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Südkorea setzt auf grünes Wachstum

- 2010 gründete Südkoreas Präsident Lee Myung-bak das Global Green Growth Institute. (Foto: commons.wikimedia.org/Henrik Hansson Globaljuggler, CC BY-SA 3.0)
In den letzten Jahrzehnten hat sich Südkoreas Wirtschaft rasant entwickelt. Während man zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch hauptsächlich von der Landwirtschaft lebte, hat das Land heute eine der bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt. In manchen technologischen Bereichen findet man sich sogar ganz vorne wieder. Im Zuge dieses wirtschaftlichen Aufschwungs wurde jedoch der Schutz der Umwelt vernachlässigt. Mittlerweile habe man dieses Problem aber erkannt, erklärte Han Seung-soo, Südkoreas ehemaliger Premierminister, in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung “Der Standard”. Deshalb setze man nun auf eine sogenannte Green-Growth-Strategie. Diese soll wirtschaftliches Wachstum bei gleichzeitiger Umweltverträglichkeit garantieren.
Die Organisation dahinter
Um für dieses Vorhaben weltweit Partner zu finden, wurde 2010 das Global Green Growth Institute (GGGI) ins Leben gerufen. Südkorea hatte hierbei eine führende Rolle. Am 16. Juni 2010 wurde die Plattform vom südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak gegründet, Han Seung-soo ist ihr Vorsitzender. Das GGGI will wirtschaftliches Wachstum mit Umweltverträglichkeit in Einklang bringen. Zum einen befasst sich die Organisation also mit wirtschaftliche Themen wie der Bekämpfung der Arbeitslosenrate. Auf der anderen Seite soll zur Umweltverträglichkeit beigetragen werden, indem etwa der Klimawandel eingebremst oder der Zugang zu sauberer Energie forciert wird.
Südkoreas Green-Growth-Programm

- Der Geum ist einer der vier Flüsse, die saniert werden sollen, um die Wasserqualität zu verbessern. (Foto: commons.wikimedia.org/YooChung, CC BY-SA 2.5)
Das GGGI war jedoch nicht der Startschuss für das Green-Growth-Programm – zumindest nicht in Südkorea. Bereits seit einigen Jahren beschäftigt sich das Land intensiv mit erneuerbaren Energien. Seit 2008 gibt das Regierungsprogramm “Low Carbon, Green Growth”, ein Jahr später folgte der “Green New Deal”. In deren Rahmen wurde Anfang 2009 ein Fünf-Jahres-Plan zur Förderung von grünem Wachstum erstellt. Für diesen Plan stehen 107 Billionen Won zur Verfügung, das entsprach damals rund 61 Milliarden Euro. Mit diesem Geld sollen etwa Maßnahmen durchgeführt werden, um Energie einsparen zu können. So sind tausende “Green Homes” geplant, die in weiterer Folge ganze grüne Dörfer bilden sollen. Der Vorteil dieser grünen Wohneinheiten ist einerseits, dass sie sehr energieeffizient zu betreiben sind. Anderseits sollen sie mit grüner Energie aus Solarkraftwerken, Erdwärme und Windkraftanlagen versorgt werden.
Über 30 Umweltprojekte
Die “Green Homes” sind jedoch nur eines von über 30 Projekten, die mit dem “Green New Deal” umgesetzt werden sollen – das geht aus einer Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung hervor. Ein anderes Vorhaben ist die Sanierung der vier großen Flüsse Nakdong, Han, Geum und Youngsan. Über 500 Flusskilometer sollen neu gestaltet werden, in weiterer Folge soll sich dadurch die Wasserqualität verbessern. Außerdem will man die Wasserversorgung in den Regionen zuverlässiger machen und möglichen Überschwemmungen vorbeugen. Weitere Projekte betreffen die Infrastruktur. Durch neue Streckenabschnitte für den Schnellzug KTX will man Transporte zunehmend auf die Bahn verlagern. Auch bei Autos und Bussen wird in die Umweltverträglichkeit investiert. In den Großstädten soll zudem das Netz an Radwegen ausgebaut werden.
Gut für die Wirtschaft

- Aufgrund des hohen Energieverbrauchs ist Südkorea auf Atomenergie angewiesen. (Foto: commons.wikimedia.org/Afterstardust, CC BY-SA 3.0)
All diese Vorhaben kommen jedoch nicht nur der Natur zugute. Auch Südkoreas Wirtschaft soll davon profitieren. Bis 2020 will Südkorea zu den führenden Ländern der Umweltindustrie zählen. Ein weiteres Ziel ist es, rund 1,8 Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen. Verdienen will man vor allem mit Projekten, die im Ausland umgesetzt werden. Dieser Plan geht bisher auch auf. So bekamen südkoreanische Unternehmen bereits einige Aufträge in anderen Ländern, die ihrerseits vermehrt erneuerbare Energien nutzen wollen. Wie das Handelsblatt berichtete, erhielt Hyundai Heavy Industries den Zuschlag für die Errichtung einer Windfarm in Pakistan und die Installation von Turbinen im US-Bundesstaat Wisconsin. In Kanada wiederum konnte Samsung C&T ein Wind- und Solarstromprojekt an Land ziehen, das über mehrere Jahre laufen wird. In Zusammenarbeit mit Korea Electric Power setzen diese beiden Unternehmen außerdem ein eher umstrittenes Projekt um: In den Vereinigten Arabischen Emiraten errichtet das Konsortium mehrere Kernkraftwerke.
Kritikpunkt Atomenergie
Die Kernkraft ist ein wichtiger Faktor der südkoreanischen Green-Growth-Strategie. Einerseits als Einnahmequelle für die Wirtschaft, andererseits um den CO2-Ausstoß reduzieren zu können. Aufgrund des hohen Energieverbrauchs ist das Land auf Atomenergie angewiesen, über ein Drittel der verbrauchten Energie bezieht man aus der Kernkraft. Trotz der Katastrophe in Japan stellt Han Seung-soo auch für die kommenden 20 bis 30 Jahre keine andere Lösung in Aussicht. Wolle man mit dem Klimawandel fertigwerden, gebe es dazu keine Alternative. Um aber tatsächlich etwas bewegen zu können, ist es wichtig, viele Partner zu finden, die ebenfalls auf das Konzept des grünen Wachstums setzen. Einige Länder haben sich schon bereit erklärt, an Projekten des GGGI mitzuwirken, darunter Dänemark, Japan und Brasilien. Im Kampf gegen die Erderwärmung wird es aber besonders wichtig sein, China mit an Bord zu holen. Denn die Chinesen verursachen fast 20 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes.
[SB]
(Teaserbild: commons.wikimedia.org/Dirk Goldhahn,









