Dienstag, 10. Januar 2012

Von: PB

Seite ausdrucken
Schließen
Versende diesen Artikel
Send this form
Social bookmarks:
bookmark at mister wongpublish in twitterbookmark at del.icio.usbookmark at digg.combookmark at furl.netbookmark at linksilo.debookmark at reddit.combookmark at spurl.netbookmark at technorati.combookmark at google.combookmark at yahoo.combookmark at facebook.combookmark at stumbleupon.combookmark at propeller.combookmark at newsvine.combookmark at jumptags.com
Keywords:
Friedrich II | Preußen | Bernd Heidenreich | Sönke Neitzel | Kaiserreich | Otto von Bismarck | Weltkrieg | Reichsgründung | deutsche und europäische Politik
Wilhelm II. von Preußen

Das Deutsche Kaiserreich 1890-1914

König Friedrich II. von Preußen
König Friedrich II. von Preußen prägte Politik und Gesellschaft. (Foto: Schöningh Verlag)

Im Januar 2012 wurde der 300. Geburtstag von König Friedrich II. von Preußen gefeiert. Er ist der einzige preußische Herrscher, dem die Geschichte bis heute das Prädikat “Der Große” dauerhaft verlieh. Der Letzte aus der langen Reihe der Abkömmlinge aus der Linie von Friedrich II. war Wilhelm II., der mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen hieß. Er entstammte der Dynastie der Hohenzollern und war von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen. Er selbst verlieh sich schon mal zu Lebzeiten den Titel der “Große”, doch es war –so wie vieles bei Wilhelm - eben auch nur großer Schall und viel Rauch. Aber Wilhelm II., der bereits mit 29 Jahren Kaiser wurde, prägte Politik und Gesellschaft, machte das Kaiserreich aber auch zu einer Kriegsmaschine. Was dem Reich, ihm selbst und dem deutschen Volke zum Verhängnis wurde.

Zwischen Verharren und Aufbruch

Das Kaiserreich war eine verharrende Gesellschaft, von einem Mann repräsentiert, der sich am Tag mindestens 5-mal umzog und sich dann in selbst entworfene verrückte und fantasievolle, heute würde man sagen, schauderhafte Uniformen und Ungetüme von Kleidern warf. Wilhelm wollte sein Reich modernisieren, ließ Eisenbahnen bauen, die Flotte vergrößern, Kolonien erwerben, aber verstand nicht, dass dazu ebenso Geist und Erfindungsreichtum wie Offenheit und demokratische Regeln gehören müssen. So verkörperte das Wilhelminische Reich Rückwärtsgewandtheit und Moderne, Aufbruch und Stillstand gleichermaßen. Wilhelm, der sich 1890 vom Denker und Lenker des Reiches, dem langjährigen Kanzler Otto von Bismarck trennte, zerschlug damit das kunstvolle Geflecht der Bündnisverträge. Aber ohne diese Bündnisse stand Deutschland nun isoliert da und der Weltkrieg war bereits um 1900 vorauszusehen. Als 1890 Otto von Bismarck Kaiser Wilhelm II. um Entlassung bat, karikierte eine Zeitung dessen Abgang mit den Worten “Der Lotse geht von Bord”. Nun stand der Kaiser allein oben auf der Brücke des Reiches, doch er hatte keinen Überblick, geschweige denn einen Durchblick. 1914 brach dann der Erste Weltkrieg aus. Ein Vierteljahrhundert liegt zwischen dem Ende der auf Ausgleich zielenden Politik Bismarcks und dem Kollaps des bis dahin bestehenden europäischen Staatensystems. Ein Vierteljahrhundert deutscher und europäischer Politik, in der die außenpolitischen Konstellationen der Reichsgründung nicht mehr galten und sich die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen des deutschen Nationalstaates revolutionär veränderten. Der Kaiser sah dies aber nicht. Wilhelm II. erkannte die Veränderungen seiner Zeit nicht.

International renommierte Historiker entwerfen in diesem Buch jetzt aufbauend auf dem neuesten Forschungsstand ein differenziertes Bild der Außen und Innenpolitik, der Wirtschaft und Kultur des Kaiserreiches unter Wilhelm II. von 1890 bis 1914. Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ist eine Zeit der Krise. Wilhelm II. verstärkt diese Krise in der Außenpolitik noch, indem er ohne zwingenden Grund den deutschen Flottenbau vorantreibt – und damit die Grundlage für die Rivalität zwischen England und dem Kaiserreich legt. Wurde dadurch aber auch der 1. Weltkrieg “unvermeidbar”? Dieser Frage wird aufgrund neueren Aktenstudien nachgegangen. Nicht alle Historiker sind sich da heute sicher. Es hätte auch andere Szenarien geben können, so die These in einem Beitrag des Buches. Dieser Band erfasst aber nicht nur die Außenpolitik, sondern betrachtet das gesamte “Leben” im Reich: Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, gesellschaftliches Leben. So sind einige der Themen der “Deutsche Kolonialismus - zwischen deutschem Sonderweg und europäischer Globalisierung”, “Das Jüdische Leben im Kaiserreich”, “Das kulturelle Leben im Kaiserreich”, “Bewegte Frauen im Kaiserreich”. 

Heidenreich, Bernd/Neitzel, Sönke (Hrsg.): Das Deutsche Kaiserreich 1890-1914, Schöningh Verlag 2011, 400 Seiten, 39,90 Euro. ISBN-13: 9783506771681ISBN-10