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Haus der Europäischen Geschichte

- Hans-Gert Pöttering (l.), mit dem Präsidenten der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Dr. Hans Walter Hütter. (Foto: © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Michael Jensch Axel Thünker)
Die Geschichte Europas ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Trotzdem oder gerade deshalb kam man in Brüssel vor einigen Jahren auf die Idee den Bürgern die Geschichte Europas zu vermitteln. Im Jahr 2007 initiierte der damalige Präsident des Europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering das Projekt, ein “Haus der Europäischen Geschichte” zu schaffen. In einer Rede sagte er: “Ich möchte einen Ort der Geschichte und Zukunft schaffen, an dem das Konzept der Europäischen Idee weiterwachsen kann.” Am Mittwoch stellte Pöttering in Brüssel den aktuellen Stand der Dinge vor und präsentierte ein Dokument mit allen Fakten und Zahlen zu dem für 2014 geplanten Projekt.
Europas Geschichte ab 1946
Das “Haus der Europäischen Geschichte” soll hauptsächlich die Geschichte Europas ab dem 20. Jahrhundert präsentieren. Dabei soll der Schwerpunkt vor allem auf der europäischen Integration liegen. In Dauer, Wechsel- und Wanderausstellungen, sowie verschiedenen Veranstaltungen soll den Besuchern die Geschichte Europas vermittelt werden. Das Museum wird seinen Platz im Leopold-Park im Herzen von Brüssel finden und damit auf rund 4000 Quadratmetern genügend Raum für die Dauerausstellung bieten. Auch die Bilingualität Europas soll keine Hürde für Museumsgäste werden. So plant man Ausstellungen und Produkte in mindestens 24 Sprachen anzubieten.
Objektivität bei der Vermittlung von Geschichte
Die Vermittlung von gesamteuropäischer Geschichte in einem Museum birgt jedoch viele Risiken. So könnte es sich als schwierig erweisen, die Geschichte der einzelnen Staaten wirklich objektiv darzustellen. Jedes Land geht auf seine Art mit der eigenen Geschichte um und könnte sich durch die Umsetzung im “Haus der Europäischen Geschichte” schnell verärgert fühlen. Auch die Wahrnehmung der Länder untereinander muss berücksichtigt werden und kann schnell zu Kritik führen. So bemängelte die polnische Regierung zu Beginn des Projekts, Deutschland wolle hier wieder einmal seine Schuld relativieren. Die aktuellen Spannungen zwischen Frankreich und der Türkei aufgrund des Gesetzes gegen die Genozid-Leugnung zeigen weitere Probleme, die bei einer Ausstellung zur Geschichte Europas auftreten können.
Experten aus ganz Europa
Die Probleme scheinen den Initiatoren jedoch bewusst zu sein. So kündigte man an, das Konzept in den kommenden Monaten noch überarbeiten zu wollen. Um die Vielfalt der europäischer Geschichte ausgewogen widerzuspiegeln, hat das Europäische Parlament ein Team aus Historikern und Museumsexperten aus ganz Europa beauftragt die Ausstellung zu konzipieren. Dabei sollen die wissenschaftliche Unabhängigkeit und die objektive Darstellung der Geschichte oberste Priorität haben. Neben Hans-Gert Pöttering obliegt die Leitung des Projekts bei dem Spanier und Vize-Präsident des Europäischen Parlaments Miguel Angel Martinez. Die wissenschaftliche Leitung übernimmt der Pole Wlodzimierz Borodziej von der Universität Warschau.

- Das Europäische Parlament ein Team aus Historikern und Museumsexperten aus ganz Europa beauftragt die Ausstellung zu konzipieren. (Foto: Rolf Handke / pixelio.de)
Neben der Kritik an der inhaltlichen Konzeption des “Haus der Europäischen Geschichte” werden auch die Kosten für das Museum bemängelt. Die Kosten für die Entwicklung, Renovierung und Einrichtung der Ausstellung sollen sich nach aktuellen Schätzungen auf rund 56 Millionen Euro belaufen. Dabei sollen die Entwicklungskosten vom Europäischen Parlament getragen werden. Für die laufenden Kosten hofft man auf eine Mitfinanzierung durch die EU-Kommission. Die Ausstellungen sollen unterdessen für Besucher kostenlos sein.
Kritik an der Finanzierung
Die Grünen-Abgeordnete im Europäischen Parlament Helga Trüpel erklärte Mitte letzten Jahres: “Obwohl ich der Idee eines solchen Museums grundsätzlich positiv gegenüber stehe, bin ich jedoch davon überzeugt, dass ein solches Projekt zum jetzigen Zeitpunkt nur vermittelbar ist, wenn für diesen Schwerpunkt im EP-Haushalt an anderer Stelle gespart wird”. Gerade in der aktuellen Euro-Krise sind Ausgaben in Millionen-Höhe für eine Kultureinrichtung schwer zu erklären. Auch aus Großbritannien gibt es Kritik für das Projekt. So berichten britische Medien, dass Museum würde den britischen Steuerzahler 19 Millionen Pfund kosten, während zahlreiche staatliche Museen im Vereinigten Königreich aufgrund von Budgetkürzungen schließen müssten.
Plattform für Diskussionen über Europa
Es dürfte kaum möglich sein jedem europäischen Land ausreichend Platz in der Ausstellung zu bieten, um seine Geschichte konkret zu beleuchten. Aus diesem Grund konzentrieren sich die Initiatoren des “Haus der Europäischen Geschichte” vor allem auf die Integration Europas und setzen ihren Schwerpunkt auf die Zeit nach 1945. Besonders in den Zeiten der Euro-Krise, in der viele Bürger ihr Vertrauen in das Gemeinschaftsprojekt Europa verloren haben, kann das Museum zusammen Erreichtes ins Gedächtnis rufen und einen Ausblick in die gemeinsame Zukunft bieten. Man möchte nach Aussage des Europäischen Parlaments vor allem Wissen vermitteln und Interessierten eine Plattform für Diskussionen über Europa bieten. Die Eröffnung ist für das Jahr 2014 angesetzt.
(Teaserbild: © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Michael Jensch Axel Thünker)









