Donnerstag, 15. Dezember 2011

Von: RED

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E-Mobility | Fabian Paul | Gernot Lobenberg | Frank Fickel | DrivePacEV80 | Nachhaltigkeit | Car-Sharing-Anbieter | Elektrofahrzeuge
Die Mobilität der Zukunft

E-Mobility

Es ist das Auto der Zukunft doch bislang hat man das Gefühl, dass Elektromobilität vor allem ein schöner Traum ist, der mit der Wirklichkeit auf den Straßen noch nicht viel zu tun hat. Die paar Exemplare, die es bereits gibt, sind teuer und nicht wirklich alltagstauglich. Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen und es braucht neben dem Willen auch vor allem Förderung und Unternehmen, die sich auf das Abenteuer einlassen und innovativ sind. Da liegt die Chance von Berlin, denn hier gibt es Firmen, die mit Einsatz an dem Projekt arbeiten. Zu Gast im Interview sind Frank Fickel, Projektleiter bei IAV; Fabian Paul, Geschäftsführer von Yoove Mobility GmbH und Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität.
Elektroauto
Die Technik der Elektromobilität steckt noch in den Kinderschuhen. (Foto: commons.wikimedia.org/Cecilia, Lili & Krisztian, CC BY 2.0)

European Circle: Herr Fickel, ihr Unternehmen IAV hat am Freitag mit einer neuen Antriebseinheit für E-Fahrzeuge den “Innovationspreis Berlin-Brandenburg” gewonnen. Wie bringt uns Ihre Innovation dem alltagstauglichen Elektroauto näher?

Fickel: Der Alltagstauglichkeit standen bisher flexible Antriebssysteme im Wege, die es noch nicht gab. Man hat den Verbrennungsmotor aus Fahrzeugen rausgenommen und einen E-Motor eingebaut und konnte damit aber nur erste Fahrzeugmodelle abbilden. Mit unserem System sind wir in der Lage eine größere Breite von Fahrzeugen zu erreichen. Also unser “DrivePacEV80”, was der Name ist, steht für ein 80kW-Antrieb, der sowohl in Elektrofahrzeugen bis hin zur Klasse der leichten Nutzfahrzeuge einsetzbar ist und in der Zeit, wo die Elektrofahrzeuge vielleicht noch nicht überall Durchbruch finden werden, auch in den Plug-in-Hybriden eingesetzt werden können. 

European Circle: Herr Paul, Yoove Mobility setzt schon seit längerem auf elektronisch betriebene Fahrzeuge, Sie haben schon mit diesen beliebten Segways angefangen und vermieten in letzter Zeit auch Elektroautos. Sind Ihre Fahrzeuge alltagstauglich oder eher ein Spaß für Touristen?

Paul: Also ich sag mal so, es ist das erste Jahr, wo wir die Elektroautos in Betrieb genommen haben und den reinen Wintertest haben wir noch nicht hinter uns. Wir wissen also noch nicht, was passiert, wenn die Temperaturen dann bei -10°C ankommen. Was wir aber sagen können, ist dass in dem Sommer, den wir jetzt hatten, die Fahrzeuge gut unterwegs waren und eben sowohl für den Touristen, als auch für den Berliner, sehr geeignet waren und auch sehr gerne genutzt worden sind. Es ist bei den Segways natürlich auch so, dass wir da im letzten Winter schon gemerkt haben, dass ein Abfall der Leistung da ist und umso kälter es wird, das eben deutlich mehr wird.

European Circle: Herr Lobenberg, hier sind zwei Unternehmen die die E-Mobility einmal durch Innovation und durch die Praxis vorantreiben, wo sehen Sie denn den Schwerpunkt für Berlin?

Lobenberg: Also der Schwerpunkt bei Berlin ist ganz klar im Bereich der Anwendung, um hier zu einer Leitmetropole von E-Mobility zu werden. Aber gleichwohl auch im Bereich der Zulieferung. Wir kommen ja nicht aus einer automobilen Markentradition heraus, wie das andere Länder in Deutschland machen, sondern wir sind eher die “Hidden-Champions”, die hier mit Ingenieursleistungen, wie IAV das schon vorbildlich macht, eben diese Autoindustrie beliefern. Das haben wir schon in der Region, auch wenn die nicht so sichtbar sind, aber sie gehören dazu. Die Bedeutung dieser Unternehmen wird noch deutlich steigen im Zuge der Elektrofizierung des Antriebs und der Fahrzeuge.

