Mittwoch, 30. November 2011

Von: PB

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Ghorfa | Energie | Wind | Sonne | Arabien | Thomas Bach | Frank-Walter Steinmeier
Deutsche Technik gegen Strom aus Sonne und Wind

Zweites Deutsch-Arabische Energieforum

Woraus bekommen wir künftig den Strom? Mit dieser Frage beschäftigte sich das “Zweiten Deutsch-Arabische Energieforum” am 20. und 21. Oktober 2011 in Berlin. European Circle-Korrespondent Peter Brinkmann war im “Adlon-Hotel” dabei.

Was kommt nach Atomkraft?

Masdar als Modell
Masdar, die geplante Ökostadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Modell. )Foto: commons.wikimedia.org/Bradwilkins, CC by 3.0)

Das Ende der Atomenergie ist zumindest in Deutschland besiegelt. 2020 sollen alle Meiler vom Netz sein. Dann muss der Strom aus anderen Quellen kommen. Aber ist dies auch gesichert? Sonne und Wind gibt es reichlich. Aber wie wandeln wir deren Energie so um, dass wir damit heizen und Autofahren, ja ganze Industrien betreiben können? In den Regionen südlich von Deutschland gibt es reichlich Sonne und Wind. Arabien hatte schon genug Öl, nun soll es auch Deutschlands Lieferant von Sonnenenergie werden. Daraus werden sich also neue Möglichkeiten auch für die deutsch-arabische Zusammenarbeit im Energiesektor ergeben. So war das zweite Energieforum wieder eine ideale Plattform zum Austausch von Informationen über aktuelle Projekte, technische Neuheiten und Möglichkeiten im Energiebereich. Hierbei wurden die Chancen zur Zusammenarbeit im Rahmen von Großprojekten, wie Desertec und Masdar, der ersten C02-freien Stadt in den Emiraten am Golf ausgelotet.

Förderung erneuerbarer Energien

Die Förderung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz zum Schutz der Gesundheit und Umwelt sowie zur Schonung der endlichen natürlichen Ressourcen entwickelt sich in Deutschland zum entscheidenden Leitmotiv der Energiepolitik. Die arabische Seite zeigt Interesse, hat aber auch unterschiedliche Ausgangslagen und Ziele. Der Energiebedarf der arabischen Gesellschaften wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Um diesen Bedarf zu decken, sind intelligente und effiziente Energiekonzepte gefragt. Allein auf 180 Milliarden Euro wird die Höhe der Investitionen geschätzt, die zum Auf- und Ausbau neuer Kraftwerkskapazitäten benötigt werden. Mit dieser Summe soll zunächst der Energiebedarf der kommenden zehn Jahre in den arabischen Ländern gedeckt werden. Ressourceneffizienz und ein breiter Energiemix sind dabei nötig. So rücken neben den konventionellen Energieträgern zunehmend auch Erneuerbare Energien in den Fokus arabischer Energiepolitik.

Pfeiler der Energiepolitik

Ölbohrinsel
Die Ölquellen in den Vereinigten Arabischen Emiraten stellen bisher den größten Teil des Exporthandels. Durch die Erneuerbarenenergien könnte sich dies bald ändern. (Foto: commons.wikimedia.org/Flickr upload bot, CC by 3.0)

Die Zusammenarbeit im Energiesektor ist daher ein Grundpfeiler der deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen. Sie soll in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden. Vor allem im Bereich der Erneuerbaren Energien gibt es noch großes Potenzial für eine intensivere Kooperation. Denn deutsche Unternehmen nehmen hier technisch eine weltweit führende Position ein, und in vielen arabischen Ländern sind die Bedingungen für eine Nutzung der Solar- und Windkraft geradezu ideal. Das war der Tenor auf dem zweiten Deutsch-Arabischen Energieforum. Ghorfa-Präsident Dr. Thomas Bach wies daher in seiner Eröffnungsansprache auf die deutsche Energiewende bzw. den geplanten Ausstieg aus der Kernenergie hin. Diese Strategie könne nur erfolgreich sein, wenn sich Deutschland auf internationale Unterstützung verlassen könne. Die arabische Welt sei in diesem Zusammenhang einer der wichtigsten Partner. So werde die deutsche Wirtschaft auch in Zukunft auf den Import von Öl und Gas aus den arabischen Ländern angewiesen sein.

