Dienstag, 29. Mai 2012

Von: Timo Borowski

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Verbraucherschutz | Verbraucherbarometer | Verbrauchergipfel | John Dalli | Online-Shopping
EU-Verbraucherbarometer

Verbraucher misstrauen ausländischen Anbietern

Ilse Aigner
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner weist daraufhin, dass die Soziale Marktwirtschaft von Vertrauen, Reputation, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit lebt. (Foto:ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Dem europäischen Verbraucher geht es derzeit gut. Zumindest sind die Bedingungen für Verbraucher in der Europäischen Union in den vergangenen zwei Jahren besser geworden. Dies geht aus der Frühjahrsausgabe des Verbraucherbarometers der EU-Kommission hervor, das pünktlich zum heute stattfindenden Europäischen Verbrauchergipfel 2012 in Brüssel veröffentlicht wurde. In den Bericht fließt unter anderem mit ein, wie groß das Vertrauen der Verbraucher in Behörden, Händler und Verbraucherorganisationen ist. Zudem werden auch die Produktsicherheit sowie die Bearbeitung von Beschwerden berücksichtigt. Dem Barometer zufolge herrschen die besten Bedingungen für Verbraucher in Luxemburg, Großbritannien, Dänemark, Österreich, Irland, Finnland, die Niederlande, Belgien, Deutschland, Frankreich und Schweden.

Verbrauchergipfel in Brüssel

Der Verbrauchergipfel wird von dem EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, John Dalli, eröffnet. Am Nachmittag werden zwei Workshops angeboten. Zum einen sollen Vergleichswerkzeuge diskutiert werden, die Verbraucher mit transparenten und zuverlässigen Informationen zu einem Produkt versorgen. In einem “Greenwashing”-Workshop werden zudem bestimmte PR-Methoden kritisch hinterfragt, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches Image zu verleihen. Diese Methode sieht auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner kritisch. “Wer als Unternehmen CSR nur als reines Marketing missversteht und “greenwashing” betreibt, hat nicht nur nichts verstanden – er wird auch bald negative Folgen spüren. Denn gerade die Soziale Marktwirtschaft lebt von Vertrauen, Reputation, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit”, so Aigner. Im Rahmen des Gipfels wurde auch die aktuelle Lage der europäischen Verbraucher bewertet. Während sich die Bedingungen für Verbraucher im Jahr 2009 verschlechtert haben, gab es in den vergangenen beiden Jahren wieder eine Verbesserung. Deutschland schneidet nach der Einschätzung der EU-Kommission überdurchschnittlich gut ab und bietet seinen Verbrauchern einen hohen Standard.

Vorbehalte beim Online-Shopping

Trotz der insgesamt positiven Bewertung der Verbraucherbedingungen, legt das aktuelle Barometer auch Schwächen offen. So gebe es nach wie vor Probleme, wenn Verbraucher im europäischen Ausland einkaufen. So nimmt der Internet-Handel zwar weiter zu, doch die Verbraucher konzentrieren sich bislang hauptsächlich auf das Inland. Dadurch entgehen ihnen meist eine größere Produktauswahl sowie günstigere Preise. Grund für die Schere beim Online-Shopping seien die verstärkten Anstrengungen, die erforderlich sind, um die Vorteile eines digitalen Binnenmarkts voll auszuschöpfen. Viele Verbraucher sind skeptisch, ob Anbieter aus dem europäischen Ausland wirklich seriöse Angebote haben. Doch Ergebnisse der EU-Kommission zeigen, dass diese Sorge meist unbegründet ist.

Unkenntnis im Verbraucherrecht

John Dalli
EU-Kommissar John Dalli appelliert an die nationalen Entscheidungsträger und Akteure, die Barometer-Ergebnisse als Grundlage für die Entwicklung qualitativ hochwertiger Rahmenbedingungen für Verbraucher zu nutzen. (Foto:ec.europa.eu, Credit © European Union, 2012)

Die unbegründete Sorge der europäischen Verbraucher zeigt, dass es vor allem wichtig ist, die Menschen besser über Rechte und Pflichten zu informieren. So können neun von zehn Verbrauchern Fragen zur Garantie, zum Widerrufsrecht und zum Vorgehen bei Erhalt unbestellter Waren nicht richtig beantworten. Und selbst viele europäische Unternehmen sind sich, laut dem Verbraucherbarometer, ihrer gesetzlichen Pflichten gegenüber Verbrauchern nicht im klaren. So wüssten nur 27 Prozent der Firmen, wie viel Zeit den Verbrauchern zusteht, um ein mangelhaftes Produkt zurückzugeben. Zudem gibt es seit dem Jahr 2010 immer mehr irreführende, täuschende und betrügerische Werbung und Angebote. Zwar gibt es bereits zahlreiche Richtlinien über unlauteren Wettbewerb in der EU, diese werden jedoch scheinbar nicht von allen Behörden umgesetzt.

Europäische Verbraucheragenda

Um die Bedingungen für Verbraucher in der Europäischen Union weiter zu verbessern, hat die EU-Kommission in der vergangenen Woche eine neue Verbraucheragenda auf den Weg gebracht. Dadurch will man die Verbrauchersicherheit erhöhen, den Rechtsschutz verbessern, die Rahmenbedingungen an eine digitale Gesellschaft anpassen und die Verbraucher besser informieren. EU-Kommissar John Dalli ist sich sicher, dass die Agenda der Kommission mit Hilfe der Mitgliedstaaten erfolgreich umgesetzt werden kann. “Ich appelliere an die nationalen Entscheidungsträger und Akteure, die aktuellen Barometer-Ergebnisse als Grundlage für die Entwicklung qualitativ hochwertiger Rahmenbedingungen für Verbraucher zu nutzen. Nur Verbraucher, die ihre Rechte kennen und die wissen, wie man sie anwendet, können die Möglichkeiten des Binnenmarkts in vollem Umfang wahrnehmen und so Innovation und Wachstum voranbringen”, so Dalli.

(Teaserbild: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2006)