Dienstag, 21. Februar 2012

Von: Peter Brinkmann

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Revolution | Wael Ghonim | Ägypten | Mubarak | Diktator | Gefängnis | Khaled Said
Ägypten im Wandel

Revolution 2.0

Januar 2011: Die Revolution in Ägypten siegt. Mubarak, der Diktator, ist gestürzt. Wael Ghonim kämpfte auf den Straßen von Kairo für den Sturz des Diktators Mubarak, wurde verhaftet, saß 12 Tage mit verbundenen Augen in den Kerkern der Geheimpolizei. Kam frei und wurde zu einer der zentralen Figuren in der Revolution von 2011 in Ägypten. Jetzt hat er seine Erlebnisse beschrieben. Und ich kann sagen: Ich habe mitgezittert, miterlebt, was ihm widerfahren ist. Wael Ghonim ist nicht nur ein Augenzeuge der Ereignisse von Kairo, er ist vor allem auch jemand, der mitgestaltet hat, wie die Revolution durch die neuen sozialen Netze wie Facebook und andere zum Erfolg wurde. Er erzählt, wie die "Social Media Communities" die Menschen verbanden, mobilisierten und politische Veränderungen bewirken konnten. Mit Hilfe der über Facebook initiierten Gruppe "We are all Khaled Said" schuf er einen ortsunabhängigen, virtuellen und doch realen Treffpunkt, der den Menschen half, die ägyptische Protestbewegung 2011 gegen Präsident Mubarak erfolgreich zu organisieren.

Ägypten im Jahr 1 der Revolution

Wael Ghonim
Wer nachempfinden möchte was in den Köpfen der jungen Revolutionäre vorging, sollte das Buch von Wael Ghonim lesen. (Foto: Ullstein Verlag)

Zum ersten Mal erzählt Ghonim von seinem Kampf gegen die ägyptische Regierung nach der Ermordung des Bloggers Khaled Said. Wael Ghonim war mit seinen Protestaufrufen im Netz einer der Initiatoren der Protestwelle gegen das Regime Mubarak. Zwölf Tage war der junge ägyptische Blogger Wael Ghonim in Haft. Am Montag den 07. Februar 2011 tauchte er wieder auf, am Dienstag hielt er bereits eine Rede auf dem Tahrir-Platz in Kairo, dem Epizentrum der Protestbewegung gegen die autoritäre Herrschaft von Präsident Hosni Mubarak. Hunderttausende jubelten ihm begeistert zu. Wael Ghonim wurde zu einem der Gesichter der Revolution. Unter dem Pseudonym "Al-Schahid", Arabisch für der Märtyrer, wurde er durch seine Protestaufrufe im Internet zu einem der Hauptinitiatoren der Protestwelle gegen den Unterdrückungsapparat des Regimes. Auf einer neu eingerichteten Seite beim sozialen Netzwerk Facebook wählten ihn - in einer virtuellen Abstimmung per Mausklick - innerhalb von 24 Stunden über 150.000 Internet-Nutzer zum "Sprecher" der ägyptischen Protestbewegung. Doch sehr bescheiden schreibt er in seinem Buch (Seite 378): "Alle Welt beteiligte sich anonym und uneigennützig an dem gemeinsamen Kampf. Deshalb ist es völlig unangebracht, mich als Helden der Revolution zu bezeichnen. Die Revolution in Ägypten war tatsächlich eine spontane Erhebung, deren einzige Triebkraft der Wille der Gesellschaft war. Das Volk ist stets mächtiger als die Machthaber."

Seine Erzählungen sind dramatisch. Einfühlsam. Manchmal bedrückend. Jeder Tag, den Wael Ghonim auf der Straße war oder im Kerker verbrachte, geht uns nahe. Auch wenn die Schilderungen, wie die Tage verliefen, doch manchmal sehr langatmig sind. Aber wer nachempfinden will, was in den Köpfen der jungen Revolutionäre, was in den Mails geschrieben und welche Angst all diese Menschen hatten, die sich auf die Straßen von Ägypten wagten, der muss dieses Buch lesen. Es ist ergreifend.

Ghonim, Wael: Revolution 2.0, Wie wir mit der ägyptischen Revolution die Welt verändern; Ullstein Verlag 2012; 384 Seiten; ISBN-13: 9783430201360; 18, 00 Euro