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Abschied von 1001 Nacht
Ulrich Kienzle kennt fast jeder aus seinen Fernseh-Reportagen. Er war viele Jahre Auslands-Korrespondent in Arabien. Darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben. Es sind "seine" erlebten Geschichten. Seine "Geschichten aus 1001 Nacht". Und manchmal liest es sich eben auch wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Wer immer etwas darüber erfahren möchte, wie ein Fernsehmann und Korrespondent vor Ort arbeitet, was er erlebt, und wie er an seine Geschichten kommt, muss Kienzle lesen.
Geschichten eines Fernsehkorrespondenten aus 1001 Nacht

- Ulrich Kienzle erzählt in seinem Buch über seine Erfahrungen als Korrespondent in Arabien. (Foto: Saga Edition)
Es ist kein aktuelles Buch, obwohl er immer wieder Fäden aus seiner Zeit vor über 40 Jahren zur Gegenwart in Arabien zieht. Aber es ist ein originelles und sehr interessantes Geschichten-Buch, aus dem sich und mit dem jeder Leser Geschichte lernen kann. Kienzle lernte alle Führer und Diktatoren in der arabischen Welt kennen. Einschließlich Saddam Hussein. Er war in einigen Kriegen dabei, entdeckte und entlarvte die Kriegs-Propaganda der Ägypter im Jom Kippur Krieg 1973, berichtete über die Morde in Beirut und den jungen Arafat. Und so ganz nebenbei räumt Kienzle mit einem "Kollegen" auf, der ihm das Leben erst erklärlich, dann leicht und am Ende beschwerlich machte: Gerhard Konzelmann. Dieser Mann war sein Vorgänger und Mitstreiter in Nahost, seine Geschichten waren abenteuerlich, bis Kienzle dahinter kam, dass das meiste erfunden war. Konzelmann war nicht nur ein glänzender Plagiator und Betrüger, sondern auch ein begnadeter Redner. So konnte er jedem ein X für ein U vormachen. Auch diese Geschichte findet sich in diesem Buch. Hier ein Auszug: In der Ölkrise 1973 berichtete Konzelmann aus dem Heizungskeller des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart. Die Heizungsrohre wurden bei ihm zu Ölleitungen auf einem Öltanker. Kienzle beschreibt das so: "Eingerahmt von alten Lüftungsrohren begann er seinen Aufsager mit den dramatischen Worten: "Unter mir schwimmen 300.000 Tonnen Öl". In Wirklichkeit stand er auf dem Stuttgarter Muschelkalk."
Auch bei Kienzle weiß man nicht immer so genau, ob das alles so gewesen ist, wie er es schildert. Kienzle beschreibt, was er gesehen und wie er es empfunden hat. Da gibt es keine glorifizierten Helden in den Ämtern, keinen allmächtigen "Gott" Saddam Hussein und keinen friedfertigen Sadat in Ägypten. Alle sind sie Menschen mit großen und kleinen Schwächen. Alles ist eingebunden in kurze Geschichtslektionen. Und er zieht seine Parallelen zum Heute, wenn er schreibt: "Die jungen Leute auf den Plätzen der arabischen Welt wollen ein Ende der Korruption, wollen Demokratie. Nicht den islamistischen Gottesstaat und nicht die Zerstörung Israels". Die Menschen in Ägypten wollen ankommen im 21. Jahrhundert. "Kefaya", so heiße ihre Parole: "Es reicht!" Kienzles Geschichten lesen sich gut, aber es fehlen doch die gesamt-politischen Einordnungen. Das ist das große Manko an diesem Buch. Hier ist doch die große Eitelkeit des 75-jährigen Schnauzbart-Trägers zu spüren, der sich selbst gern im Mittelpunkt sieht und die Geschichten am liebsten um sich selbst kreisen lässt. So ist dieses Buch eben doch kein Geschichts-Buch, sondern ein Buch voller persönlicher Geschichten. Nett zu lesen, aber wenig zu lernen.
Ulrich Kienzle: Abschied von 1001 Nacht, Mein Versuch, die Araber zu verstehen; Sagas Edition, Stuttgart 2011; 352 Seiten; ISBN-10: 3981251075; 19,90 Euro









