Freitag, 22. Juni 2012

Von: tv.berlin

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Europa-Professionell | Europa-Union | Krise | Christian Moos | europäishe Integration. Arbeitsgruppe
Europäische Bürgerbeteiligung

Die Freunde Europas

Europa-Professionell ist ein Netzwerk aus Europaexperten in der Bundeshauptstadt, die sich für die europäische Integration und für die Themen der Europäischen Union stark machen. Eigentlich kann jeder überzeugte Europäer Mitglied werden und Teil von Europa-Professionell werden. Über die aktuellen Ziele und Themen des Vereins und über die Zusammenhänge zu Europa-Union sprechen wir heute morgen mit dem Generalsekretär der Europa-Union Christian Moos.
Im Gespräch mit tv.berlin erklärt Christian Moos wie die Europa-Professionell- Arbeitsgruppe funktioniert. (Fotoquelle: tv.berlin)

tv.berlin: Schön, dass sie heute da sind Herr Moos. Klären wir zunächst die Zusammenhänge zwischen der Europa-Union und Europa-Professionell. Europa-Professionell ist ein Arbeitsgruppe der Europa-Union?

Christian Moos: Europa-Professionell ist eine Arbeitsgruppe der Europa-Union Deutschland. Europa-Professionell wurde vor drei Jahren gegründet. Das Ziel ist es, Menschen die beruflich mit dem Thema Europa arbeiten oder vielleicht europabegeistert sind, zu organisieren und zu vernetzen.

tv.berlin:
Sie haben ja auch Europa-Professionell mitgegründet. Was war der Auslöser für die Initiative?

Christian Moos: Die Initiative ging vom damaligen Generalsekretär Bernd Hüttemann und dem Präsidenten Peter Altmaier aus. Wir haben damals mit einer Gruppe von verschiedenen Leuten Europa-Professionell ins Leben gerufen. Das Ziel war einen Mehrwert für Mitglieder der Europa-Union Deutschland zu schaffen, die beruflich jeden Tag mit dem Thema Europa zu tun haben.

tv.berlin: Das ist ja auch die Voraussetzung für die Aufnahme in den Verein Europa-Professionell. Wir haben zwar gesagt, dass jeder Mitglied von Europa-Professionell werden kann. Allerdings sollten die Mitglieder schon beruflich in diesem Feld aktiv sein.

Christian Moos: Die Europa-Union Deutschland ist für alle Bürgerinnen und Bürger offen. Es ist die größte europäische Bürgerinitiative Deutschlands. Europa-Professionell ist ein besonderer Teilbereich, in dem sich Personen organisieren, die professionell mit dem Thema Europa arbeiten

tv.berlin: Sprechen wir noch ein wenig über die Europa-Union. Sie sind ja dort der neue Generalsekretär, richtig?

Christian Moos:
Genau, ende November auf dem Kongress hier in Berlin bin ich in das Amt der Generalsekretärs gewählt worden. Die Arbeit macht mir auch viel Freude.

Europa-Professionell soll Menschen die im Bereich Europa arbeiten, eine Plattform zum Austausch geben. (Fotoquelle: flickr.com/ quinn.anya, CC by-SA-2.0)

tv.berlin: Mit welchen Themen beschäftigt sich die Europa-Union derzeit? Mit europäischen Fragen wie z.B. wie kommen wir aus der Krise, wie behandeln wir aktuelle Themen. Was liegt da gerade bei ihnen auf dem Tisch?

Christian Moos: Wie bei den Menschen im Land, ist es auch bei unseren Mitgliedern so, dass die aktuelle Krise alle bewegt und viele Fragen aufwirft. Wir machen viele Veranstaltungen und Diskussionen rund um dieses Thema. Es muss für dieses Thema auch wieder Vetrauen und Zuversicht gewonnen werden. Es werden auch Lösungen zur Krisenbewältigung erforderlich sein. Aus unserer Sicht werden diese Lösungen aber nur auf Europaebene zu finden sein.

tv.berlin: Wie will die Europa-Union konkret die Probleme lösen? Es wird natürlich viel diskutiert und geredet und viele Meinungen ausgetauscht. Es müssen dann aber auch konkrete Ziele und Vorgaben von der Europa-Union festgemacht werden, wie man Europa aus der Krise holt.