Berlin
Berlin soll Leitmetropole der E-Mobility werden. (Foto: commons.wikimedia.org/Casp, CC BY-SA 3.0)

European Circle: Sehen Sie das auch Herr Fickel, dieses Potenzial für diesen Standort, oder ist es doch ein Problem, dass wir hier keine traditionellen Autobauer haben?

Fickel: Da sehe ich kein Problem. Für die automobile Elektronik ist es wichtig an Standorten Entwicklung zu betreiben, wo eine Vernetzung mit Universitäten und mit anderen Lieferanten vorhanden ist und das wird hier in Berlin in hervorragender Weise gelebt. Nun ist ein besonderes Augenmerk der Politik natürlich auf Berlin, daher gibt es zusätzlich zu diesen Entwicklungen auch noch die Möglichkeit Berlin als Teststandort zu betrachten. Hier soll Elektromobilität sichtbar werden. Und wenn wir es jetzt noch schaffen diese Sichtbarkeit auch für die Leute zu machen, die sich vielleicht heute noch gar nicht trauen ein Elektroauto zu mieten (verweist auf F. Paul), aber vielleicht in einem Elektrotaxi fahren würden, weil sie sowieso immer Taxi fahren, könnte man das einfach mal erlebbar machen.

European Circle: Herr Paul, er spricht ja etwas wichtiges an, die Kommunikation nach außen. Bisher hat das Elektroauto ja noch ein Negativimage bei der Bevölkerung. Was müsste hier noch mehr gemacht werden?

Paul: Also ich glaube, dass es zum einen sehr viele Vorurteile sind, weil eben ein Großteil der Bevölkerung selbst noch nicht mit so einem Fahrzeug unterwegs war. Wir haben vor kurzem zum Beispiel für einen Kunden mal eine Aktion am Flughafen Tegel gemacht. Dort konnte der Passagier, egal von welcher Fluggesellschaft,  sich in das Auto setzen und sich selbst nach Hause fahren. Die Leute waren so begeistert davon, weil sie das erste Mal überhaupt ein Elektroauto fahren durften und dann eben auch über eine gewisse Reichweite. Natürlich ist es eine Sache, die sehr viel Arbeit benötigt und auch sehr viel finanzielle Kraft braucht, aber ich glaube, dass das über einen gewissen Zeitraum auch umsetzbar ist.

European Circle: Sehen Sie darin auch Ihre große Herausforderung, Herr Lobenberg?

Lobenberg: Ja, wir sind ja gerade dabei uns zu bewerben, um ein so genanntes “Schaufenster Elektromobilität”, den die Bundesrepublik als Wettbewerb ausgerufen hat und wir haben da glaube ich ganz gute Chancen, eines dieser drei bis fünf Schaufenster in Deutschland zu werden. Und da geht es genau darum, zu sagen, sind diese Fahrzeuge alltagstauglich, sind sie massentauglich und wird das von der Bevölkerung akzeptiert? Und ich glaub da muss ich Ihnen widersprechen, ich glaube nicht, dass die Elektromotoren ein schlechtes Image haben. Ganz im Gegenteil, ich glaube die haben ein gutes Image. Die Bevölkerung sieht die Nachhaltigkeit dieses Themas. Sie sieht die Innovationsfähigkeit, aber in der Tat glaubt man bisher nicht, dass man diese Fahrzeuge völlig einsetzen kann, denn kaum jemand hat Berührung dazu gehabt. Und dieses Schaufenster dient genau dazu, jetzt zu einem nächsten Schritt des Marktes zu kommen und der Bevölkerung auch das ganze Thema nahe zu bringen.

Elektromobilität
Der Verbrennungsmotor aus Fahrzeugen wurde durch einen E-Motor ersetzt. (Foto: Semen Grinberg / pixelio.de)

 European Circle: Nochmal zu dem Schaufenster, da werden 180 Mio. Euro für alle Schaufenster zu Verfügung gestellt, wo würde das Geld denn konkret hinfließen?

Lobenberg: Das Geld fließt in Projekte in Berlin, wo es dann konkret darum geht Fahrzeuge anzuwenden, also beispielsweise Elektroautos beim Car-Sharing zu verwenden. Wir reden über einen elektrischen Busverkehr in Berlin, wir reden über Logistikprojekte, wo also Lieferfahrzeuge, beispielsweise im Bereich der Paketdienste oder wo auch größere Nutzfahrzeuge eingesetzt werden. Taxen sind denkbar. Da gehen diese Gelder entsprechend rein, das heißt für Flottenbetreiber, die diese Fahrzeuge entsprechend nutzen.

