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E10 - nach einem Jahr auf dem Benzinmarkt

- Der Umweltkraftstoff E10 ist seit einem Jahr auf dem Benzinmarkt. (Foto: Gerd Altman / pixelio.de)
Es ist ein Jahr her, dass der Umweltkraftstoff E10 in Deutschland eingeführt wurde. Der bisherige Absatz von E10 liegt bei nur 30 Prozent und somit weit unter den Erwartungen. Der Stopp des Umweltkraftstoffes wurde unter anderem von der FDP gefordert vom Bundesumweltministerium jedoch abgelehnt, weil die Vorgaben der Europäischen Union für Klimaschutz im Bereich Verkehr erfüllt werden sollen. Die Einführung des mit 10 Prozent Bioethanol angereicherten Sprits hat sowohl Preissteigerungen auf dem Benzinmarkt wie auch auf dem Nahrungsmittelmarkt zur Folge. Mögliche Strafzahlungen wegen Nichterfüllung der Quote von verkauften E10 wurden auf die herkömmlichen Benzinsorten mit bis zu neun Cent mehr auf den Tankstellen-Preis aufgeschlagen. Nahrungsmittel wurden teurer, da die Nachfrage von Agrarland mit der Mehr-Produktion von Bioethanol stieg und somit in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelindustrie steht. Nach einem Jahr E10 auf dem Benzinmarkt ein Resümee über die Vor- oder Nachteile von Biokraftstoffen, eine berechtigte Tank oder Teller-Diskussion, Pro oder Kontra für Biosprit.
Unsicherheit führt zu geringem Absatz

- Um die Rohstoffpflanzen als Monokultur anzubauen, werden die Wälder oft gerodet. (Foto: commons.wikimedia.org/Jamie Dwyer, gemeinfrei)
E10 heißt, dass der Benzinkraftstoff mit 10 Prozent Ethanol angereichert statt wie bisher mit bis zu 5 Prozent. Bei dem im Benzin enthaltenen Ethanol handelt es sich um den Biokraftstoff Bioethanol. Dieser Biokraftstoff wird aus Pflanzen gewonnen, die “umweltverträglich” angebaut werden. Oft werden für den Anbau jedoch Wälder gerodet, um die Rohstoffpflanzen als Monokultur anzubauen. Im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen verursachen die heute verwendeten Biokraftstoffe jedoch weniger Treibhausgase. Die Unwissenheit von vielen Verbrauchern und die damit verbundene Unsicherheit, ob der Biokraftstoff für das Tanken des eigenen Autos geeignet ist, führte laut ADAC-Präsident Peter Meyer in einem Interview in der Euro am Sonntag zu dem minimalen Absatz des Biokraftstoffes. Deshalb stellt er die Forderung an die Ölkonzerne das Image von E10 mit einer gezielten Kampagne aufzuwerten. Trotz der weiterhin geringen Nachfrage gibt es laut Meyer keine Alternative zum Biosprit E10 und die Einführung dürfe deshalb auf keinen Fall gestoppt werden.
Unwissenheit über die Produktion
Die Tank oder Teller-Diskussion müsse laut dem Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V. (BBK) ebenfalls neu betrachtet werden. Der Hauptgrund dieser Diskussion ist demnach die fortwährende Unwissenheit von Politik und Presse über die landwirtschaftlichen Wirtschaftsabläufe und dem allgemein gültigen englischen Begriff “Biofuel”, der nicht ausreichend differenziert ist und somit nicht die verschiedenen Biokraftstoffarten voneinander abgrenzt. So müssen Bioethanol bzw. Pflanzenöl/Biodiesel aus der Sicht der “Tank oder Teller-Diskussion” sowie der Landnutzungsänderung laut dem Bundesverband völlig unterschiedlich betrachtet werden. So entstehen Biodiesel und Pflanzenöl beispielsweise nicht durch den Anbau von Rohstoffen, die für die Gewinnung von Biokraftstoffen verwendet werden, sondern sie sind weltweit Nebenprodukte der Eiweißfuttermittelproduktion in unserer Nahrungskette. Eiweiß- oder Proteinfuttermittel benötigen Hühner und Kühe, um Eier und Milch zu produzieren. Bei der Futtermittelerzeugung sind 2/3 der Rapssaat Eiweißfutter und der Rest ist Pflanzenöl, das zu 70 Prozent als Überschuss in der Biokraftstoffproduktion Verwendung findet. Pflanzenöl - das Überschussprodukt aus der Eiweißfutterproduktion wurde demnach sinnvoll energetisch verwertet. Die Produktionskapazität von Pflanzenöl und Biodiesel in Deutschland erreichte bis 2006 bereits 5 Mio t, so dass viele Verbraucher, die Biodiesel tankten der Ölindustrie und den Tankstellen fernblieben. Daraus folgte dann die “Beimischung” anstatt der Herstellung von Reinbiokraftstoffen und die Besteuerung von deutschen Bioreinkraftstoffen.
Auswirkungen der Biokraftstoffproduktion

