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Grünes Gewissen

- Dass langes Duschen nicht gerade umweltschonend ist, sollte mittlerweile wohl jedem klar geworden sein?! (Foto: clean tech world).
Umweltfreundliche Zukunftsideen satt, mit diesem vielversprechenden Credo wissen die Messeveranstalter ihre Besucher anzulocken. “Was hier exemplarisch ausgestellt ist, steht für Innovationen, die neue Firmen, neue Arbeitsplätze und neue Wertschöpfungsketten schaffen”, erklärt Notker Schweikhardt, Creative Director der Clean Tech World (CTW) anlässlich der Eröffnung. “Alle, die heute hier sind, sind Teil der Lösung, treiben diesen Wandel voran und sorgen mit ihrem Mut, ihrer Kreativität und ihrem Engagement dafür, dass wir uns auf eine sichere, lebenswerte Zukunft freuen können”, berichtet er begeistert. Und natürlich lädt er die Berliner ein “all dies selbst zu erforschen, erfahren und erleben“. Was aber hat das Publikum am kommenden Wochenende nun genau zu erwarten? Um es auf den Punkt zu bringen: Eine kleine, aber feine Auswahl an innovativen Herstellern mit Vorreiterstellung in den Bereichen Mobilität, Leben und Wissen. “Das Zeitalter der Elektromobilität hat begonnen”, wurde Christian Heep, Vorstand Marketing des Bundesverbandes eMobilität e.V., nicht müde zu betonen. Das Entscheidende sei allerdings, “dass wir jetzt mit allen Mitteln in diesen Zukunftsmarkt einsteigen und uns auch langfristig als international kompetenter Partner zeigen.“
Elektromobilität im Fokus
Wen wundert es da also, dass die ersten Schritte über das Messegelände im Zeichen der sauberen Mobilität von morgen liegen. Derzeit wohl nur Insidern bekannte Hersteller von Elektroautomobilen und E-Bikes wie elemo, mia oder miev mitsubishi stellen ihre Fahrzeugflotte vor. Das Angebot reicht von der e-Schwalbe der efw-suhl GmbH - einer modernen und vor allem sauberen Definition der legendären “Vespa des Ostens” - hin zum klassischen Minibus für die Stadt bei mia. Sogar das asiatische Fortbewegungsmittel Nummer Eins, das TukTuk, gibt es schon als grüne Variante mit Elektromotor. “Sie sehen es ja, Know-How und Angebot sind längst da”, erklärte Heep weiter. “Jetzt muss Elektromobilität nur noch die breite Masse erreichen”. Denn zwar habe Berlin laut Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität, die “beste Chancen Leitmarkt, Schaufenster und Testlabor der Elektromobilität in Deutschland zu werden”. Deutschland als Pionierland der Elektromobilität hingegen laufe seinem “Leitmarktanspruch jedoch etwas hinterher”, war Christian Heep der Meinung. Nun sei die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, um innerhalb der Gesellschaft deutliche Zeichen für Neue Mobilität zu setzen. Spricht man mit den Pressevertretern von elemo und Co., überwiegt die Enttäuschung an der Politik. Stefan Büttner, Pressesprecher von miev Mitsubishi, kritisiert die “deutsche Zurückhaltung bei der Subventionierung” der Branche. Dass Clean Technology nicht nur gut für das Klima sondern auch gut für die Wirtschaft ist, scheint in Berlin noch nicht angekommen zu sein. Frankreich, Großbritannien und die Niederlande täten sich damit deutlich weniger schwer, so Büttner.
Hellauf begeistert?!

- Von links: Florian Lennert, Gernot Lobenberg, Andrea Kunwald, Notker Schweikhardt und Christian Heep. (Bild: zoerner).
Ein großes Manko der Branche sei vor allem aber eins: Der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. “Der Fachkräftearbeitsmarkt ist leergefegt”, berichtete Andrea Kunwald, Sprecherin der Initiative MINT Zukunft schaffen. Und das trotz jahrzehntelanger MINT-Initiativen. Zwar höre sie immer wieder, dass Jugendliche “hellauf begeistert” seien beim Mitmachen. “Nachhaltig entscheiden tun sich nur wenige”, sagte sie. Deutschland fehlten derzeit 16.000 MINT-Studienabsolventen. Und das jährlich, so Kunwald. “Diese strukturelle MINT-Lücke wird bis zum Jahre 2000 auf über 200.000 anwachsen”, zog sie eine wenig erfreuliche Prognose. Auch hier sei wieder die Politik gefragt. Es gelte die Vorurteile der jungen Generation gegenüber den Naturwissenschaften abzubauen. Vor allem bei Mädchen. Über Karrierechancen für Berufseinsteiger in der Clean Tech Branche informieren jedenfalls bei der CTW auch zahlreiche Unternehmen und Hochschulen.
Megatrends
Florian Lennert vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichem Wandel wusste noch von einer weiteren Herausforderung zu sprechen: "Die Erforschung von Megatrends wie Urbanisierung, Klimawandel und Energiesicherheit zeigt, dass integrative Perspektiven notwendig sind, die besonders die Themen Energie, Mobilitätssysteme und Stadtentwicklung betreffen.“ Im begleitenden Konferenzprogramm Clean Tech Insights diskutierte er mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Wolle man “intelligente Städte”, dann seien vor allem praxisnahe Lösungen gefragt. Angepasst an die besonderen “Bedürfnisse städtischer Ballungsräume”. Dass die CTW ein “Think Tank für Visionäre” und ein “Showcase für die Produkte der Zukunft” ist - wie es Notker Schweikhardt formulierte - zeigt beispielsweise die taiwanesische Firma Miniwiz. Ein junges Team aus Wissenschaftlern, Technikern und Designern entwickelte in jahrelanger Experementierarbeit die so genannten “Polli-Bricks”. Speziell angefertigte und recycelte PET-Flaschen, aus denen Miniwiz Häuser baut. Erste Prototypen stehen bereits in Taiwan, Malaysia und China. Zwar hat die Firma seit ihrer Gründung im Jahre 2005 zunächst Millionen-Verluste aufgrund des langwierigen Brainstormens gemacht, ist aber als Pionier auf dem Gebiet zuversichtlich auf einen globalen Trend. Derzeit steckt Miniwiz in einem Lizenzierungsverfahren mit dem Deutschen Institut für Bautechnik.
[ES]
Die Clean Tech World ist am Samstag und Sonntag von 10-18 Uhr für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter http://www.cleantechworld.eu/









