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Zwischen zwei Welten

- Letztendlich sind die "kulturellen Unterschiede zwischen Polen und Deutschland letzten Endes nicht so groß", so Agnieszka Debska. Zumindest was das Schreiben angeht. (Foto: tv.berlin)
Ihr seid beide polnische Autorinnen in Deutschland. Inwiefern fühlt Ihr Euch hier angenommen?
Agnieszka Debska: Sehr gut. Ich persönlich fühle mich sehr gut angenommen. Ich bin ja mittlerweile auch wirklich lange in Deutschland. Und ich glaube auch, dass die kulturellen Unterschiede zwischen Polen und Deutschland letzten Endes nicht so groß sind, was das Schreiben angeht. Ich schreibe natürlich überwiegend auf Deutsch oder so gut wie nur auf Deutsch mittlerweile, nach so einer langen Zeit. Es kommt bis jetzt gut an, ich freue mich.
Karolina Kuszyk: Ich bin ja erst 2004 nach Berlin gekommen. Früher habe ich in Polen gelebt. Ich fühle mich sehr wohl hier, das mag auch an Berlin als Stadt liegen. Es gibt natürlich sehr viele Themen, mit denen ich versuche, klarzukommen. Da sind Vorurteile, oder die Selbstwahrnehmung als Polin in Deutschland. Das sind auch Themen, über die ich gerne schreibe. Aber im Grunde genommen bin ich jetzt hier, und habe auch das Gefühl, dass das meine Stadt ist.
Sehr Ihr Euch denn in Eurer Tätigkeit als Übersetzerinnen, Autorinnen auch als Vermittler zwischen den Kulturen? Ihr sagt, so unterschiedlich sind sie nicht, aber ein Thema ist es doch trotzdem.
Agnieszka Debska: Ja, natürlich. Auch natürlich als Autorin, aber vor allem als Übersetzerin hat man ja sowieso immer damit zu tun, nicht nur die andere Sprache, sondern auch ein Stückweit die Kultur zu vermitteln. Es ist mit Sicherheit auch bei dem, was wir machen, gegeben. Wir arbeiten ja auch bei Übersetzungs- und Literaturworkshops, und da ist es eigentlich am besten zu beobachten, und es ist sehr spannend und interessant, wenn man mit polnischen und deutschen Autoren zusammenarbeitet und dann tatsächlich ein Dialog stattfindet. Da merkt man schon, es gibt ein paar Unterschiede und es ist sehr spannend, das dann zu sehen und diese Unterschiede zu vermitteln und positiv umzusetzen sozusagen.
Das heißt also, das Thema inspiriert Euch auch irgendwie. Ich wollte es auch gar nicht in die negative Richtung lenken. Aber es ist ja immer wieder ein Thema. Ich habe auch viele polnische Freunde, die schon ab und zu mal sagen, “Ich fühle mich hier so und so…“. Ich kann mir vorstellen, wenn man das Thema künstlerisch verarbeitet, und den Hintergrund hat, aus Polen zu kommen und in Deutschland zu leben, dann ist es natürlich auch zwangsläufig etwas, was einen inspiriert.
Karolina Kuszyk: Ja, auf jeden Fall. Ich kann für mich sagen, dass es mich gleichzeitig nervt und inspiriert. Ich weiß gar nicht, was wichtiger ist. Diese Irritation gibt mir eine Kraft, meine Texte zu schreiben, und ich habe oft das Gefühl, selbst an so eine Wand zu gelangen, wo ich mich selbst nur als Polin definiere, und das finde ich schrecklich! Das kann man natürlich nicht tun, aber man ist auch dazu gezwungen ein Stück. Un was ich beschreibe, sind ja sehr oft Stereotypen und wie man mit den Stereotypen umgeht. Im Moment schwebt mir ein Text vor über das Motiv der polnischen Putzfrau im deutschen Feuilleton sozusagen. Ich polemisiere gerne gegen männliche Feuilletonisten komischerweise (lacht). Ich habe oft das Gefühl, nicht beleidigt zu sein, aber da wird schon ein Nerv getroffen bei mir. Sehr oft muss ich mir die Frage stellen: ”Bin ich das, oder sind sie das?“ Es ist genau dieser Punkt, wo ich weiß, darüber muss ich jetzt schreiben. Das ist auch nicht als Vorwurf gemeint, das ist eine kritische Auseinandersetzung mit sich selbst und auch mit dem anderen.
Es geht dann ein Stückweit sicher nicht nur um Polin-Sein, sondern auch um die Weiblichkeit, wenn sich da diese Spannung auftut. Du hast den Poetry-Slam 2009 in slawischen Sprachen gewonnen. Im November bist Du auch in Berlin auf einer Bühne zu sehen. Wann?
Karolina Kuszyk: Im November lese ich ein Märchen auf Deutsch vor. Ich schreibe auf Polnisch und auf Deutsch, aber diesmal lese ich auf Deutsch. Es ist ein Märchen für Erwachsene mit dem Titel ”Der Baum im Hof“, eine Adventsgeschichte. Das Ganze findet in der Galerie Ori in Neukölln statt, im Rahmen der Berliner Märchentage im November.
Und wo kann man Dich sehen, Agnieszka?
Agnieszka Debska: Auch im Ori in Neukölln, das ist meine Lesebühne. Wir sind zusammen fünf Leute und lesen jeden letzten Dienstag im Monat, also auch bald wieder, um 21 Uhr in der Galerie Ori Neukölln. Die Lesebühne heißt Brutusmörder.
Die gibt es auch auf der Internetseite http://www.michael-andre-werner.de/brutus/ zu finden. Vielen Dank für das Gespräch.
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