Freitag, 2. September 2011

Von: FZ

Seite ausdrucken
Schließen
Versende diesen Artikel
Send this form
Social bookmarks:
bookmark at mister wongpublish in twitterbookmark at del.icio.usbookmark at digg.combookmark at furl.netbookmark at linksilo.debookmark at reddit.combookmark at spurl.netbookmark at technorati.combookmark at google.combookmark at yahoo.combookmark at facebook.combookmark at stumbleupon.combookmark at propeller.combookmark at newsvine.combookmark at jumptags.com
Keywords:
Nordseeküstenradweg | Iron Curtain Trail | Radfahren | Mauer | Eiserner Vorhang
Unterwegs in Europa

Von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer

Radweg
Die Reise mit dem Fahrrad wird indirekt von der EU gefördert. Ein wachsendes Netz von gut ausgebauten und beschilderten Radwegen durchzieht Europa. (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de)

In Zeiten des Klimawandels, der Abkehr von Atomenergie und der Erschließung erneuerbarer Energiequellen erfreut sich eine nachhaltige Lebensweise immer größerer Beliebtheit. Die Gesellschaft denkt und wählt grün. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch im Urlaub zunehmend ein umweltschonendes Verhalten an den Tag gelegt wird. Eine der ökologischsten Möglichkeiten dabei ist sogar von der EU gefördert: die Reise mit dem Fahrrad. Das große Netz an europäischen Radwegen, die immer mehr die Landschaft durchziehen, ist auch dem ungeschulten Auge nicht verborgen geblieben. Zwei ganz besondere Routen sind in diesem Zusammenhang der Nordseeküstenradweg und der “Iron Curtain Trail”. 

EU-geförderter Bewegungstourismus

Am 5. Mai 2001 wurde der Nordseeküstenradweg in Hamburg eröffnet. Neben Deutschland beteiligen sich die Niederlande, England, Schottland, Norwegen, Schweden und Dänemark an der inzwischen 6000 Kilometer langen Route. Seit 2003 ist auch Belgien mit seinen Küstenabschnitten an der Nordsee dabei. Laut Pressereferat der Europäischen Kommission wurde das Projekt durch das “Interreg IIIB Nordsee-Programm” mit 1,025 Millionen Euro gefördert.

Dem Internetauftritt des EU-Programms ist zu entnehmen, dass in der Region rund um die Nordsee mit regionalen Entwicklungsprojekten zusammengearbeitet wird. Es unterstützt eine transnationale Kooperation und strebt eine Verbesserung der Lebens-, Arbeits- und Investitionsmöglichkeiten an. Die Interreg III-Programme sind eine Initiative der EU und werden durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), einem norwegischen Äquivalent und Beiträgen aus allen involvierten Ländern finanziert. Zum Umweltaspekt des Projekts heißt es: “Fahrrad-Tourismus hat minimalen Einfluss auf die Umwelt und geringe Anforderungen an die Infrastruktur, da das Fahrrad das Transportmittel mit der besten Energieeffizienz ist. Gleichzeitig gewährleistet es beträchtliche ökonomische Gewinne durch den Tourismus.”

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite www.northsea-cycle.com

Die Mauer im Gedächtnis

Iron Curtain Trail
Die Route am Eisernen Vorhang erstreckt sich über eine Länge von 9000 Kilometern und wurde im Herbst 2005 vom EU-Parlament auf den Weg gebracht. (Foto: Michael Cramer)

Neben diesem klimafreundlichen Aspekt steckt hinter dem “Iron Curtain Trail” auch ein geschichtsträchtiges Moment. Er erstreckt sich über eine Länge von 9.000 Kilometern entlang der ehemaligen ideologischen Teilungslinie Europas, beginnend an der norwegisch-russischen Grenze im Norden bis hinunter zum Schwarzen Meer nach Bulgarien und die Türkei. Initiator des Projekts war der Grünen-Europaabgeordnete Michael Cramer. Im Herbst 2005 stimmte das EU-Parlament seinem Antrag zu und legte die Weichen für die Route nach dem Vorbild des Berliner Mauerwegs und des innerdeutschen Grenzwegs.

Jens Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Abgeordneten Cramer, bescheinigt dem Weg eine durchgängige Befahrbarkeit, eine vollständige Ausschilderung stehe allerdings noch aus. Es ginge vor allem darum, die Erinnerung an den Kalten Krieg und seine Folgen wach zu halten. Auch hier würden Fördermittel aus den Haushaltslinien "Modellprojekte für nachhaltigen Tourismus", "grenzüberschreitende Kooperation" und dem EFRE zusammenfließen. Michael Cramer selbst spricht von insgesamt 1 Million Euro Förderung allein in diesem Jahr.

Den Abgeordneten der Grünen verbindet seine ganz eigene Geschichte mit dem Radweg am ehemaligen Eisernen Vorhang. Als die Mauer im August 1961 errichtet wurde, war er gerade als 12-Jähriger, in der Bundesrepublik lebend, ohne seine Eltern in den Urlaub gefahren. Zum ersten Mal fürchtete er sich vor ihren Erzählungen über den Zweiten Weltkrieg, welcher nun zum Greifen nahe schien. Er sah gar eine ähnliche Katastrophe kommen. Zwei Jahre später reiste er dennoch mit seinem Fußballverein nach West-Berlin und machte in der Bernauer Straße sein erstes Foto an der Mauer. Diese sollte, wie er erzählt, von nun an in seinem Gedächtnis bleiben. Im Sommer 1989 begann er den westlichen Zollweg mit dem Fahrrad zu erkunden. 1990 radelte er dann erstmals an den nun friedlichen Grenzsoldaten vorbei, was er als “komisches Erleben” bezeichnet. 2001 initiierte er schließlich zusammen mit seiner Fraktion in Berlin den Mauerweg. Von da an wurde die Idee vom Erkunden der ehemaligen Grenze zum Eigenläufer. Das europäische Projekt entstand.

Die gemeinsame Identität stärken

“Der Iron Curtain Trail stärkt das Gefühl der gemeinsamen europäischen Identität.”, meint Michael Cramer. Der Eiserne Vorhang habe alle Menschen in Europa betroffen. Durch den Radweg könne an diese schwere Zeit der Teilung erinnert werden. Zudem würden gerade entlegene Regionen in den südöstlichen Ländern wirtschaftlich profitieren: Der Radtourismus verzeichne jährlich Zuwachsraten von 20 Prozent. Die vergessenen Länderabschnitte kämen so wieder ins Gedächtnis und könnten ihre eigene Geschichte wieder aufarbeiten.

Michael Cramer wird seiner Vorbildrolle gerecht: “Ich habe bisher rund 3000 Kilometer des Weges abgeradelt.” Zuletzt war er von Vilnius nach Kaliningrad und Danzig unterwegs. In diesem Jahr leitet er die “Berliner Mauerstreifzüge”, die auf acht Etappen an der ehemaligen Begrenzung Berlins vorbeiführen. Nächster Termin ist der 10. September um 14 Uhr. Die Tour beginnt am S-Bahnhof Wollankstraße und endet am Potsdamer Platz. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Nähere Informationen finden Sie auf der Webseite des Abgeordneten: http://www.michael-cramer.eu/

[FZ]

(Teaser-Bild: Michael Cramer)