Donnerstag, 03. Mai 2011


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Transeuropa Festival 2011 | Europa | Berlin | Rumänien | Italien
Das Transeuropa Festival 2011

Ein Festival - zwölf Städte

European Alternatives präsentiert das erste transnationale Festival Europas, das "Transeuropa Festival". Es ist ein Kulturfestival und ein politischer Event, das gleichzeitig in zwölf Städten Europas stattfindet. Den Veranstaltern geht es um die Förderung von Demokratie, Gleichberechtigung und Kultur jenseits nationaler Staaten. Wir sprachen mit der Videojournalistin und Filmemacherin und die Organisatorin der Veranstaltung in Berlin Séverine Lenglet und der Koordinatorin des Festivalteams Berlin, Daphne Büllesbach.
Transeuropa Festival 2011
Das Festval findet zeitgleich in 12 europäischen Städten statt (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

European Circle: Séverine, was genau ist jetzt eigentlich European Alternatives? 

Lenglet: European Alternatives ist eine Zivilgesellschaftsorganisation, die sich für transeuropäische, transnationale Politik und Kultur einsetzt. European Alternatives hat Büros jetzt in vier europäischen Städten: London, Paris, Cluj-Napoca in Rumänien und in Italien in Bologna, und auch lokale Gruppen in anderen Städten Europas wie Berlin. Wir glauben, dass die demokratische Teilhabe, dass die soziale Gerechtigkeit und die kulturelle Innovation jenseits der nationalen Staaten gefördert werden sollte. Und deswegen organisieren wir Kampagnen, Konferenzen, wir haben ein Magazin, wir machen transeuropäische Filme, und wir machen das Transeuropa Festival.

European Circle: Ein Festival, ein politischer Event, und das gleichzeitig in 12 Städten Europas - wie lässt sich das realisieren und wie ist die Idee überhaupt zustande gekommen?

Büllesbach: Die Idee stammt eigentlich wirklich von der Organisation European Alternatives, die auch das Transeuropa Netzwerk ins Leben gerufen hat. Dieses Netzwerk besteht aus ungefähr 50-60 jungen EuropäerInnen, AktivistInnen, Intellektuellen und StudentInnen, die sich zusammengefunden haben, um vor allem dieses Festival auf die Beine zu stellen in zwölf verschiedenen europäischen Städten und wir arbeiten jetzt schon seit sechs, sieben Monaten mit monatlichen Treffen zusammen und organisieren Veranstaltungen zu ganz unterschiedlichen Themen. Wir arbeiten als TranseuropäerInnen für diese Idee, dass man Politik auch jenseits der Nationalstaaten oder Kultur jenseits der Nationalstaaten denken und fördern kann. 

European Circle: Und was sind jetzt die Themen, die da aufs Trapez kommen?

Büllesbach: Unsere vier Themen, die wir dieses Jahr für das Festival ausgesucht haben, sind einmal Migration, also Migrationspolitik. Einmal auf der europäischen Ebene aber auch intraeuropäische Migration. Wie man zum Beispiel in Berlin immer gut sieht, dass es eine sehr europäisch geprägte Stadt ist von vielen Spaniern und Italienern, die nach Berlin kommen, das ist eines unserer Themen. Das zweite Thema sind die Rechte von Roma und Sinti in Europa, bzw. Diskriminierung von Minderheiten. Das dritte Thema ist Medienfreiheit, Medienpluralismus. Und das vierte Thema, was wir vor allem in London verankert haben, wie sozusagen nach der Wirtschaftskrise Wirtschaft neu gestaltet werden kann, bzw. welche Regeln man braucht. Das sind unsere vier Hauptthemen. 

European Circle: Wo findet das in Berlin statt? 

Lenglet: Es gibt die Opening Veranstaltung, in der Tanzfabrik in den Uferstudios, und wird es eine Diskussion mit Franco Bifo geben, es gibt ein Roma-Kulturfestival am Samstagnachmittag am 7. Mai. Und in der Boddinstraße mit Musik, Theater und Beiträgen von Roma usw. Dann gibt es auch im Haus der Demokratie eine Filmvorführung „World Vote No“ und über die Frage "Brauchen wir eine globale Bürgerinitiative?" gibt es eine Debatte und Vorträge usw. Es gibt am 13. Mai eine Veranstaltung im Südblock mit Ska Keller über EU, Asylpolitik und Grenzen. Und es gibt auch ein ganzes Filmprogramm im Kino Arsenal am letzten Wochenende. 