- Nahrungsmittel wurden teurer, da die Nachfrage von Agrarland mit der Mehr-Produktion von Bioethanol stieg und somit in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelindustrie steht. (Foto: commons.wikimedia.org/Mariordo, CC BY-SA 3.0)
Mit dem Boom der Biokraftstoffe stieg die Nachfrage nach Ackerland und Agrarstoffen enorm an. Bereits Anfang 2007 stiegen die Lebensmittelpreise weltweit, so dass es bereits zu diesem Zeitpunkt eine Tank oder Teller-Diskussion gab. Mit wachsender Weltbevölkerung und dem fortschreitenden Klimawandel verliert diese Diskussion jedoch nicht an Bedeutung, sondern sollte noch mit größerer Aufmerksamkeit betrachten werden. Der Grund für die Tank oder Teller-Diskussion sollte jedoch hinterfragt werden und wohl nicht nur in Bezug auf die Einführung von E10 geführt werden. Der negative Faktor der steigenden Lebensmittelpreise sollte trotz der genutzten Überschussanteile für die Produktion für Biokraftstoffe nicht unterschätzt werden. Jedoch wird nicht allein die Herstellung des Umweltkraftstoffes dafür verantwortlich sein. Vielmehr ist es die Folge vieler weltwirtschaftlicher Faktoren, die aufeinander aufbauen und deren negative Auswirkung idealerweise geprüft und behoben werden sollte. Nichtsdestotrotz zieht die vermehrte Nachfrage nach neuen Agrarflächen auch für die Bioethanolgewinnung das Problem des “Land Grabbing” in beispielsweise Südafrika nach sich. Ausländische Konzerne kaufen oder Pachten Land über viele Jahre zu Dumping-Preisen. Was zur Folge hat, dass ansässige Kleinbauern und Unternehmen vertrieben werden, so dass diese ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können und es zur Verknappung der Nahrungsmittel auf den lokalen Märkten führen kann. Weite Teile dieser Bevölkerung sind chronisch Unterernährt und sind schon unter normalen Umständen nicht in der Lage ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Ein Pro für E10 und weitere Biokraftstoffe
Ein weiterer wichtiger Punkt und weiteres Pro für die steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen ist die durchaus begrenzte Reserve von Erdöl. So kommt das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe laut Energieportal24 in einer Studie aus dem Jahr 2004 zu dem Schluss: “Der “depletion mid-point”, bei dem die Hälfte des vermuteten Erdöls gefördert wird, dürfte innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre erreicht werden. Deshalb ist es notwendig sich nicht nur im Bereich des Kraftstoffs für Alternativen umzuschauen, sondern auch im Bereich der Energiegewinnung auf erneuerbare Energien umzustellen.
Für die Tank- oder Teller-Diskussion nicht ausschlaggebend
Das Pro und Kontra für den Umweltkraftstoff E10 ist nicht klar zu definieren, sondern facettenreich. Das Für und Wider hängt von vielen zu berücksichtigen Faktoren ab. Das Wider ist jedoch auf keinen Fall mit dem Argument der Nichtverträglichkeit vieler Autos zu belegen, denn 90 Prozent der auf dem Markt vorhandenen Kraftfahrzeuge sind mit dem E10-Kraftstoff kompatibel. Außerdem sollte die Debatte um E10 nicht ausschließlich als eines der primären Elemente der Tank oder Teller-Diskussion gesehen werden. Durch die Produktion von Biokraftstoffen wird zweifellos negativ Einfluss auf die Welthungersituation genommen. Den Welthunger aber als ausschlaggebendes Gegen-Argument gegenüber dem E10-Kraftstoff anzuwenden scheint nicht gerechtfertigt. Die Tank oder Teller-Diskussion sollte zweifellos weiter geführt werden. In erster Linie sollte es aber Ziel dieser Diskussion sein, eine Lösung gegen den weltweiten Hunger zu finden. Die Problematik sollte dabei global betrachtet werden und sich nicht allein auf einen Faktor beschränken.
[SR]
(Teaserbild: Gerd Altmann / pixelio.de)









