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Japan Inc.
Dr. Karl Pilny gilt als einer der profundesten deutschen Asienkenner und als Experte für Schwellenländer. Der internationale Wirtschaftsanwalt aus Berlin hat viele Jahre in Asien gelebt und gearbeitet und ist Autor der Trilogie "Das asiatische Jahrhundert". Mit "Japan Inc." hat er seinen ersten Roman veröffentlicht. Der Politthriller beschreibt spannend und hochaktuell die Verflechtungen des japanischen Netzwerks aus Wirtschaftsführern, Militärs und der Yakuza. Mehr darüber erfahren wir von Dr. Karl Pilny selbst.

- Dr. Karl Pilny gilt als einer der profundesten deutschen Asienkenner sowie als Experte für Schwellenländer. (Foto: tvberlin)
European Circle: Nach einer Reihe von Sachbüchern kommt jetzt ihr erster Roman heraus, von dem Sie sagen, er sei zu 80 Prozent wahr. Haben wir es denn jetzt mit einem Genrewechsel zu tun?
Pilny: In gewisser Weise schon. Der Roman greift viele Themen auf, die ich bereits in meinen Sachbüchern verarbeitet habe. Nun werden diese Informationen spannender und unterhaltsamer dargeboten. Das hab ich deswegen gemacht, um mit meinen Themen und Aussagen einen breiteren Zuhörerkreis zu erreichen, als mit meinen Sachbüchern. Wobei meine Sachbüchern bislang auch gut angekommen sind und ich auch oft das Lob vernommen haben, dass es sich lese wie ein Wirtschaftsthriller. Da dachte ich mir, dann kann ich auch mal einen Wirtschaftsthriller schreiben.
European Circle: Was hat Sie zu dem Plot inspiriert?
Pilny: Letztendlich ist der Plot über viele Jahre hin entstanden. Ich hab einige Jahre in Japan gelebt und auch gearbeitet. Das heißt, die Welten, die ich in diesem Buch beschreibe, kenne ich aus eigener Erfahrung. Ich hatte Zugang zum Establishment und eine wunderbare Zeit dort. Es ist auch kein Geheimnis, wenn ich verrate, dass der Hauptdarsteller des Buches doch etliche autobiografische Züge aufweist. Zudem ist es ein altbekanntes Phänomen, dass die Realität oft schlimmer und unvorstellbarer ist, als das, was man sich so ausdenkt als Autor. Ich glaube, dass gerade Fukushima dieses Beispiel gut untermauert.
European Circle: Sie beziehen sich in Ihrem Buch auf zwei Katastrophen, zum einen Hiroshima und zum anderen Fukushima. Was verbindet Ihrer Meinung nach diesen beiden Ereignisse?
Pilny: Die Definition von Opfer und Täter zum Beispiel. Japan hat eine Gesellschaft, in der es sehr stark darum geht, das Gesicht zu wahren. Es existiert dort eher eine Kultur der "Scharm" und der "Schande" als der "Schuld" im Vergleich zum christlich geprägten Europa. Sowohl bei Hiroshima als auch bei Fukushima, was übrigens beides Insel bedeutet – Hiroshima, die weiße Insel, Fukushima, die alte Insel- geht es um Opfer sein, von Atomkraft.
European Circle: Sie berichten auch über die japanische Mafia Yakuza. Haben Sie Angst oder rettet Sie hier die Fiktion?
Pilny: Das was ich da zum Teil im Detail beschreibe, kann ungesunde Konsequenzen haben, wenn man in Japan lebt. Ich fühle mich hinreichend weit entfernt, um direkt angegangen zu werden. Aber es geht um sehr starke Tabubereiche, wo immer wieder liberale Politiker oder japanische Einwohner angegriffen werden. Es geht um sehr viel nicht aufgearbeitete Vergangenheit, die sich in meinem Buch mit aktuellen Ereignisse verschraubt. Denn vieles lässt sich mit dem Heutigen vermengen.
European Circle: Würden Sie mir zustimmen, wenn man sagt: Es ist politische Bildung in einem Thriller verpackt?
Pilny: Auf jeden Fall. Das Buch ist ein Muss für denjenigen, der sich für das moderne Asien interessiert. Die Kultur, die Geschichte, die Mode, das Nachtleben in China – die Rahmenhandlung spielt ja in Shanghai – wird beschrieben. Der Roman ist zudem sehr dynamisch geschrieben und Rezensenten meinten bereits, es wäre ein guter Stoff für einen Hollywoodfilm.
European Circle: Haben Sie die Filmrechte schon verkauft?
Pilny: Nein, aber ich bin für alle Angebote offen.









