Donnerstag, 28. Juli 2011

Von: RED

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Theaterkahn Berlin | Theater | Constanze Jungnickel | Agentur
Der Theaterkahn Berlin vereint Theatergruppe und Agentur

Ein schwimmendes Theater

Im größten Museumshafen Deutschlands, dem historischen Hafen Berlin unweit des Alexanderplatzes zwischen Jannowitzbrücke und Märkischem Museum, gibt es seit Mai diesen Jahres auch Theater. Im Bauch des holländischen Kahns Helene befindet sich ein Theatersaal mit 88 Plätzen und ein Foyer mit einer kleinen Gastronomie. Was genau die Zuschauer hier in der aktuellen Spielzeit erwartet, sagt uns Constanze Jungnickel im European Circle-Interview.
Constanze Jungnickel
Die Idee zum Theaterkahn enstand schon vor 15 Jahren. Am 1. Mai diesen Jahres konnte sie schließlich im historischen Hafen Berlins umgesetzt werden. (Foto: tv.berlin)

European Circle: Bevor wir in die Details der Theaterarbeit und der Bühnenpräsentation gehen, möchte ich natürlich ganz gerne von Ihnen wissen: Wie sind sie auf die Idee gekommen, das zu machen – ein Theater in einem Schiff?

Jungnickel: Die Idee entstand eigentlich schon 1995 und zwar in Potsdam, da gab es die Stadtspiel-Truppe. Wir tingelten durch die Gegend und es war so, dass irgendwann der Leiter, Wilfried Mattukat sagte: “Wir werden uns jetzt ein Theater ausbauen.” Er zeichnete das auf eine Serviette und wir sagten: “Na klar!” Gut, also gesagt, getan. Es war ein langer Weg, es musste ein Schiff gefunden werden, das fanden wir dann in Köpenick. Aus dieser Idee heraus – dieser Theaterkahn ist letztes Jahr 15 Jahre alt geworden und wurde von einem Verein betrieben – hat sich die Company, eine eigenständige Theatergruppe mit professionellen Schauspielern gebildet. Die wollten sozusagen eine eigene Spielstätte schaffen. Da ich letztes Jahr im Oktober nach Berlin gezogen bin, habe ich gedacht, ich gucke einfach mal, ob es hier so etwas gibt. Im November habe ich das Schiff gefunden, die Helene im Historischen Hafen. Ich habe mich dann auf die Spur begeben, wem das gehört, habe Verhandlungen aufgenommen und habe im März den Mietvertrag unterschrieben. Dann gab es noch das Problem, dass das Schiff so lange lag, dass es nochmal auf die Werft musste. Das heißt, wir konnten gar nicht mit dem Ausbau so beginnen, wie wir wollten. Wir hatten letztendlich nur 14 Tage Zeit, als es dann wieder im Hafen lag, und dann haben wir regelrecht gerockt, dass wir zur Eröffnung am 1. Mai auch mit einer Premiere starten konnten.

European Circle: Da steckt wirklich viel Engagement drin, das kriegt man schon allein durch diese Beschreibung mit. War es schwierig oder hat der Besitzer des Schiffes Sie gleich mit offenen Armen empfangen?

Jungnickel: Der Manfred Pflitsch, dem das gehörte, der sagte mir das auch vor sieben Jahren, dass Theater auf dem Schiff schonmal gespielt wurde. Da hieß es noch „Theaterschiff Helene“, deswegen hatten wir auch große Schwierigkeiten mit der Umstellung auf „Theaterkahn Berlin“. Er sagte eher: “Okay, guckt euch das an, was könnt Ihr daraus machen?” Wir haben dann eine richtige Bühne eingebaut, wir haben die Gastronomie vom Theatersaal getrennt, eine Podesterie eingebaut, damit die Zuschauer auch unterschiedlich hoch sitzen können und alle einen guten Blick auf die Bühne haben. Eine Stunde vor der Eröffnung haben wir noch den Fußboden gelegt in der Gastronomie.

Neben den erfahrenen stehen auch junge Schauspieler auf der Bühne

European Circle: Sie haben die Company, die Theatergruppe schon angesprochen. Das ist ja ein ganz besonderes Ensemble und zwar wird hier Agentur und Theatergruppe vereint. Was heißt das?

