der fünften bis zur zehnten Klasse werden. Der BITKOM kritisiert nicht nur, dass Computer und Internet zu selten in den Unterricht eingebunden werden, sondern auch die Art und Weise, wie diese Technik genutzt wird. “Statt in separaten Computerräumen sollten Schüler verstärkt mit mobilen Laptops und Tablet-PCs arbeiten”, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, der ein Interesse daran haben muss, dass möglichst viele Computer verkauft werden.
Seltener Einsatz von Computern im Unterricht
Ein Forsa-Umfrage, bezahlt von dem Hightech-Verband BITKOM, unter 500 Schülern zwischen 14 und 19 Jahren hat ergeben, dass der PC bei rund 43 Prozent der Schüler gar nicht oder seltener als einmal pro Woche zum Einsatz kommt. Ein täglicher Schulunterricht unter Einbeziehung von Technik wie Computern mit Internetzugang ist nur für 15 Prozent aller befragten Schüler normal. Jeder vierte Schüler nutzt einen Computer mindestens einmal pro Woche im Schulalltag.
“Computer und Internet sind zwar an allen Schulen vorhanden, von einem regelmäßigen Einsatz kann bisher aber keine Rede sein”, sagte Scheer bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin. “Die Schulen drohen sich immer weiter von der Lebenswirklichkeit ihrer Schüler zu entfernen.” Im Privatleben hätten Computer und Internet einen sehr viel höheren Stellenwert bei den Jugendlichen. 95 Prozent von ihnen besitzen ein Handy und 99 Prozent nutzen das Internet. 75 Prozent der befragten Schüler machen regelmäßig Hausaufgaben am PC.
Mangelhafte Nutzung
Die tendenziöse Untersuchung ergab, dass die Schulen die Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten der vorhandenen Technik bisher unzureichend nutzen. “Die Geräte fristen all zu oft ein Mauerblümchendasein und werden nur für einfachste Anwendungen eingesetzt”, erklärt Wilhelm Scheer. 88 Prozent der Schülerinnen und Schüler recherchieren im Internet nach fachlichen Informationen. Etwas mehr als 80 Prozent präsentieren ihre Lernergebnisse vor der Klasse am PC und nutzen in der Regel Projektionsgeräte (Beamer), die inzwischen in den meisten Schulen vorhanden sind.
Nur knapp die Hälfte der Schüler nutzt jedoch spezielle Lernprogramme. Noch geringer ist der Prozentsatz derer, die im Unterricht lernen, wie man programmiert (33 Prozent) oder wie man eine Website gestaltet (18 Prozent). Dabei seien solche Fähigkeiten im Berufsleben gefragt. Wilhelm Scheer erläutert, dass die Schülerinnen und Schüler im Unterricht Kenntnisse im Umgang mit Computer und Internet erwerben, Medienkompetenz entwickeln sowie einen Einblick in die Funktionsweise neuer Technologien erhalten sollten.

- BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer: "Die Einführung von Informatik als Pflichtfach ist längst überfällig." (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)
Eine weitere Forderung des Verbandes bezieht sich auf die Gestaltung des Lehrplans. So gehören Informatik und das Erlangen von PC-Kenntnissen nach dessen Ansicht zu wichtigen Kompetenzen. Auf dem Arbeitsmarkt seien Fähigkeiten, die über reine Anwenderkenntnisse hinausgehen, angeblich notwendig. “Die Schulen müssen mit einem Ausbau des Informatikunterrichts reagieren”, forderte Scheer. “Die Einführung von Informatik als Pflichtfach ist längst überfällig.”
Bis dato nehmen 59 Prozent der befragten Schüler am Informatikunterricht teil. Das ist immerhin eine Steigerung um sieben Prozentpunkte in den letzten drei Jahren. Jungen sind häufiger am Informatikunterricht interessiert: Zwei Drittel von ihnen, aber nur die Hälfte der Mädchen besuchen den Informatikunterricht. Gleichzeitig befürwortet eine Mehrheit von 53 Prozent der Schülerinnen und Schüler Informatik als Pflichtfach bereits in der Sekundarstufe I. Nur ein Viertel ist eindeutig dagegen, ein weiteres Viertel ist unentschlossen.
Whiteboards für alle Klassen
Damit neue Technik im Unterricht häufiger und besser eingesetzt werden kann, müssen die Schulen zunächst besser ausgestattet werden. Der BITKOM, stets auf der Suche nach neuen Absatzmärkten, fordert: Alle Klassenräume sollten mit interaktiven Tafeln, so genannten Whiteboards, ausgerüstet werden und über einen schnellen Internetzugang verfügen. Ein interaktives Whiteboard ist eine elektronische Tafel, die mit einen Computer verbunden wird. Das Bild wird dann beispielsweise von eine Beamer an die Tafel geworfen.
Laut Umfrage nutzen derzeit 30 Prozent der Schulen Whiteboards. Weltweit sind rund 1,5 Millionen Klassenräume mit einem interaktiven Whiteboard ausgestattet, ein Drittel dieser befindet sich in Großbritannien. In Deutschland sind nur 26.000 Whiteboards im Schuleinsatz – zuwenig, findet der BITKOM. Interaktive Whiteboards haben den Vorteil, dass sie Tafelbilder speichern und in einer darauffolgenden Stunde abrufen können. Außerdem können Computer und Internet mit ihnen verbunden werden, sodass diese Techniken zusammen eingesetzt werden können.
Schüler wollen angeblich neue Technik
Nach den Ergebnissen der von der BITKOM gekauften Umfrage wünschen sich 84 Prozent der Schüler, dass elektronische Medien stärker in den Unterricht eingebunden werden. Neun von zehn Schülern meinen, dass durch den Einsatz dieser Technik Schulstunden interessanter werden. 79 Prozent sagen, dass sie zum besseren Verständnis der Lehrinhalte beitragen. Problematisch sei jedoch, dass Lehrer zu schlecht geschult seien. Zwei Drittel der Schüler plädiert für Lehrerfortbildungen auf diesem Gebiet. Fast die Hälfte (44 Prozent) meint, dass viele Lehrer angeblich einfach keine Lust hätten, Computer und Internet im Unterricht einzusetzen.
Frage der Kosten
Angaben über die Höhe der Kosten für eine Umstellung des Schulunterrichts auf neue Technik macht der BITKOM selbstverständlich nicht. Sicherlich dürften PCs mit Internetzugang, Beamer in jeden Klassenraum und das Ersetzen von Schiefertafeln durch interaktive Whiteboards einen hohen finanziellen Aufwand bedeuten. Jedoch muss auch an die Chancengleichheit von Schülern gedacht werden. Wenn ein gewisser Prozentsatz der Schüler schon heute täglich mit neuen Medien im Unterricht arbeitet, haben diese einen Vorteil gegenüber anderen Schülern.
[MK]