 Zugleich eröffne, so Dr. Bach weiter, der stark wachsende Energiebedarf in der arabischen Welt für deutsche Firmen erhebliche geschäftliche Chancen. Allein die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) wollten bis zum Jahr 2020 geschätzte 300 Milliarden US-Dollar in den Energiesektor investieren, und in den Plänen fast aller arabischen Länder spielten die Erneuerbaren Energien eine Rolle. In Marokko, Ägypten und den Golfstaaten hätten deutsche Unternehmen bereits entsprechende Projekte verwirklicht. Auch im Bereich Energieeffizienz, einer anderen Domäne der deutschen Wirtschaft, hätten die arabischen Staaten einen hohen Nachholbedarf. In Zukunft komme es hier darauf an, den Austausch von Know-How und den Techniktransfer in die arabische Welt zu verstärken, sagte Dr. Bach. Viktor Elbling, Leiter der Abteilung Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung im Auswärtigen Amt, nannte die Energiepolitik ein “Schlüsselthema der deutschen Außenpolitik”. Die deutsch-arabische Zusammenarbeit nehme in diesem Zusammenhang eine herausragende Stellung ein. Der “Wind of Change”, der die arabischen Länder erfasst habe, bringe neue Chancen und Herausforderungen. Die arabischen Länder bräuchten intelligente und effiziente Energiesysteme, um die wachsende Energienachfrage zu befriedigen. Die deutsche Wirtschaft sei zu einer intensiveren Kooperation bereit. “Lassen Sie uns ein neues Kapitel in unseren Beziehungen öffnen”, sagte Elbling.

Energieeffizienz

Ein Schlüsselbegriff dafür ist die Energieeffizienz. Was bedeutet dies? Einfach gesagt: Energie einsparen und dadurch immer weniger  C02 emittieren. Gleichzeitig aber auch dafür Sorge tragen, dass der Energiehunger befriedigt wird. Dazu braucht die ganze Welt eben die regenerativen Energie in der arabischen Welt: Solar-, Wind- oder Wasserenergie. Das kann nur über Joint Ventures und strategische Partnerschaften funktionieren. So war dies denn auch das Hauptthema auf dem Forum im Berliner Adlon Hotel. Wobei natürlich die Frage der konventionellen Energieerzeugung ebenfalls ein wichtiges Thema blieb. Der Wissenstransfer zwischen Deutschland und der arabischen Welt beim Bau und Betrieb von Kraftwerken spielt eine enorm große Rolle.  

Die größten Reserven

Solaranlage
Die Sonne scheint täglich in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist somit ein Garant für die Erschließung neuer Energiequellen. (Foto: commons.wikimedia.org/Easy n, CC by 3.0)

Den Öl- und Gasreserven der arabischen Welt messen deutsche Energiekonzerne eine erhebliche Bedeutung bei. Hier liegen etwa 70 Prozent der Welterdöl- und 44 Prozent der globalen Erdgasreserven. 36 Prozent der globalen Erdölförderung und 19 Prozent der weltweiten Erdgasförderung finden hier statt. Und die Sonne scheint täglich! Deutsche Firmen sind bei der Ölförderung dabei. So die RWE-Tochter Dea als auch Wintershall fördern in Ägypten und Libyen. Wintershall sieht sein Engagement in Libyen auch nach dem Machtwechsel nicht gefährdet. “Der Übergangsrat hat mehrfach bestätigt, dass er die bestehenden Verträge respektieren will”, sagte der Chef der BASF-Tochter, Rainer Seele. “Wintershall bereitet sich schon jetzt auf einen Produktionsstart vor. Ich hoffe, dass wir noch vor Jahresende die ersten Barrel fördern.” Wintershall fördert seit mehr als 50 Jahren in Libyen Öl, vor den Unruhen waren es rund 100.000 Barrel pro Tag. Damit ist das Unternehmen der zweitgrößte ausländische Ölproduzent in dem nordafrikanischen Land. E.ON Ruhrgas AG bohrt nach Gas in Algerien, Wintershall und E.ON wollen in Katar dabei sein. Hier lagern die drittgrössten Gasreserven der Welt. Doch generell gesehen ist Deutschland sehr unterrepräsentiert in der arabischen Energiewelt. Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte dieses Problem erkannt und plante bereits 2006 eine Gasallianz mit Algerien. Die wartet immer noch darauf, mit Leben erfüllt zu werden.

