Freitag, 11. November 2011

Von: SR

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Nord Stream | Gaspipeline | Atomausstieg | Energiepartnerschaft | Gazprom | Erdgas | Lubmin | Ostsee
Europäisch-russische “Energiepartnerschaft“ wächst

Europa braucht neue Energiequellen

Dimitri Medwedew
Russlands Präsident Dimitri Medwedew bei der Einweihung der neuen deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream. (Foto: commons.wikimedia.org/The Presidential Press and Information Office, CC BY 3.0)

Fukushima bewegte zum Umdenken im Bereich der Energieversorgung. Deutschland will langfristig auf Kernenergie verzichten, das Programm dazu steht. Bis 2022 sollen alle Kraftwerke vom Netz gehen. Die Sicherung neuer bzw. weiterer Energiequellen ist jedoch nicht nur wichtiges Ziel für Deutschland sondern für die gesamte Europäische Union. Nachdem 2009 die Gasversorgung wegen des russisch-ukrainischen Gasstreits unterbrochen wurde, ist das Interesse groß den Import von Energie nicht in Abhängigkeit eines bestimmten Landes zu bringen. 

Unabhängige Energieversorgung

Die Unabhängigkeit bei der Energieversorgung ist wichtiger Bestandteil für die Pläne der EU neue Energielieferanten und Varianten zu beschließen. Nicht noch einmal soll es wie 2009 zu einem Gasengpass kommen. Grund dafür waren die Auseinandersetzungen zwischen der Ukraine und Russland. Streitigkeiten zwischen den beiden Ländern sind mit dem Bau der “Nord Stream” für einen Energieversorgungsengpass auszuschließen. Die Abhängigkeit von Russland bleibt aber weiter bestehen. Inzwischen gibt es jedoch ein wechselseitiges Interesse des Energie Ex- bzw. Imports zwischen Russland und der EU. Ebenso wie Europa auf die Gaslieferung zur Energieversorgung angewiesen ist, ist Russland darauf angewiesen mit dem Export seiner Gasreserven Geld zu erwirtschaften. Deshalb sollte das Bestreben beider Seiten groß sein, die bestehenden Handelsbeziehungen im Energiesektor bei politischer Uneinigkeit außen vor zu lassen, oder die Beziehungen davon gar abhängig zu machen.
Dazu kommen die verwobenen Verbindungen von Abnehmer und Lieferant, die nicht mehr klar abzugrenzen sind. Westliche Konzerne halten Anteile in der Gasindustrie sowie Gazprom im Gegenzug am Bau von Kraftwerken und der Lagerung beteiligt ist.
Deutschland ist auf den Import von Energie angewiesen. Mit dem beschlossenen Atomausstieg noch viel mehr als bisher. Als fossiler Energieträger kann national nur auf Braunkohle zugegriffen werden. Das in Deutschland geförderte Erdöl und -gas reicht nicht zur Versorgung, so dass der größte Teil an Energierohstoffen importiert werden muss. Mit dem Atomausstieg muss in Zukunft ein noch größeres Spektrum von Energie abgedeckt werden, so dass Deutschland natürlich großes Eigeninteresse am Ausbau weiterer europäischer Energiepartnerschaften hat. 

Weitere Projekte sind geplant

Gasrohr
Die neue Gaspipeline führt direkt von Russland nach Europa und umgeht so mögliche Konflikte zwischen Moskau und Kiew. (Foto: commons.wikimedia.org/Assenmacher, CC BY-SA 3.0)

Neben der Gaspipeline Nord Stream besteht noch ein weiteres geplantes Projekt der EU. Die Nabucco-Pipeline soll Gas vom Kaspischen Meer über Südost-Europa in die EU liefern. “Nabucco” soll Europa aus der energiepolitischen Abhängigkeit von Russland befreien. Das Projekt umzusetzen birgt allerdings noch größere Schwierigkeiten und die Fertigstellung ist voraussichtlich erst 2017 zu erwarten. Eine Rolle dabei spielt die immer wieder kehrenden Streitigkeiten zwischen Turkmenistan und Aserbaidschan die eine reibungslose Gaslieferung ähnlich wie im Fall Moskau/Kiew beeinträchtigen könnten. Weitere Informationen dazu sind bei Greenmag zu lesen, wo bereits ausführlich über das Projekt berichtet wurde. Eine weitere mögliche Alternative stellt “Desertec” dar. Desertec ist eine Initiative zur Gewinnung von Solarstrom in Nordafrikas Wüsten. In Marokko sollen hierzu die ersten notwendigen Anlagen entstehen, so dass 2015 erstmals Strom nach Europa exportiert werden könnte. Neben Marokko verfügen auch Algerien und Tunesien über Übergangsleitungen nach Europa die es möglich machen Strom aus den drei Maghreb-Staaten nach Europa zu transportieren. Gespräche mit EU-Staaten laufen bereits um die Finanzierung des Referenzprojekts in Marokko zu sichern. 
Weiteres Ziel Desertecs ist es durch die Energiegewinnung in den nordafrikanischen Staaten einen neuen Wirtschaftszweig aufzubauen. So könnte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit Arbeitsplätze bringen und den Ausbau der Infrastruktur unterstützen, so dass auch die sich im Umbruch befindende arabische Welt davon profitieren würde abgesehen von der eigenen Energienutzung. Bis ein reibungsloser Energiehandel bestehen kann, müssen noch bestimmte Rahmenbedingungen geschaffen werden, beispielsweise die Aufhebung von Subventionen die die Energiemärkte Nordafrikas betreffen.

Russland - Konkurrent oder Partner?

Southstream heißt das Projekt, dass in Russland vorangetrieben wird und als Konkurrenz zu “Nabucco” gesehen wird. Southstream ist eine geplante russisch-italienische Erdgas-Pipeline die unter anderem durch das Schwarze Meer führen soll. Russland will damit ebenfalls unsichere Transitländer wie die Ukraine umgehen und südeuropäische Länder mit Gas beliefern. Laut WINGAS sollte die Verbindung zwischen Russland und der EU auf partnerschaftlicher Ebene basieren und sollte nicht durch Konkurrenzdenken gefährdet werden. Andere Projekte sollten deshalb nicht aufgegeben werden, die Priorität aber auf einer europäisch-russischen Energiepartnerschaft liegen. Wenn das Projekt Desertec in Marokko und den übrigen Maghreb-Staaten eine mögliche Alternative zur Energiegewinnung darstellt wird Gas trotzdem der Hauptakteur im Energiesektor werden. Wind- und Sonnenenergie haben einen großen Nachteil indem sie nicht gespeichert werden können. Durch die ökologische Energiewende in Deutschland muss nicht nur die Atomenergie ersetzt, sondern das ständig schwankende Aufkommen an Wind- und Solarstrom aufgefangen werden. Eine mögliche Form wäre der Einsatz von Gaskraftwerken wodurch der Gasimport eben an noch größerer Bedeutung gewinnt. Deshalb ist ein möglichst konfliktfreier Gashandel so wichtig.   

[SR]