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Europäisches Bindeglied des intellektuellen Kapitals
Die Entstehung des Bologna-Prozesses
- Die 1998 unterschriebene Sorbonne-Erklärung wurde zunächst von vier Bildungsministern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien anerkannt. (Foto: www.ehea.info/Uploads/Galleries/7_2010/140135100312_1721.JPG.JPG)
Im Jahr 1998 wurde die sog. Sorbonne-Erklärung unterschrieben. Sowohl Ort, als auch Datum und Ziel der Erklärung waren besonders. Die Erklärung wurde von vier Bildungsministern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien während des 800. Jubiläums der Pariser Universität unterschrieben. Die Erklärung wandte sich gegen den fortschreitenden Degradierungsprozess des veralteten Hochschulsystems in Europa. Ziel der Sorbonne-Erklärung war die Errichtung eines Europäischen Hochschulraums als Referenzpunkt für Qualifikationen, Arbeitsmarkt und Mobilität im akademischen Bereich. Die Sorbonne-Erklärung wurde durch 30 Unterzeichner-Länder der Bologna-Erklärung im Jahr 1999 bestätigt. Am Bologna-Prozess nehmen aktuell 47 Staaten teil, die sich für einen aktiven Wettbewerb im Europäischen Hochschulraum und die Autonomie der Hochschulinstitutionen aussprechen. Die Entwicklung des Bologna-Prozesses unterliegt regelmäßig alle zwei Jahre während der Konferenzen der Hochschulminister einem Monitoring. Beim ersten Treffen in Louvain-la-Neuve im Jahr 2009 wurde festgelegt, dass das jeweilige Land der Ratspräsidentschaft zusammen mit einem Drittstaat in alphabetisch rotierender Reihenfolge den Vorsitz im Bologna-Prozess haben wird.
ECTS-Punkte als Hauptwerkzeug des Bologna-Prozesses
Ziel des ECTS-Punktesystems (European Credit Transfer and Accumulation System), das im Europäischen Hochschulraum Anwendung findet, ist die Evaluation der Bildungsqualität sowie die Steigerung der Mobilität von Studenten. ECTS-Punkte werden sowohl für ein ganzes Studienprogramm, als auch für seine einzelnen Bestandteile (Fächer, Diplomarbeit, Praktikum, Übungen) angerechnet. 60 ECTS-Punkte entsprechen dem jährlichen Arbeitsaufwand eines durchschnittlichen Studenten im stationären Studiensystem. Der Arbeitsaufwand eines Studenten in einem akademischen Jahr beträgt zwischen 1.500 und 1.800 Stunden. Dies bedeutet das 1 ECTS-Punkt im Durchschnitt etwa 25 bis 30 Stunden Arbeit entspricht. Die ECTS-Punkte spiegeln den notwendigen Arbeitsaufwand wider, der für die Erreichung der im Studienprogramm definierten Bildungsziele benötigt wird, also das erlangte Wissen, die Fähigkeiten und Kompetenzen. Ein Transfer von ECTS-Punkten, die in einem Programm realisiert wurden, kann erst dann stattfinden, wenn die Institution, die Titel und wissenschaftliche Grade vergibt, sowohl die ECTS-Punkte als auch die damit verbundenen Bildungsergebnisse anerkennt. Das ECTS-Punkte-System verbreitet sich auch auf anderen Kontinenten. Dies zeugt von dem Stellenwert des Bologna-Prozesses weltweit.
Bologna-Prozess – Unterzeichnung oder Implementierung?

- Der Europäische Hochschulraum feiert bald sein 15. Jubiläum. Nur Großbritannien und Deutschland ist es seither gelungen die Anzahl der Hochschulen im QS World University Ranking zu steigern. (Foto: www.ehea.info/photo-gallery-details.aspx )
Der Europäische Hochschulraum feiert bald sein 15. Jubiläum. Polen als Unterzeichnerstaat der Bologna-Erklärung seit 1999 hat sich erst vor kurzem zu einer Reform des Hochschulwesens entsprechend der Vorgaben des Bologna-Prozesses entschlossen. Die Reform trat ab dem 1.Oktober 2011 in Kraft, daher ist es für eine ausführliche Bewertung noch zu früh. Das sich zu Ende neigende Wintersemester an den polnischen Hochschulen verläuft unter den nicht enden wollenden Protesten des akademischen Umfelds gegen die eingeführte Reform, die ihre bisherigen Gewohnheiten untergräbt. Die Einführung des Nationalen Qualifikationsrahmen sowie die Abrechnung mithilfe von ECTS-Punkten entsprechend den Anforderungen des Bologna-Prozesses erfordert einen perspektivischen Blick und eine gewisse Distanz zum Pragmatismus. In den letzten sieben Jahren ist es von den vier Ländern, die 1998 die Sorbonne-Erklärung unterschrieben haben, nur Großbritannien und Deutschland gelungen die Anzahl der Hochschulen unter den 100 besten Hochschulen im QS World University Ranking zu steigern. In dem Ranking von 2011 befanden sich unter den besten 100 auch Hochschulen aus Belgien (-1), Dänemark (+1), Finnland (+1), Holland (-3), Irland, Schweiz (-1) und Schweden (+2), die Zahlen in Klammern geben die Veränderungen im Vergleich zum QS World University Ranking von 2005 an.
Angelsächsisches Bildungssystem ohne Konkurrenz
Die Ergebnisse des Rankings zeigen deutlich, dass die Hochschulen in Großbritannien den Universitäten auf dem europäischen Kontinent davonlaufen. In dem QS World University Ranking wird Europa vor allem von britischen Hochschulen repräsentiert. Die Zahl der britischen Hochschulen unter den besten 100 stieg in den letzten sieben Jahren von 15 auf 18. Die ersten Plätze im Ranking nehmen ohne größere Veränderungen die amerikanischen Hochschulen ein, die nach angelsächsischem Muster organisiert sind. Unter den sich dynamisch entwickelnden Hochschulen des Fernen Ostens platzieren sich vor allem Universitäten aus Singapur und Hong-Kong auf den ersten Plätzen – auch diese waren für Dekaden mit dem britischen Verwaltungssystem verbunden.