Strom aus der Wüste

Windpark
Desertec ist eines der geplanten Projekte in der Maghreb-Region bei der unter anderem Windkraft als Energie genutzt werden soll. (Foto: commons.wikimedia.org/Philipp Hertzog, CC by 3.0)

Dafür gibt es aber stärkere Bemühungen, Strom aus der Wüste zu bekommen. Das Desertec-Projekt soll die Solar- und Windkraftpotenziale Nordafrikas und des Mittleren Ostens für deutsch-europäische Bedürfnisse nutzbar machen. Das Projekt sieht vor, über riesige Solarkraftwerks- und Windkraftkomplexe in den arabischen Wüsten Strom zu produzieren und diesen nach Europa zu transferieren. Damit könnten Schätzungen der Desertec-Planer zufolge bis 2050 nahezu 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs abgedeckt werden. Die Investitionskosten für das Unternehmen werden mit rund 400 Milliarden Euro beziffert. An der Desertec Industrie Initiative (DII), die das Vorhaben realisieren will, sind Unternehmen wie Siemens, E.ON Ruhrgas, die Deutsche Bank und der Versicherer Munich Re beteiligt. Die Pläne werden von der Bundesregierung und vom deutschen EU-Energiekommissar Günter Oettinger unterstützt.

Deutsche Technologie

Die Erneuerbaren Energien bildeten bereits bei der ersten Tagung des German-Arab Energy Forums im Jahr 2010 einen Schwerpunkt. Unter anderem ging es dabei um Möglichkeiten zur Finanzierung und um die Schaffung günstiger politischer Rahmenbedingungen für das Projekt. Des Weiteren wurde über die günstigsten Standorte für die Stromproduktion diskutiert. Auf der zweiten Energie-Konferenz wurden in diversen “Sessionen” Projekte diskutiert, um die “neuen Partnerschaften bei den Erneuerbaren Energien” voranzubringen. Denn bisher ist kein Projekt – auch Desertec – nicht, aus dem Planungsstadium hinausgekommen. Nur in Marokko soll ab 2012 ein kleinere Solarkraftwerk gebaut werden. In Ägypten wurde durch die deutsche Solarmillenium AG ein Solarkraftwerk in Kuraymat realisiert, das eine Gesamtleistung von 150 Megawatt erbringt und seit Juni 2011 im Betrieb ist. Die Investitionen für dieses Projekt beliefen sich auf rund 250 Millionen Euro. Die Siemens AG wiederum war in der Vergangenheit am Bau unter anderem mehrerer Gasturbinenkraftwerke in Ägypten, Qatar und Dubai beteiligt. Deshalb auch erinnerte Dr. Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, an die Bedeutung der Beziehungen zur arabischen Welt. Deutschland brauche die arabischen Länder als Freunde und Investoren, sagte er. Der Mittlere Osten sei die wichtigste Nachbarregion Deutschlands, die er als Außenminister am häufigsten besucht habe. Die wirtschaftlichen Beziehungen seien exzellent und müssten noch enger werden.

[PB]

(Teaserbild: commons.wikimedia.org/Easy n-CC BY 3.0)