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Willkommen Zuhause

- Die Familien werden aus ihrem Alltag gerissen (Foto: Eliza Petkova)
Man stelle sich das mal vor: Man will gerade ins Bett gehen, da hämmert es an der Tür. Während man sich noch wundert, wer der späte Besuch ist, versucht jemand das Schloss von außen aufzubrechen. Bevor das gelingt, öffnet man selbst. Sechs gestandene Polizisten stehen vor einem und fordern, man möge sofort seine Sachen packen und mitkommen. Man wird in ein Flugzeug gesetzt und einige Stunden später steht man in einem fremden Land. “Willkommen Zuhause” ist ein Dokumentarfilm von Eliza Petkova, Hannes Marget und Johannes Kuhn, in dem sie sich mit der Abschiebung von Roma-Familien in den Kosovo beschäftigt haben. Der einstündige Film, der im Rahmen des Transeuropa-Festivals in Berlin vorgeführt wurde, zeigt mehrere Roma Familien, die in ein Zuhause zurück geschickt wurden, das längst nicht mehr ihre Heimat ist oder es niemals war.
“Man hat uns auf den Müll geworfen”
Der Kosovo ist ein vom Krieg gezeichnetes Land. Wie kaputte Zähne stehen in den Dörfer und Kleinstädte immer noch die zerbombten Häuser. Es gibt kein fließend Warmwasser und in der Dorfperipherie türmt sich der Müll. In dieser, ihnen fremden Welt, die ihr Zuhause sein soll, finden sich die Ausgewiesen am Flughafen wieder. Die Meisten beherrschen nicht einmal die Sprache. Wer Glück hat, läuft einem alten Bekannten über den Weg und kann bei ihm unterkommen. Zehnköpfige Familien drängen sich dann auf engsten Raum zusammen und warten auf jemanden, der ihnen das Ganze als makaberen Scherz offenbart. Vergeblich. “Man hat uns auf den Müll geworfen”, sagt ein junger Mann im Film. Er ist in Deutschland aufgewachsen, hatte einen Arbeitsplatz und eine Freundin. Nun ist er mit seinen Eltern bei einem Freund untergekommen. Seine Mutter ist krank, muss täglich Tabletten nehmen, die es dort nicht gibt.
“Es gibt zwar im Kosovo eine Unterstützung für die Leute, diese ist jedoch lächerlich”, sagt Eliza Petkova, die bei dem Film Regie führte, “fünf Tage Hotel und ein bisschen Brot und Butter, dann werden die Familien sich selbst überlassen“.
Rückführungsabkommen
Am 14. April 2010 unterzeichneten Deutschland und Kosovo ein Rücknahmeabkommen. Demnach müssen alle in Deutschland lebenden kosovarischen Staatsbürger, die lediglich geduldet sind, ausgewiesen und rücküberführt werden. Dabei handelt es sich größtenteils um Kriegsflüchtlinge. Etwa 10.000 in Deutschland lebenden Kosovo-Roma droht die Abschiebung. Im vergangenen Jahr mussten bereits 322 das Land verlassen, 168 Menschen kehrten freiwillig zurück. “Die Leute werden, indem man sie einem psychischen Druck aussetzt, dazu gedrängt auszureisen.“, so eine Mitarbeiterin von Amaro Drom einem internkulturellen Jugendverband von Roma und Nicht-Roma.
Ethnisch schlechte Karten

- Viele Kinder können ihre Muttersprache albanisch nicht (Foto:Eliza Petkova)
Sie kommen aus einem Land, das sie nicht mehr haben will, in ein Land, das sie auch nicht haben will. Ein Großteil der in Deutschland lebenden Kosovaren gehört der Minderheit der Roma an. Diesen wird vorgeworfen mit den Serben im Krieg kollaboriert zu haben. Nachdem die Nato den Kosovo besetzt hatte, waren die Roma eine der ersten Bevölkerungsgruppen, die sich wieder angesiedelt haben. “Dadurch entstand der Eindruck, dass die Roma mit den Serben sympathisieren”, so Eliza Petkova. Fast 90 Prozent der Roma im Kosovo sind arbeitslos, viel trauen sich kaum auf die Straße, weil sie mit Angriffen und Beschimpfungen rechnen.
“Der Film spricht in ein Schweigen hinein”
Feinfühlig dokumentieren die jungen Filmemacher die Geschichten der ausgewiesen Familien. Ohne selbst Haltung anzunehmen, lassen sie die Protagonisten von ihrem Erlebten erzählen. Obwohl sich dadurch eine Einseitigkeit einschleicht, wird niemand wirklich an den Pranger gestellt. Der Übeltäter versteckt sich hinter einer gesichtslosen Exekutive. Im Mittelpunkt steht die beklemmende Hoffnungslosigkeit der Menschen, die einen nach Hause begleitet. “Der Film spricht in ein Schweigen hinein, er öffnet ein Fenster, das geöffnet werden muss“, so Kurator Tobias Hering.
Nach der Ausweisung unterliegen die Abgeschobenen einer zehnjährigen Einreisesperre. Es gibt in den allerwenigsten Situationen Hoffnung. “Das war für mich das größte Problem, dass die Leute immernoch Hoffnung hatten”, so Eliza Petkova. Die meisten resignieren, finden keinen Anschluss und wollen diesen zum Teil auch gar nicht. Denn das würde bedeuten, sich damit abzufinden, aufzuhören zu hoffen und einem Leben dort Platz zu machen.
[TB]
(Teaserbild: Wendt)









