28.08.2009


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Keywords:
Bonn | Boom | Bundesstadt
Strukturwandel in der Provinz

Die Bundesstadt Bonn boomt

Das laute Wehklagen der Bonner wegen des Wegzugs der "großen Politik" hat sich als gegenstandslos herausgestellt. Längst punktet die schöne Stadt am Rhein als Sitz so mancher internationalen Organisation - und der Geburtenüberschuss tut ein übriges, damit es mit Bonn auch künftig aufwärts geht.
1999 wurden Regierung und Parlament nach Berlin umgesiedelt (Foto: Presseamt Bundesstadt Bonn)

In den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten gab es zwei gravierende Daten, die den Bonnern arge Magenschmerzen verursachten und den Blick in die Zukunft der Stadt am Rhein zu verdüstern schienen: Das war zunächst im Jahr 1991 der Beschluß, Regierung und Parlament nach Berlin umzusiedeln – und dann im Jahr 1999 der Vollzug dieser Entscheidung. Als die Möbelwagen und Sonderzüge rollten, sahen nicht wenige schwarz. Demonstrationen des „Bürger Bundes Bonn“ auf Markt- und Münsterplatz erschienen wie ein letztes ohnmächtiges Aufbäumen. Aber dann, zehn Jahre später, zur Mitte des globalen Krisenjahres 2009, legt die (scheidende) Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann einen Jahreswirtschaftsbericht samt einer Prognose bis 2030 vor, die schlicht die Überschrift tragen: „Stabiler Standort statt Krise“.

Die "kleine" Stadt am Rhein ganz groß

Über ein halbes Jahrhundert war die Beethovenstadt (provisorische) Hauptstadt der Bundesrepublik und hatte sich in dieser Rolle gut eingerichtet. Dann kam die Vereinigung Deutschlands; Bonn wurde „Bundesstadt“ – aber dies nicht allein: Sie wurde deutsche UNO-Stadt und internationales Kongreßzentrum. Und das hat sich ausgezahlt und dürfte sich in den kommenden 20 Jahren weiter auszahlen. Dafür steht beispielsweise die wachsende Bedeutung der Vereinten Nationen am Rhein: Mittlerweile arbeiten 19 UNO-Sekretariate und Organisationen mit 750 Mitarbeitern von Bonn aus an weltweiten Strategien für eine nachhaltige Entwicklung. Das sind Kern- und Magnetpunkte. Denn die Folge sind zahlreiche internationale Konferenzen und Meetings einschließlich der Ansiedlung weiterer Nichtregierungs-Organisationen. Ein gutes Beispiel ist die FLO (Fairtrade Labelling Organization), eine Organisation zur Durchsetzung fairen Handels auf internationaler Ebene. Sie begann ihre Tätigkeit in Bonn im Jahr 1997 mit acht Mitarbeitern. Heute sind es 130 Beschäftigte. So summieren sich kleine Kernzellen zu einem größeren Ganzen.

Fortschritt durch Technik

Viele Technologie-Konzerne haben sich in Bonn angesiedelt (Foto: Presseamt Bundesstadt Bonn)

Die Ansiedlung der verschiedenen UN-Organisationen mitsamt den Technologie-Konzernen Telekom und Post haben einen Sog ausgelöst, der dazu geführt hat, dass die Wirtschaftsstruktur der Stadt Bonn von hoher Technologie-Intensität geprägt ist. Allein zehn Prozent aller Beschäftigten arbeiten in den Bereichen „Information und Kommunikation“; und weil in der Stadt vorzugsweise Arbeitsplätze für Menschen mit hoher beruflicher Qualifikation bestehen und/oder angeboten werden, zeigt sich der Arbeitsmarkt weitgehend resistent gegen krisenbedingte Schwankungen. Insgesamt: Die früher stark ausgeprägten politischen Steuerungsfunktionen von und für Bonn werden zunehmend durch unternehmerische ersetzt. Zum anhaltenden Vorteil der Stadt.

Darum ist's am Rhein so schön

Angesichts solcher positiver Daten gehen die Bonner davon aus, dass die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2030 auf rund 350.000 ansteigen wird. Das wäre gegenüber den derzeit vorhandenen Daten aus 2008 ein Wachstum von 11,8 Prozent. So jedenfalls haben es die nordrhein-westfälischen Landesstatistiker hoch- und ausgerechnet. Dabei geht die Statistik von einem neunprozentigen „Überschuß“ der Zu- gegenüber den Fortgezogenen aus – und, was besonders bedeutsam erscheint, von einem 2,9prozentigen Geburtenüberschuß. Gerade dieser schon seit vielen Jahren andauernde Geburtenüberschuß ist eine Bonner Besonderheit. Nur ganz wenige Kreise und kreisfreie Städte in Nordrhein-Westfalen haben einen positiven Saldo.

Boom in Bonn

So hat die Stadt am Rhein auf bemerkenswerte Weise  frühere Bedenken abgestreift und Sorgen vergessen gemacht. Die Bundesstadt Bonn boomt. Und weil das so ist, heißt das neue Bonner Logo zur Wirtschaftswerbung bündig „Zukunft, Future, Avenir, Bonn“.

[KS]