Christian Moos: Es ist relativ klar, dass wir eine Fiskalunion bekommen werden. Es gibt ja jetzt den Fiskalpakt, über den zwischen den Parteien noch gestritten wird. Das ganze Thema muss sich noch ein wenig sortieren, auch mit dem neuen französischen Präsidenten und der Bundesregierung. Aber der Fiskalpakt ist relativ klar. Es wird also eine viel engere Verzahnung und Koordinierung der Wirtschafts- und Währungspolitik geben. Das bedingt allerdings aus unserer Sicht, dass die Bürger noch stärker beim Thema Europa mitwirken können. Das europäische Parlament sollte noch mehr Kompetenzen bekommen. Die nationalen Parlamente müssen noch viel stärker ihre Integrationsverantwortung wahrnehmen. Zudem müssen wir einen öffentlichen Diskurs zum Thema Europa schaffen. Wir brauchen mehr Demokratie auf europäischer Ebene. Damit ist nicht nur Europa im Sinne der europäischen Instituten gemeint, sondern natürlich auch etwa der Bundestag, denn auch der Bundestag muss seiner europäischen Integrationsverantwortung gerecht werden. Das ist aus unserer Sicht nicht als Abwehrhaltung gegenüber Europa zu verstehen. Ganz im Gegenteil, der Bundestag kann Europa aktiv mitgestalten.

tv.berlin: Damit jeder auch wirklich mitreden kann. Genau deshalb ist die Europa-Union offen für jedermann. Gibt es irgendwelche Voraussetzungen um zur Europa-Union zu gelangen?

Christian Moos: Man muss nicht wissen, wie man es besser machen kann. Wirklich definitive Antworten auf die Krise hat ja leider niemand. Es reicht, dass man sich für das Thema interessiert. Ob jung oder alt, das spielt überhaupt keine Rolle. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich Willkommen sich in der Europa-Union Deutschland zu engagieren. Man muss auch nicht deutscher Staatsangehöriger sein. Das wäre ja gerade bei unserem Ziel sehr widersinnig

Christian Moos sieht mit der Einführung des Fiskalpaktes eine große Chance für noch mehr Bürgerbeteiligung beim Thema Europa. (Fotoquelle: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2012)

tv.berlin: Je vielfältiger die Meinungen und Lösungsansätze sind, um so besser für solch eine Diskussionsrunde oder für Veranstaltungen. Gibt es aktuelle Diskussions- oder Themenrunden die wir ankündigen können, an denen man in Zukunft auch teilnehmen kann?

Christian Moos: Ganz wichtig ist unser Kongress in Düsseldorf diesen Oktober. Dort wird ein neues Programm verabschiedet werden, das Düsseldorfer Programm. Dort werden wir Leitlinien festlegen und definieren. Es wird gerade diskutiert, wie wir uns zu einem europäischen Bundesstaat hinentwickeln können.

tv.berlin: Was ist aus ihrer Sicht derzeit das größte Problems Europas? Hat der Machtwechsel in Frankreich den letzten Schub zur Abweichung vom Kurs von Angela Merkel gegeben. Mit Nicolas Sarkozy ist ja einer der wichtigsten Partner der Kanzlerin weggefallen.

Christian Moos: Da ist schwer zu sagen, da wir ja eine überparteiliche Vereinigung sind. Unsere Mitglieder haben alle unterschiedliche Überzeugungen die bei diesem Thema auseinander gehen können. Grundsätzlich denke ich haben wir allen Anlass optimistisch zu sein, dass die Deutsch-französische Partnerschaft weiterhin funktionieren wird. Sie bleibt eine ganz wichtige Voraussetzung für gemeinsame und tragfähige Lösungen. Das wissen Frau Merkel und Herr Hollande auch.

tv.berlin: Bei diesem Thema schauen wir auch weiter genau hin. Genau das macht auch die Europa-Union. Vielen Dank Herr Moss, dass sie uns Rede und Antwort gestanden haben.