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Alte Fragen – noch immer keine Antworten

- Das vergessene 20. Jahrhundert (Foto: Hanser Verlage)
Tony Judt präsentiert in seinem neuen Buch die politischen Denker des 20. Jahrhunderts, die mit ihren Fragen und Argumenten die großen Debatten dieser Ära beherrschten: Hannah Arendt, Eric Hobsbawm, Albert Camus, Arthur Koestler und andere sowie Kommentare über Israel, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Rumänien, den Kalten Krieg und die USA. Damals hatten sie viele Fragen, doch ihre Antworten veränderten die Welt nicht. Sie fanden nicht genügend Zuhörer.
Und heute? Offenbar lernen wir nichts aus der Geschichte. Der britisch-amerikanische Historiker Tony Judt stellt daher in diesem Buch diese These auf: Unsere Gedanken sind nicht in der Lage, auch nur 100 Jahre zurückzudenken. Was damals gültig war und was es damals an Antworten gab, scheint vergessen zu sein. Dabei sind die Antworten aktueller denn je zuvor. Der Gegenwart, so die These des britischen Historikers Tony Judt, fehlt es also an Geschichtsbewusstsein. In seinen Essays arbeitet er dagegen an: Sie zeichnen die großen Linien der politischen Entwicklung nach, porträtieren politische Denker des 20. Jahrhunderts – und nehmen Stellung. Denn auch heute stellen wir wieder dieselben Fragen.
Was bedeutet beispielsweise soziale Gerechtigkeit? Nichts hat etwas an der Bedeutungsschwere dieser Frage geändert. Egal, wer sie in den letzten Jahren oder auch davor schon gestellt hat. Gerade heute, in einer Zeit, in der Politik und Geschichte wieder dramatische Wendungen nehmen, sollten wir daher wieder neu über die Antworten von damals nachdenken. Und ebenso aktuell sind die Thesen zur “sozialen Frage”, wobei die Ausgangsfrage heißt: Wie viel Staat braucht es, um sie zu lösen? Ein Buch, das sehr nachdenklich macht.
[PB]
Zur Person: Tony Judt (63) ist Professor für Europäische Studien an der Universität New York. Sein Buch versammelt Essays, die zwischen 1994 und 2006 entstanden sind.
Tony Judt: Das vergessene 20. Jahrhundert. Die Rückkehr des politischen Intellektuellen . 480 Seiten; 27.90 Euro; ISBN 978-3-446-23509-0; Hanser Verlag









