Donnerstag, 17. März 2011

Von: TP

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Leipziger Buchmesse 2011 | Leipzig liest | Buchpreis zur Europäischen Verständigung | Martin Pollack
Leipziger Buchmesse eröffnet

Auftakt ins Literaturjahr 2011

Leser
Auf der Leipziger Buchmesse dreht sich alles um lesen und hören (Foto: commons.wikimedia.org/ Twice 25&Rinina 25)

Mit einem Festakt im Leipziger Gewandhaus wurde am Mittwochabend die Buchmesse eröffnet. Es gibt sie seit 1992 und inzwischen ist die Messe nicht nur fester Programmpunkt in den Veranstaltungskalendern der Verleger, Autoren und Buchhändler, sondern auch der erste Treffpunkt der Branche im Jahr. Die Veranstalter betonen die Ausstrahlung der Messe auf ganz Deutschland und Europa. “Es ist einfach das größte europäische Lesefest”, sagt Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe bei der Eröffnungspressekonferenz. Wie in den vergangenen Jahren rechnen die Veranstalter auch 2011 mit Rekordverdächtigem. So präsentieren sich von Donnerstag bis Sonntag über 2000 Aussteller aus 36 Ländern. Kleine und große Verlage stellen ihre Frühjahrsprogramme vor und schicken 1500 Autorinnen und Autoren bei “Leipzig liest” ins Rennen um die Gunst der Leserschaft.

Neues und Altbewährtes

Neben den traditionellen Schwerpunkten Belletristik, Sach- und Kinderbuch gibt es 2011 auch einige Premieren. Das Literaturmedium Hörspiel bekommt mit der Hörspiel-Arena einen eigenen Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich, eine Bildungsmesse steht ganz im Zeichen der Leseförderung und das “Digitale Wohnzimmer” öffnet dem klassischen Buch das Tor in die zweite Moderne. “Das Thema Digitalisierung zieht bei uns auf der Buchmesse ein”, sagt Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. “Wir sehen, dass es eine Veränderung zum Vorjahr gegeben hat, dass die Verlage im Aufbruch sind.” Und so fokussiert die Leipziger Buchmesse 2011 verstärkt die neuen Medien und bietet Online-Literaturportalen, Bloggern und Internet-Radios eine Plattform. Hier können Besucher den Redakteuren beim Arbeiten über die Schulter schauen. Dennoch, so betont Zille, sei die Leipziger Buchmesse “eine Messe der gedruckten Bücher”.

Schwerpunktland Serbien

Auch 2011 setzt die Leipziger Buchmesse ihr Anliegen fort, ein Tor nach Südosteuropa zu sein. Die Veranstalter präsentieren ein großes Balkan-Programm mit Autoren aus elf südosteuropäischen Ländern. Serbien ist nach Slowenien 2007 und Kroatien 2008 Schwerpunktland der Messe. Das Land präsentiert sich damit das erste Mal nach den Balkankriegen mit einem umfangreichen Programm im sogenannten Westen. Über 30 Erstveröffentlichungen darunter vier Anthologien geben einen Einblick in die Literaturszene Serbiens, die nach der Zeit der großen Staatsverlage vor allem durch kleinere Independents geprägt ist. Oliver Zille, dem Direktor der Leipziger Buchmesse, ist es ein Anliegen “vor allem die jüngere Autorengeneration hier stärker in den Blick zu nehmen und im deutschsprachigen Literaturbetrieb zu vernetzen”. Die Autorinnen und Autoren präsentieren ihre Werke auf der Messe und im Rahmen der Veranstaltung “Leipzig liest”.

Leipzig liest und liest und liest …

Bekannt ist die Leipziger Buchmesse für ihr literarisches Rahmenprogramm “Leipzig liest”. In diesem Jahr wird das Literaturfestival 20 Jahre alt und gilt inzwischen als Europas größtes Lesefest. Und ein Blick ins Programm zeigt, dass die Veranstalter halten, was das Motto verspricht. Neben den Ständen auf der Neuen Messe wird auch in der Peripherie gelesen: in Kneipen, Bibliotheken, Krankenhäusern, Pflegezentren, Schulen, Schwimmhallen, Kirchen … im Zoo, in Kanzleien, im Finanzamt sogar im städtischen Klärwerk und auf dem Friedhof. Auf den mehr als 2000 Veranstaltungen an über 300 Veranstaltungsorten finden neben prominenten Schreibern wie Clemens Meyer und schreibenden Prominenten wie Desiree Nick und Markus Kavka auch Nachwuchsautoren und kleine unabhängige Verlage ein Podium.

Pollack erhält den

"Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung"

Im Rahmen des Festaktes zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse wurde am gestrigen Abend auch der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung vergeben. Der österreichische Publizist, Schriftsteller und Übersetzer Dr. Martin Pollack  erhält ihn für sein einprägsames und richtungsweisendes Œuvre. Die Jury begründet die Wahl mit dem Aktualitätsbezug in Pollacks historischen Reportagen, der damit “stets ein erhellendes Licht auch auf die Gegenwart wirft”. In seinem jüngsten Buch “Kaiser in Amerika” fokussiert Pollack die Massenflucht aus Galizien zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und kennzeichnet sie als einen Prototyp heutiger Migrationsströme mit ihren unmenschlichen Auswüchsen.
Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung wird seit 1994 vergeben. Mit ihm werden Personen gewürdigt, die sich in Buchform schreibend um das gegenseitige Verständnis in Europa verdient gemacht haben.

[TP]