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Wird China das 21. Jahrhundert beherrschen?

- China entwickelt sich seit 20 Jahren rasant weiter. Und die Entwicklungsmöglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft. Das Buch gibt einen Blick auf diese Möglichkeiten. (Foto: Pantheon Verlag)
Wie wird China sich entwickeln? Wird das riesige Reich der Mitte aggressiv gegenüber der übrigen Welt werden? Oder sich als größtes Land friedlich verhalten wie in seiner Geschichte? Seit nunmehr fast 20 Jahren entwickelt sich China in einem Riesentempo. Wachstumsraten von jährlich durchschnittlich 10 Prozent sind selbstverständlich geworden, der Aufstieg Chinas scheint unaufhaltsam. Vor allem wenn man sieht, dass die Entwicklungsmöglichkeiten in China noch lange nicht ausgeschöpft sind. Chinas Energiehunger, seine Rohstoffvorräte und sein Bevölkerungswachstum trotz der Ein-Kindpolitik stellen das Land vor eine große Zukunft, aber auch vor große Probleme. Zudem kommt die ethnische Vielfalt hinzu nebst den religiösen Konflikten. Wie also wird China künftig sein? Das diskutierten vier hochkarätige Politiker und Wissenschaftler am 17. Juni in Toronto, Kanada: Henry Kissinger, ehemaliger US Außenminister, Fareed Zakaria, CNN Kommentator und Asien Experte indischer Herkunft, Niall Ferguson von der Harvard Universität und David Li, Professor für Wirtschaftswissenschaften in Peking. Li ist einer der Topberater der chinesischen Zentralbank.
Die vier hochkarätigen Experten waren sich nicht einig. David Li und Niall Ferguson sagen: China wird so mächtig sein und so groß, dass es den Westen einschließlich der USA überholen wird. Niall Ferguson begründet dies mit der Größe Chinas in jeder Hinsicht. Und sagt: "Die eindrucksvollste Leistung besteht aber vermutlich darin, das China inzwischen auf den Gebieten der Innovation und der Bildung zu anderen Nationen aufschließt." Er folgert daraus, und begründet so seine These, dass China das 21. Jahrhundert beherrschen wird. Und gibt dem Westen auch eine Portion "Eigenschuld", wenn er sagt: "Der Schlüssel zur chinesischen Vorherrschaft ist jetzt wieder dank des Westens eine Finanzkrise, verursacht durch exzessive Schulden und subventionierte Spekulationen. Eine Haushaltskrise, dank derer die Vereinigten Staaten demnächst mehr Geld zur Tilgung von Schuldzinsen ausgeben, als für den Verteidigungshaushalt. Eine politische Krise, die im russisch Roulette um die Schuldengrenze des amerikanischen Staatshaushalts zum Ausdruck kommt und eine moralische Krise, verkörpert durch einen Abgeordneten, der willkürlich Frauen Bilder von sich zu schickt. Das 21. Jahrhundert wird auch deshalb von China beherrscht werden, weil sich ein übergewichtiges, hoch verschuldetes und über hypersexuelles Amerika und ein dysfunktionales Europa im Niedergang befindlichen."
China und die Welt
Und hier fragt denn Fareed Zakaria, ob China denn überhaupt den politischen Führungswillen habe? Und verweist dabei auf Japan, das jahrzehntelang zwar die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt gewesen war, aber politischen nie eine Führungsrolle spielen wollte und genau deswegen wird China nach seiner Ansicht auch diese Rolle nicht übernehmen. Prof. Li fügt noch einen anderen Aspekt hinzu, nämlich das alternative Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell, das China der Welt nunmehr bietet und das unterscheidet sich von den westlichen Institutionen. Im Vergleich zu den USA und anderen westlichen Staaten haben das gesellschaftliche Wohl und die gesellschaftliche Stabilität einen größeren Stellenwert als die bloße Freiheit des Einzelnen und Li greift dabei auf die chinesische Geschichte zurück.
Das konnte Henry Kissinger so nicht auf sich beruhen lassen und er widersprach vehement, wenn er sagt, ich kann mir schwer eine Welt vorstellen, die von China beherrscht wird. "Es geht nicht darum, ob das 21. Jahrhundert von China beherrscht wird. Es geht eher darum, ob wir im Westen mit einem immer stärkeren China auskommen und zusammenarbeiten können. Und es geht darum, ob China mit uns kooperieren will. Und ob wir es schaffen, dass vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte ein aufstrebender Star in ein internationales System eingebunden werden und Frieden und Fortschritt stärken kann. Ich ziehe aufgrund meiner historischen Kenntnisse den Schluss, dass die Chancen dafür nicht besonders gut stehen. Daher lautet die Frage nicht, ob China das 21. Jahrhundert beherrschten wird, sondern vielmehr, ob wir China in eine universelle der Vorstellung des ein 20. Jahrhunderts integrieren können. Und Kissinger führte schließlich noch an: „Wenn China seine innenpolitische Situation in den Griff bekommen will, dann muss es mit dem Westen zusammenarbeiten und sollte nicht versuchen, ihn zu beherrschen." 112 Seiten bieten auf knappstem Raum ein sehr gutes Bild über die Diskussionen um China in der gegenwärtigen Politik. Überaus lehrreich und lesenswert!
Kissinger, Henry. Zakaria, Fareed. Ferguson, Niall & Li, David Daokui: Wird China das 21. Jahrhundert beherrschen? Eine Debatte; Pantheon Verlag 2012; 112 Seiten; ISBN: 978 -3 -5 70 -5 5188 -2; 9,99 Euro