Jungnickel: Das heißt, dass junge Schauspieler sich bei mir bewerben können. Ich weiß es von vielen, die jetzt auch bei mir spielen, die haben die Schauspielschule absolviert und sie haben große Schwierigkeiten, irgendwo ein Engagement zu bekommen. Auch Agenturen nehmen sie selten auf. Ich habe mir eigentlich zur Aufgabe gemacht, dass die Schauspieler den Job nicht gleich wieder an den Nagel hängen. Denn es ist ein schöner Beruf. Außerdem sollen sie die Möglichkeit haben, bei mir mit alten Hasen zu spielen. Ich habe auch Schauspieler, die schon sehr lange auf der Bühne stehen, die sich auch darauf eingelassen haben, mit ganz jungen Schauspielern zu spielen. Das ist nicht immer so üblich. Das hat aber jetzt bei einigen Inszenierungen schon sehr gut funktioniert.

European Circle: Das heißt, als junger Schauspieler kann ich mich bei Ihnen bewerben, um aufgenommen zu werden.

Jungnickel: Genau, das läuft ganz einfach. Und zwar geht man auf unsere Internetseite: www.die-company.de Da gibt es einen Link "Agentur", da kann man sich anmelden, dann füllt man ein Formular aus. Das sehe ich dann, dann halte ich Rücksprache, dann möchte ich gerne noch zwei bis drei Fotos und dann sind die ganz normal bei mir mit drin. Wenn ich die nächste Inszenierung vorbereite, werde ich sie auf jeden Fall ansprechen, ob sie Zeit haben. Wir wollen ja auch nächstes Jahr weitermachen im Theaterkahn. Und dann schauen wir, wie es läuft.

Unterhaltsame Stücke stehen im Vordergrund

European Circle: Apropos Inszenierung: Was haben Sie auf dem Spielplan momentan, was erwartet mich als Zuschauer?

Jungnickel: Wir machen hauptsächlich unterhaltsames Theater. Wir möchten unterhalten, wir machen niveauvolle Comedy und wir möchten, dass die Leute einfach Spaß haben, dass sie abends hingehen und sich unterhalten fühlen. Hauptsächlich haben wir Ladies Night, damit haben wir den Kahn auch eröffnet am 1. Mai. Das ist nach dem Film “Ganz oder gar nicht”, wo die arbeitslosen Männer auf die Idee kommen, einen Strip zu machen. Die Herren sind wirklich ganz witzige Figuren, das sind wirklich Männer, die man wiedererkennt auf der Straße. Das sind keine Chippendale-Körper, das sind einfach ganz normale Männer. Dann spielen wir noch “ABBA Hallo”, das ist eine musikalische Revue von Markus Beisel. Da geht es darum, dass drei Toilettenfrauen in einer Großraumtoilette eingesperrt sind und auf Deutsch Abba-Lieder singen. Eine von den Toilettenfrauen ist auch ein Herr, das ist dann auch sehr spaßig.

European Circle: Wie kommt man bei Ihnen an Karten ran? Übers Internet oder muss ich direkt zum Theaterkahn fahren?

Jungnickel: Nein, Sie können direkt übers Internet bei uns die Karten buchen, unter www.theaterkahn-berlin.de. Da gibt es die Onlinebuchung oder sie telefonieren einfach mit mir, das geht auch. Es gibt auch noch eine Premiere, auf die ich gerne hinweisen möchte: Am 12. August werden wir den Monolog “Mondscheintarif” aufführen. Da gibt es von der Ildikó von Kürthy – dieses Buch kennt sicherlich jede Frau – diesen ganz süßen, tollpatschigen Monolog, den Manuela Weirauch dort hinlegt.

European Circle: Für Sie ist das ein hartes Geschäft, Sie kriegen keine Landeszuschüsse wie viele kleine Theatergruppen im Vergleich zu den großen Häusern, die mit Subventionen verwöhnt werden. Das heißt, Sie müssen auch viel mit der Werbetrommel rühren. Wie machen Sie das?

Jungnickel: Das machen wir hauptsächlich über die Zeitungen. Wir verteilen Flyer, wir gehen die Leute ansprechen auf der Straße. Wir werben direkt im Historischen Hafen, dort kann man also immer unseren Aufsteller sehen. Und auf der Internetseite natürlich. Das ist, glaube ich, der wichtigste Punkt, dass wir vernetzt sind mit allen möglichen anderen Sachen und darüber kommen dann auch die Leute.

[RED]