Dienstag, 22. Februar 2011

Von: RM

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MEDIA @ Berlinale 2011

Europas Filmindustrie fördern

MEDIA Mundus
Das EU-Filmförderprogramm MEDIA Mundus (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

In gewohntem Glanz und Glamour lud das Ritz Carlton am Potsdamer Platz in Berlin Produzenten und Medieninteressierte aus ganz Europa dazu ein, das europäische MEDIA Programm zu begutachten und sich zu den neuen Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren. Überschattet jedoch wurde die Veranstaltung von dem in allen europäischen Sprachen ausgeführten Wort “Krise”. Gilbert Gascard, Direktor der Exekutivagentur (EACEA) in Brüssel, fasste die Erfolge des MEDIA-Programms in Anbetracht des nun bereits 20-jährigen Jubiläums zusammen: Seither haben über 600 Produktionsfirmen mehr als 400 Filme mit der Unterstützung des MEDIA-Programms produziert.  Dies sei zwar ein Erfolg, es blieben aber noch zahlreiche Herausforderungen zu meistern – so der Grundtenor der Veranstaltung.

Was ist MEDIA? Bereits 20 Jahre Geschichte!

Auf den Berliner Filmfestspielen sind beinahe 30 von der Europäischen Union kofinanzierte Filme vertreten gewesen – dies sind die sichtbaren Effekte des MEDIA-Programms, das in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch ein Schattendasein fristet. Das MEDIA Programm zur Unterstützung des audiovisuellen Sektors in Europa stellt im Zeitraum von 2007-2013 aber 755 Millionen Euro für den audiovisuellen Wirtschaftssektor bereit. Gefördert wird vor allem die Produktionsfinanzierung, Weiterbildung im Film- und Kinosektor, die Schaffung von Netzwerken und Strukturen zur Distribution und Promotion sowie innovative Pilotprojekte zur Nutzung von neuen Technologien als auch Video on-Demand-Dienstleistungen und digitales Kino. Das Programm wird durch die Brüsseler Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) verwaltet.

MEDIA auf der Berlinale 2011

Das europäische Programm MEDIA mit nunmehr 20 Jahren an Erfahrungen bot den Teilnehmern der diesjährigen Berlinale ein breites Rahmenprogramm mit einem bunten Mix aus Veranstaltungen, Beratungen und Filmen an.  Die verantwortliche deutsche Nationalagentur MEDIA Desk und Antennen Deutschland lud 28 Produzenten aus 18 Staaten zu dem Koproduktionstreffen “Share your Slate” ein. Zehn europäische Schauspieltalente, unter anderem der deutsche Vertreter, Alexander Fehling, bekannt als der “junge Goethe”, hatten die Chance, sich während des Shootingstar-Wettbewerbs Ihrem europäischen Publikum vorzustellen.  Der Berlinale Talent Campus ließ über 350 junge europäische Filmemacher aus aller Welt ihre Erstlingswerke präsentieren. Für die breite Öffentlichkeit waren immerhin beinahe 30 von MEDIA unterstützte Filme mit dem kritischen Auge des Kinozuschauers zu begutachten, darunter unter anderem die Filme PINA von Wim Wenders sowie MEIN BESTER FEIND von Wolfgang Murnberger.

Garantiefonds für kleine und mittlere Produktionen

Während des Treffens wurde der neue Garantiefonds für die Filmindustrie vorgestellt. Der Infotag während der Berlinale wurde dazu genutzt, das neue Finanzierungsinstrument bekanntzumachen. Der frisch geschaffene Garantiefonds soll vor allem kleinen und mittleren Produktionen den Zugang zu Finanzierungen in Form von Krediten erleichtern. Bis 2013 stehen somit noch weitere 8 Millionen Euro zur Verfügung, um Banken bei der Kreditvergabe an Produzenten Sicherheit zu geben.

Hebeleffekt oder Nullsummenspiel?

Was während des Treffens für reichlich Missverständnisse und Wirbel sorgte? Die neuen finanziellen Mittel werden nach diversen Schwerpunkten und zu vollkommen unterschiedlichen Konditionen durch zwei nationale Institutionen aus Frankreich und Spanien verwaltet: IFCIC (Institut pour le Financement du Cinéma et des Industries Culturelles) sowie die Audivisual SGR (Sociedad de Garantia reciproca para el Sector Audivisual). Mit jeweils ca. 4 Millionen Euro sollen sie, Produzenten europaweit den Rücken stärken, um so einen Hebeleffekt von insgesamt 66 Millionen Euro Volumen zu schaffen. Im Falle, dass der Produzent den Kredit nicht zurückzahlen kann, decken die Institutionen je 55% (IFCIC) oder 50% (SGR) des Kredites ab. Eine wichtige und ebenso heiß diskutierte Voraussetzung hierbei: Die Produktionsfirma muss im Fall der Fälle zuerst Konkurs anmelden – eine fragliche Lösung, die den beiden Institutionen zwar zusätzliche Sicherheit gibt, aber für die Produzenten eine wesentliche Einschränkung bedeutet, da es sich hierbei um ein existentielles Nullsummenspiel handelt.

 Offen für die Welt: MEDIA Mundus

Das breite Programm bei der Berlinale 2011 nutzte die Europäische Kommission auch um ihr neustes internationales Finanzierungsvorhaben vorzustellen. Das neue Programm MEDIA Mundus soll die Zusammenarbeit im audiovisuellen Bereich über die Grenzen des Alten Kontinents hinaus fördern. Mit einem Budget von immerhin 15 Millionen Euro sollen neue internationale Märkte für den europäischen Film erschlossen werden, um aus der bisherigen Nischenposition herauszukommen und die Wettbewerbsfähigkeit dieses wichtigen europäischen Sektors weltweit zu stemmen. Ein Förderung für ausgewählte Projekte beträgt zwischen 14.000 und einer Million Euro. Die ersten 34 bereits kofinanzierten Projekte hat die europäische Kommissarin für Bildung und Kultur, Androulla Vassiliou, bereits auf der Berlinale vorgestellt.   

Die Zukunft des MEDIA Programms  

An der Frage nach der Zukunft des europäischen MEDIA Programms haben sich im Rahmen eines offiziellen Konsultationsprozesses bereits 2.500 Filmproduzenten beteiligt. Deutschland lag mit einer Beteiligung von 15,5%, knapp hinter Frankreich (17,3%) bereits an zweiter Stelle. Für die weitere Ausgestaltung des Programms nach 2014 veranstaltet die Europäische Kommission am 18. März 2011 in Brüssel zudem eine öffentliche Anhörung, an der sich Filmschaffende aus ganz Europa direkt beteiligen können.

[RM]