Mittwoch, 18. Januar 2012

Von: TBO

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Weltbank | Konjunktur | Wirtschaftsprognose | Euro-Zone | Schwellenländer | Rezession | Wachstum
Weltbank senkt Wachstumsprognose

2012 wird ein “schwieriges Jahr”

Bank
Die Weltbank präsentierte am Dienstag ihre neue Konjunkturprognose. (Foto: commons.wikimedia.org/Shiny Things, CC BY 2.0)

Nicht nur in der Europäischen Union muss man sich um die wirtschaftliche Zukunft sorgen. Die gesamte Weltwirtschaft steckt derzeit in der Krise. Das liegt jedoch nicht nur an der aktuellen Euro-Krise, auch das Wirtschaftswachstum in wichtigen Schwellenländern hat sich laut der Weltbank abgeschwächt. Aus diesen Gründen korrigierte die Weltbank am vergangenen Dienstag ihre globale Konjunkturprognose für 2012 und 2013 nach unten. Während das Institut bei seiner letzten Prognose im vergangenen Juni noch mit einem Wachstum vom 3,6 Prozent in diesem und im nächsten Jahr rechnete, geht man nun zur Zeit nur noch von einem weltweiten Wachstum von 2,5 Prozent in 2012 aus. Für das nächste Jahr erwartet man immerhin ein Wachstum von 3,1 Prozent.

Euro-Zone steuert auf Rezession zu

Der erste Faktor für die niedrige Konjunkturprognose liegt auf der Hand. Die Euro-Krise scheint allgegenwärtig. Die Weltbank erwartet, dass die gesamte Euro-Zone in diesem Jahr eine Rezession erlebt. In seiner Prognose erwartet das Institut in diesem Jahr einen Rückgang der Wirtschaft um 0,3 Prozent. 2013 geht man dann wieder von einem leichten Wachstum um 1,1 Prozent aus. Die schlechte Konjunkturprognose ist vor allem den rigiden Sparmaßnahmen in der Euro-Zone geschuldet. Die zahlreichen Stellenstreichungen, Steuererhöhungen und Lohnkürzungen in Italien oder Griechenland wirken sich auch auf die Wirtschaft in der Euro-Zone aus.

Wachstum der Schwellenländer geht zurück

EU-Gipfeltreffen
Die bisherigen EU-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs haben kaum konjunkturfördernde Maßnahmen zur Lösung der Euro-Krise hervorgebracht. (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2011)

Zudem haben auch die Schwellenländer China, Indien und Brasilien so ihre Probleme. Die Konjunkturflaute in der Euro-Zone hat auch Auswirkungen auf die Exportwirtschaft aufstrebenden Staaten. Trotzdem, weltweiter Wachstumsmotor bleibt weiterhin China. Für die Volksrepublik erwartet die Weltbank in diesem Jahr ein Wachstum von 8,4 Prozent. Die Chinesen haben den schwachen Export in die Europäische Union durch einen höheren Konsum im Inland und Kooperationen mit anderen Schwellenländern versucht auszugleichen.

Weltbank warnt vor globaler Krise

Die Weltbank warnt zudem: “Der Abschwung in Europa und ein schwächeres Wachstum in den Entwicklungsländern erhöhen das Risiko, dass sich die beiden Entwicklungen gegenseitig verstärken und im Ergebnis ein noch schwächeres Ergebnis steht”. Dies könne zu einer globalen Krise führen, aus der die Weltwirtschaft nur sehr langsam herauskommen würde. Da zahlreiche Industrie- und Schwellenländer ihre Maßnahmen gegen eine Krise bereits nach der Weltwirtschaftskrise 2008/09 ausgeschöpft hätten, dürfte man sich von einem erneuten Absturz nicht so schnell erholen. 

Deutschland erhält Vertrauen durch S&P

Unterdessen muss auch die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2012 nach unten korrigieren. Nach Medienberichten rechnet die schwarz-gelbe Koalition nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von rund 0,7 Prozent. Trotzdem steht Deutschland vor allem im EU-Vergleich noch vergleichsweise gut. Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s will das deutsche Top-Rating “AAA” selbst dann nicht herunterstufen, wenn Deutschland in eine Rezession steuern sollte. In der vergangenen Woche hatten die Bonitätswächter neun Euro-Länder und den Rettungsschirm EFSF heruntergestuft. Zudem sagte ein Sprecher der Agentur man halte die Sparmaßnahmen der Euro-Staaten ohne Unterstützung für das Wirtschaftswachstum als unzureichenden Lösungsansätze für eine Bewältigung der Krise.

Mehr Wachstum, weniger sparen

In der Tat haben die bisherigen EU-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs kaum konjunkturfördernde Maßnahmen zur Lösung der Euro-Krise hervorgebracht. Der aktuelle Lösungsansatz verfolgt eher eine stabilere Finanzpolitik der Euro-Länder. Die Forderung von Standard & Poor’s wird auch von Martin Wansleben, dem Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags unterstützt. Er hält Wachstum für den sozial verträglichsten Weg aus der Staatsschuldenkrise. Derzeit ist jedoch nicht mit konjunkturbelebenden Vorschlägen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zu rechnen. Der Chefautor des Weltbank-Berichts, Andrew Burns, warnt indes, dass mit 2012 ein “schwieriges Jahr” begonnen habe. 

[TBO]