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Urbane Ideenschmiede im Kreuzfeuer

- Das Guggenheim Lab wird in den nächsten fünf Wochen mehr als 100 kostenlose Veranstaltungen anbieten. (Foto: Guggenheim Lab)
Die Debatte um das Guggenheim Laboratorium erhitzte in den letzten Wochen die Berliner Gemüter. Die Aufregung war groß, als die amerikanische Guggenheim Stiftung im März ihr reisendes Forschungslabor im Berliner Szenekiez Kreuzberg aus Angst vor Gewalt absagte. Mit dreiwöchiger Verspätung eröffnete das BMW Guggenheim Lab nun Freitag vergangener Woche im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Alles sieht aus, als könne das ambitionierte Kulturprojekt in deutscher Ordentlichkeit über die Bühne gehen. Die Guggenheim Stiftung hat sich nach Angaben der verantwortlichen Kuratorin Maria Nicanor bemüht, die Kritiker in die Gestaltung einzubinden. “Sie haben sogar einzelne Programmpunkte mitgestaltet“, sagte die Kunsthistorikerin der Nachrichtenagentur dpa. “In Berlin reagiert man, stellt Fragen, diskutiert - alles, worum es im Lab gehen soll, hat in diesem Sinne schon lange vor der Eröffnung begonnen“. Sechs Wochen lang werden in dem Labor - einer luftigen, 30 Meter langen Karbon-Stahl-Konstruktion - mehr als 100 kostenlose Veranstaltungen angeboten: Vorträge, Diskussionen und Workshops, dazu zahlreiche Exkursionen in die Stadt.
Urbane Ideenschmiede

- Die luftige Karbon-Stahl-Konstruktion ist 30 Meter lang. (Foto: Guggenheim Lab)
Außer dem Container auf Stelzen gibt es am Pfefferberg im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg zunächst nichts zu sehen. Dabei geht es ja ohnehin mehr um den Inhalt, als um die Form. Zehn Wochen, von Anfang August bis Mitte Oktober 2011, war das mobile Labor zuvor in New York untergebracht. Mit Berlin macht das Guggenheim Lab den zweiten Zwischenstopp auf seiner Neun-Städte-Welttour. Das Guggenheim Lab wird von den Organisatoren und Finanziers als mobiles Forschungslabor und urbane Ideenschmiede beschrieben. Junge internationale Teams aus Bereichen wie Stadtentwicklung, Design, Technik, Bildung und Nachhaltigkeit befassen sich in Projekten, Experimenten und im öffentlichen Diskurs mit Fragen des modernen städtischen Lebens. So kann man beispielsweise lernen, wie man einen Solarröster für Kaffeebohnen basteln kann oder wie ferngesteuerte Windelwechsler funktionieren. Maria Nicanor, Kuratorin des BMW Guggenheim Labs, kommentiert das Angebot des Labors wie folgt: “Wir reden über Wasserverschmutzung, darüber wie man sich in der Großstadt fühlt, über die Nutzung von Fahrrädern und vieles andere“. Ziel ist es, die Erforschung sowie das Experimentieren mit neuen Konzepten und die Entwicklung zukunftsweisender Lösungsansätze für das Leben in der Stadt voran zu bringen. Dabei wird das mobile Labor in insgesamt drei zweijährigen Themenzyklen um die Welt geschickt. Thema des ersten Zyklus ist “Confronting Comfort“ – die Erforschung des individuellen und kollektiven Komforts und der dringenden Notwendigkeit ökologischer und sozialer Verantwortung. In den kommenden sechs Jahren soll das mobile Labor weltweit in neun Metropolen Halt machen. Nach Berlin folgt Mumbai.
Wochen der Kritik

- Das Lab soll nicht nur als Diskussionsforum dienen, sondern auch Workshops und Experimente anbieten. (Foto: Guggenheim Lab)
Vor der Eröffnung war das Lab wochenlang in den Schlagzeilen und musste letztlich den vom ursprünglichen Standort abweichen, da ein Teil der Bewohner des Berliner Stadtteils Kreuzberg eine unerwünschte Aufwertung (“Gentrifizierung“) ihres Kiezes durch das von BMW gesponserte Projekt befürchteten. “Die Proteste waren nicht massiv. Es war nur eine kleine Gruppe von Menschen und ich denke, die sind nicht repräsentativ für den Rest von Kreuzberg“, schwächt Maria Nicanor die Wochen des Protests ab. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte die Debatte und die Proteste “schändlich“ für die Stadt. Das Guggenheim Lab stellt ein vielfältiges Angebot bereit – Kritiker bemängeln, dass es dem Projekt an Handfestigkeit fehle und die Berliner Zeitung nannte das Laboratorium eine “Quasselbude“. Dabei ist die Idee – mit den Großstadtbewohner über individuellen und kollektiven Komforts und der Notwendigkeit ökologischer und sozialer Verantwortung zu debattieren – alles andere als verwerflich. Sie bietet sogar einiges an Potenzial. Doch warum ein Diskussionsforum dafür ein spezielles Gebäude braucht , bleibt unklar.









