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Gazprom reduziert Gaslieferungen in die EU

- Durch den Kälteeinbruch räumt Gazprom Schwierigkeiten bei der Lieferung von Gas nach Europa ein. (Foto: commons.wikimedia.org/Nordelch, CC by-sa 3.0)
Der Westen fordere von Russland mehr Gas, als das Unternehmen liefern könne, sagten die stellvertretenden Chefs des russischen Unternehmens Gazprom Alexander Medwedew und Andrej Kruglow nach dem Treffen mit Putin, wie das Nachrichtenmagazin der Focus berichtet. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax erklärte Kruglow, dass der Konzern in den letzten Tagen 10 Prozent weniger Gas geliefert habe, als es mit den Kunden vertraglich vereinbart ist. Die EU hingegen hatte von Lieferkürzungen des russischen Gases von bis zu 30 Prozent bei einzelnen Energieunternehmen gesprochen.
Medwedew begründet Engpass mit illegalem Zapfen in Transitland
Medwedew sah die Ursache für den Exportengpass der Gaslieferungen nach Europa im wichtigsten Transitland Ukraine. Die verarmte Ex-Sowjetrepublik solle wegen des hohen Gaspreises Gas illegal für den Eigenbedarf gezapft haben. Russland ist mit 639 Milliarden Kubikmeter pro Jahr der größte Erdgasproduzent der Welt. Experten führten den Export-Engpass auch auf die Extremkälte im eigenen Land zurück, wobei derzeit 2 Milliarden Kubikmeter Gas am Tag verbraucht werden. Die Menge entspricht dem jährlichen Gasverbrauch des EU-Mitgliedes Bulgarien.
Lieferungen inzwischen auf Vertragsniveau
Jedoch seien die Lieferungen inzwischen auf Vertragsniveau. Bei Minusgraden von 20 bis 25 Grad in Polen, Minus 33 Grad in der Ukraine, will das Gazprom-Unternehmensmanagement dennoch alle vorhandenen Pipelines verstärkt auslasten, um die Exporte nach Europa sicherzustellen. So seien über das 4196 Kilometer lange Ferngasnetz ausgehend von der Jamal-Halbinsel in Nordwest-Sibirien, über Russland, Weißrussland, Polen bis nach Deutschland letzte Woche angeblich 20 Prozent mehr Gas geflossen. Auch die seit 2005 in Betrieb genommene Pipeline "Blauer Strom", die von Russland in die Türkei durch das Schwarze Meer führt und bis zu 16 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren kann, läuft auf vollen Touren.
Die EU-Kommission reagierte auf den Engpass sehr besorgt und teilte mit, dass vor allem Italien betroffen sei. Lieferungen über die österreichische Grenze seien um zehn Prozent gekürzt worden. Zudem räumte die Sprecherin des EU-Kommissars Günther Oettinger letzten Freitag ein, dass weitere EU-Länder mehr Gas beanspruchen, als vertraglich regelt: Dies sind neben Italien und Österreich auch Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Griechenland und die Slowakei. Von einem echten Notstand könne jedoch nicht gesprochen werden, da die Speicher noch gefüllt seien.
Direkte Gaslieferungen über Ostsee-Pipeline

- Um Gas zukünftig ohne Umwege direkt nach Europa zu liefern, soll die Ostsee Pipeline Nord Stream zwei neue Stränge bekommen. (Foto: Thomas Max Müller/pixelio.de)
Im Anschluss an die Machbarkeitsstudien will Russland die Kapazität der Ostsee-Pipeline Nord Stream noch verdoppeln. Die Rohrleitung zwischen der russischen-finnischen Grenze, der Portowaja-Bucht, und Greifswald an der deutschen Ostseeküste soll zwei neue Stränge bekommen. Durch die Pipeline Nord Stream fließt dann russisches Gas direkt nach Westeuropa, ohne Umweg über Transitländer. Der erste lange Strang wurde bereits im November in Betrieb genommen.
Unerwarteter Kälteeinbruch: Kein Phänomen des Klimawandels
Während in der Ukraine besonders Obdachlose bei Rekordtemperaturen von Minus 33 Grad zu erfrieren drohen, so dass die Behörden vom kältesten Winter seit sechs Jahren sprechen, zog die Kaltluft nur allmählich nach Deutschland und erreichte am Wochenende Ostdeutschland mit bis zu Minus 20 Grad. Der Deutsche Wetterdienst schätzt das Kaltluft-Phänomen nicht als Folge des Klimawandels ein, wonach mit dem Abschmelzen des Grönlandeises die Kaltluft verstärkt nach Nordeuropa zieht. Obgleich die Menschen in Russland und besonders der Ukraine auf Erfrierungserscheinungen ärztlich behandelt wurden, erklärt sich der Wetterumschwung anhand eines über Russland entstandenen, etwa alle drei Jahre auftauchenden Hochdruckgebietes. "Von dessen Südflanke kommt direkt die Kaltluft hier zu uns, die sehr trocken ist. Trockene und kalte Luft, die ist klassisch für die Jahreszeit. Sie bringt die niedrigen Temperaturen mit sich", erklärt Helmut Malewski, Meterologe vom Deutschen Wetterdienst in Frankfurt. Der Hauptgrund für Schnee, Eis und eisige Temperaturen, die bis in den Bosporus, die Meerenge, die das Schwarzen Meer mit dem Marmarameer verbindet und auch in die Türkei mit Minus 15 Grad führt, ist das Kontinentalklima auf russischem Festland.
Wenig Sonneneinstrahlung im Winter über Russland
"Im Winter haben wir auf der Nordhalbkugel relativ wenig Sonneneinstrahlung. Im Norden Russlands gibt es so gut wie gar keine Sonneneinstrahlung. Dazu kommt der Kontinentaleffekt, das heißt die Nächte sind sehr lang, mit einer starken Ausstrahlung. Dadurch bildet sich Kaltluft. Diese sinkt ab, baut ein Hochdruckgebiet auf und innerhalb der Zirkulation eines Hochdruckgebietes wird dann die Kaltluft zu uns herangeführt", sagt der Meterologe Malewski vom Deutschen Wetterdienst.
(Teaserbild: killa - Tim/pixelio.de)