European Circle: Herr Fickel, wie wichtig ist staatliche Förderung auf diesem Gebiet?

Fickel: Ich glaube staatliche Förderung ist an verschiedenen Stellen wichtig. Einmal ist es natürlich wichtig, um die Entwicklung voranzutreiben, aber ganz wichtig für mich ist das Thema “Aus- und Weiterbildung”. Ich glaube da muss die staatliche Förderung auch teilweise hingeleitet werden, das ist der Schaufensterbewerbung auch mit ein Bestandteil. Wir haben heute zum Beispiel die Situation, dass wir 500 Ingenieure suchen und wollen diese gerne in unserem Unternehmen arbeiten lassen. Wir haben große Probleme die Leute zu finden.

European Circle: Herr Lobenberg, können Sie sich vorstellen, dass mit diesem Sinneswandel hin zum E-Auto, sich auch das Verhältnis zum Auto selbst ändern wird?

Lobenberg: Das sieht man ja heute schon. Die Car-Sharing-Anbieter haben, sicherlich auf noch geringem Niveau, bereits Zuwachsraten – die liegen bei 10 bis 20 Prozent im Jahr. Die haben erkannt, dass es einen Trend zum Wechsel gibt, gerade in der jungen Bevölkerung, zum Thema “Fahrzeug nutzen statt besitzen”. Und das Thema Elektrofahrzeuge zahlt letzten Endes darauf ein, weil das Fahrzeug in der Anschaffung einfach sehr teuer ist, in der Benutzung aber sehr günstig und das passt einfach sehr gut für Car-Sharing-Modelle.

European Circle: Da sind größere Unternehmen ja noch etwas verhalten, was Car-Sharing mit Elektroautos angeht. Das sind ja größten Teils noch normal betriebene Autos.

Lobenberg: Es gibt bereits Flotten im Ausland, in Amsterdam, in San Diego, aber auch in Deutschland, wo dann im kleiner Maßstab Elektrofahrzeuge mal eingesetzt werden. Das hängt natürlich daran, dass wir keine Flächendeckende Ladeinfrastruktur in den Städten haben.

European Circle: Herr Fickel, es braucht sicherlich noch andere Anreize, wie sehen Sie das? Ist die Politik da noch mehr gefordert?

Fickel: Also ich glaube, dass die Politik viel dafür tun kann, dass das mediale Interesse steigt und die Bevölkerung versteht, dass wir hier vor einem Mobilitätswandel stehen. Wir reden sehr viel von Elektromobilität, aber wir reden eigentlich zu wenig über die Mobilität von morgen. Und die wird intermodal sein, das heißt ich werde mich gar nicht mehr nur mit dem Auto von A nach B bewegen, sondern dass ich bestimmte Applikationen auf meinem Smartphone habe und wenn ich morgens aus dem Haus komme entweder nach rechts zur Car-Sharingstation gehe oder nach links zur U-Bahnstation, dann wird ein System erkennen, was ich vorhabe und wird mir einen möglichst guten Weg aufzeigen, spezifisch für den Tag, mit den Verkehrsproblemen an diesem Tag, dass ich pünktlich und möglichst entspannt mein Ziel erreiche. Ich glaube, wenn wir das in der Gesellschaft verinnerlicht haben, dass das die Wege der Mobilität der Zukunft sind, dann wird es auch zu diesem Durchbruch der E-Mobilität kommen, weil die ein wichtiger Beitrag dazu ist.

European Circle: Schauen wir nochmal in die Zukunft. Das Ziel ist eine Millionen Elektro- und Hybridautos bis 2020 auf die Straßen zu bringen. Halten Sie das für realistisch?

Fickel: Ich glaube, wir werden die eine Millionen nicht treffen. Wir werden entweder deutlich darunter oder deutlich darüber liegen. Und das spannende wird sein, ob wir letzteres erreichen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir da gute Möglichkeiten haben und wenn wir nicht alles falsch machen und wir vieles richtig machen, dann ist das durchaus eine realistische Zahl.
 
[RED]

(Teaserbild: commons.wikimedia.org/Cecilia, Lili & Krisztian-CC BY 2.0)