25.06.2009

Von: Sebastian Bauer

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Wahlkampf | SPD | Europawahl | Bundestagswahl | Steinmeier | Superwahljahr
Wahlkampf in Krisenzeiten

Die Strategie der SPD

Die Berater der SPD haben vor der Wahl im September viel zu tun (Foto: SB)

Der Wahlkampf der SPD ist beeinflusst von Krisen. Die Wirtschaftskrise liegt auf der Hand, dazu kommt die Klimakrise, die sich schon länger hinzieht. Das wirkliche Problem ist aber die Glaubwürdigkeitskrise der SPD. Am Ergebnis der Europawahl hat sich gezeigt, dass kaum jemand weiß, warum er diese Partei wählen soll. Für den Bundestags-Wahlkampf im Sommer muss sich also etwas ändern, wenn das Ergebnis im September ein besseres sein soll als zuletzt Anfang Juni. Die Kommunikationsberater der Partei reflektieren die aktuelle Situation und stellen Ideen vor, um bei der Bundestagswahl im September besser abzuschneiden.

Keine konkrete Strategie

Michael Kronacher, Kommunikationsberater der SPD, schätzt die derzeitige Situation als sehr spannend ein: „Es gibt keine brauchbaren Informationen darüber, wie die Bevölkerung die Krise aufnimmt.“ Warum etwa die FDP von der Krise profitiert, Die Linke und die SPD jedoch nicht, sei völlig ungeklärt. Außerdem spricht Kronacher von einem „Expertendilemma“, was bedeutet, dass auch die Meinungen der Experten extrem widersprüchlich sind. In so einer Situation sei es nicht möglich, eine langfristige Strategie zu entwickeln. „Man muss mehr auf Intuition setzen und auch manchmal improvisieren.“

Alarmstufe Rot

Michael Kronacher weiß, was im Wahlkampf wichtig ist (Foto: SB)

Die Partei konzentrierte sich nach der Europawahl schon klar auf die Bundestagswahl. Die Diskussion drehte sich um folgende Fragen: Was ist bei der Wahl im September möglich? Kann die SPD in der jetzigen Form weiter bestehen? Ist Frank-Walter Steinmeier wirklich als Spitzenkandidat geeignet? Der Parteitag am 14. Juni sei von einer „Alles oder Nichts“-Situation geprägt gewesen. Steinmeier sei bei seiner Rede anders aufgetreten als noch vor der Europawahl. „Er hat mehr argumentiert und außerdem das Themenspektrum erweitert und Gegensätze zu den anderen Parteien aufgebaut“, meint Kronacher. Das alles sei im kommenden Wahlkampf wichtig.

Positiv auf die Wähler zugehen

Frank Stauss von der Werbeagentur BUTTER, die ebenfalls die SPD betreut, sieht das ähnlich. Als Koalitionspartner müsse die SPD die CDU mit Themen konfrontieren. Dabei sei es jedoch wichtig, positive Formulierungen zu finden, meint er. „Mit der Sprache muss man Bilder schaffen, um Wähler gewinnen zu können.“ Die SPD habe also drei Hauptaufgaben:

- Die Erfolge der Partei zu den Menschen zu bringen;

- die Werte der SPD konkret, erlebbar und einfach darzustellen und

- die zentrale Frage der Wahl herauszuarbeiten.

Zumindest bei der Europawahl sei diese Zuspitzung nicht gelungen, da es kein dominierendes Thema gegeben habe.

Weniger Inszenierung wagen

Die aktuelle Situation bietet auch die Möglichkeit, das Auftreten der gesamten Partei zu verändern. Man habe schon auf dem Parteitag der SPD gesehen, dass die Auftritte weniger offensichtlich inszeniert gewesen seien, sagt Kronacher. Er sieht die Chance, in Zukunft dem Wort wieder mehr Bedeutung zukommen zu lassen und die Inszenierung rundherum etwas einzuschränken. Seiner Meinung nach wird nämlich die „Performance der Kandidaten extrem überbewertet.“ Damit spielt er wohl auf jene schauspielerischen Leistungen an, die man von amerikanischen Politikern kennt.

Mehrere Krisen bewältigen

Drei Krisen geben der SPD und ihren Beratern zu denken (Foto: SB)

Die Wirtschaftskrise ist zweifellos ein sehr wichtiges Wahlkampfthema. Trotzdem müsse man sich auch wieder auf andere Probleme konzentrieren, meint Kronacher. Die Diskussion um den Klimawandel ist seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise völlig abgeflacht, kaum jemand redet noch darüber. Ein weiterer Punkt, über den man sich zuerst innerhalb der Partei einig werden muss, ist die fehlende Glaubwürdigkeit der SPD. Zu viele verschiedene Meinungen von zu vielen verschiedenen Personen aus derselben Partei haben die Wählerschaft in den letzten Monaten verwirrt.

Wähler mobilisieren und gewinnen

Ein Großteil der Personen, die nicht zu Wahlen gehen, seien potenzielle SPD-Wähler, vermutet Kronacher. Allerdings sei es nicht einfach, diese Menschen dazu zu bringen, tatsächlich zur Wahl zu gehen. Deshalb muss sich die SPD auch darauf konzentrieren, von anderen Parteien Wähler abzuwerben. Dabei wird sie sich eher an die Mitte halten als an den linken Rand. Der Grund dafür sei, dass es dort einfach mehr Stimmen zu holen gebe.

Viel geredet, nichts gesagt

Wie die SPD den Wahlkampf für die kommende Bundestagswahl aber genau angehen will, hat weder Frank Stauss noch Michael Kronacher näher erklärt. Denn "eine Strategie, die man verrät, ist keine Strategie mehr", sagte Kronacher dazu. Man darf also gespannt sein, wie die Partei versuchen wird, ihre Wähler im Herbst in die Wahllokale zu bringen. Für alle Anhänger der Sozialdemokraten bleibt zu hoffen, dass die Parteistrategen tatsächlich mehr in der Hinterhand haben, als sie zum jetzigen Zeitpunkt bekanntgeben.

[SB]