European Circle: Der Rest des Programms ist natürlich auf der Internetseite abrufbar unter der Adresse www.euroalter.com/festival. Wenn das jetzt in zwölf Städten gleichzeitig stattfindet, welcher Zusammenhang besteht dann zwischen den Städten, oder wie führt er am Ende auch die ganze Geschichte wieder zusammen?

Büllesbach: Es gibt verschiedene Methoden, wie wir das zusammenbringen. Einmal durch eine Videodokumentation, die Sévérine vorbereitet während des Festivals. Aber es wird auch Veranstaltungen geben, die gleichzeitig stattfinden in zwei verschiedenen Städten, die dann auch z. B. über Livestream in mehreren Städten gezeigt werden können. Dann gibt es auch Veranstaltungen, die am Vorabend z. B. in Paris stattfinden und dann dieselbe Veranstaltung am nächsten Tag in Sofia. Am letzten Wochenende des Festivals, also am 14./15. Mai, gibt es in den vier Hauptstädten, in denen wir auch Büros haben, Foren zu den vier Hauptthemen, in denen dann nochmal alle Diskussionsbeiträge - oder so ist zumindest die Idee - im letzten Forum vorgestellt werden, dass man eben auch die Publikumsmeinung aus Bratislava in einem Gespräch in London vorträgt, um eben wirklich diesen transnationalen Ansatz am Ende dann nochmal zusammenzubringen zu diesen vier Themen

Lenglet: In jeder Stadt gibt es eine Person, die dafür verantwortlich ist, am Abend einen kleinen Newsletter zu schreiben, was da passiert ist, was die Ergebnisse der Veranstaltungen und der Debatten sind, was für Ideen da entwickelt wurden. Und dass wird dann zu allen geschickt, damit es am letzten Wochenende zum Forum mitgebracht wird. Es gibt auch ein gemeinsames Kulturprogramm, es gab zum Beispiel ein Projekt, das heißt Visualizing Transnationalism, Transnationalismus visualisieren. Dazu wurden Künstler aus ganz Europa zusammengebracht, um zu versuchen, das ein bisschen zu visualisieren, wie man das künstlerisch sieht. Das wird in den vier Hauptstädten des Festivals, Cluj, Bologna, London und Paris, gezeigt. Es gibt z. B. auch einen Sozial Market, das ist ein kostenloser Austausch von Produkten und Dienstleistungen in drei verschiedenen Städten. Es gibt verschiedene Events, z. B. ein gemeinsames Filmprogramm, das in verschiedenen Städten gezeigt wird. 

European Circle: Du machst also eine Videodokumentation des Festivals. Aber Du hast auch selber Beiträge für das Festival gedreht vorher. Was war das?

Lenglet: Wir haben ein Videoteam gegründet mit Leuten aus verschiedenen europäischen Ländern, und ich habe sie ausgebildet, weil ich Videojournalistin bin. Wir haben uns einmal pro Monat für das Transeuropa-Netzwerk getroffen, und da habe ich sie ausgebildet. Da haben wir drei Filme zusammen gemacht. Ein Promofilm über das Festival, das war eine sehr schöne transeuropäische Erfahrung mit vielen Sprachen. 

European Circle: Den sieht man auch auf der Homepage

Lenglet: Genau. Wir haben auch einen Film über Diskriminierung gegen Roma in Europa gemacht und eine Kampagne - "Was ist die Meinung von Transeuropa Netzwerk über das Thema?" Da wurde in verschiedenen europäischen Ländern gedreht, von dem Team. Entweder habe ich auch gedreht oder in Berlin, aber meistens wurde in verschiedenen Städten gedreht. Wir haben auch einen Film über LGBT (Lesbian Gay Bi Trans) gemacht, der heißt "It gets better". Und da haben wir einfach Leute aus ganz Europa interviewt, die uns erzählen, wie es damals war für sie als junge LGBT, wie sie ihr Coming-Out  gemacht haben. Sie geben eine Hoffnungsbotschaft für die junge Generation. Diese Filme werden jetzt in verschiedenen Städten gezeigt, z. B. in Berlin am 7. Mai bei der Roma-Kulturveranstaltung. Da wird dieser Romafilm gezeigt. Während des Festivals wird das transeuropäische Videoteam einfach überall filmen und reisen. 

European Circle: Vielen Dank für das Gespräch.