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„Sicherheits“-Konferenz: Mei, Minga, schaugst wieder guat aus!

- (Foto: securityconference.de/Harald Dettenborn)
Kissinger kommt mit dem Krückstock. Die Ferres auch. Die eine war "Skifoahrn". Dem anderen ist das Alter anzusehen – und doch. Welch Glanz vor unserer bescheidenen Hütt’n. In Afghanistan sterben Soldaten, in München herrscht Blitzkrieg, genauer gesagt: Blitzlichtkrieg. In diesem Licht entpuppt sich die 46. Münchner Sicherheitskonferenz – angeblich wichtigste transatlantische deutsch-amerikanische Konferenz – als politischer Rohrkrepierer erster Güte. Draußen jammern 2.000 übriggebliebene Ewig-Altlinke frierend über den Krieg und Terror, den der böseböse Westen führt. Drinnen Theaterdonner und Operette.
Gutmensch gegen Leichtmatrose
Gewiss: Organisator Wolfgang Ischinger stellt mit der Münchener Sicherheitskonferenz wie eh und je eine gutgemeinte Plattform für den Austausch der besten Ideen für mehr Sicherheit in der Welt bereit. Doch nutzt dies alles nichts, wenn Leichtmatrose Westerwelle im Verein mit abgehalfterten US-Politikern von echten PR-Profis wie dem iranischen Ministerpräsidenten Mahmud Ahmadinedschad und seiner Außenminister-Marionette sich an der Nase herumführen lassen – und keine, absolut keine Idee von politischer Führung mehr vermitteln können.
Die Schickeria ist irritert

- (Foto: securityconference.de/Kai Mörk)
Der Iran nutzt munter die Gunst der weltweit völlig ungerechtfertigten Aufmerksamkeit für ein Münchener Hotel, um der völlig verdatterten (oder sollte man sagen: vertatterten) Schickeria West vor Augen zu führen, wie man Landesinteressen handfest vertritt: Ahmadinedschad lässt zunächst mitteilen, sein Land werde auf die Anreicherung von Uran verzichten, Sonntagnachmittag ordnet er vor laufenden Kameras die Produktion von hochangereichertem Uran im eigenen Land an. Zitat: Er sei es leid, "Spielchen zu spielen", wolle aber die Verhandlungen auch nicht beenden. "Wir haben diesen Weg nie blockiert", sagt der persische Meister der politischen Drohung und Erpressung, "aber wir verschwenden auch keine Zeit für irrelevante Diskussionen".
Bohei zwischen Ball und Berlinale
Peng. Schon ist der Westen wieder so was von empört. Da stört der „Irre“ aus den fernen Bergen doch glatt all das Tütü und Bussibussi , das aus der Nähe wirkt wie lahmer Handkäs mit Musik. War da was? Oh ja, durchaus. Genau genommen war es das: Ein einziges Gewese und Bohei, ein Kabinett der Eitelkeiten und Schlawiner, die die Bühne schaffen für derlei Getue und eine medial völlig besoffene Pseudogesellschaft, die halt mal „dabei war“. In Bayern heißt man so was Adabeis (für Nicht-Bayern: Ein Auch-Dabei taucht immer dort auf, wo es ums Sehen und Gesehenwerden geht. Anm. D. Red.) - von diesen aber wimmelte es auf dieser Konferenz noch mehr als sonst, man muss ja „Flagge zeigen“ zwischen Filmball und der Berlinale. Da muss was her, warum nicht: München.
Gipfel im "Käfer"

- (Foto: securityconference.de/Kai Mörk)
So stellt das ZDF den wackren Udo von Kampen werbeträchtig vor den Bayerischen Hof zur besten „heute“ – Sendezeit (es soll der deutschen Hotelbranche ja immer noch so schlecht gehen, da muss die Eingangspracht des Prachthotels doch kostenlos in deutsche Wohnzimmer!), während tout München und alles, was sich dafür hält, doch längst enteilt ist zum eigentlichen Gipfeltreffen – ins „Michi“ Käfer-Restaurant. Da kennt man sich, da ist man unter sich, und nett war’s wieder, hach und seufz.
Tout le monde - alle Welt daheim in Minga
US-Senator John Kerry grinst beglückt, bevor er an die Bar enteilt, und die vor – Freude- über-so –viel-Hollywood-Aura fast orgasmisch in die Kamera jubilierende bayerische Justizministerin Beate Merk ist froh, dass sie nun auch mal abgelichtet wird. Da ist der sonst gewiss honorige Herr Rechtsanwalt Wolfgang Seybold („Herr Dr. Ischinger unterstützt mein Essen, seine Frau ist heute ja auch hier bei mir“), der sich im Lokalfernsehen lobt, dass seine Gäste „sonst bei Rockefellers und im Kreml – jetzt in gemütlicher Atmosphäre“ bei ihm sitzen. Das alles schmückt so ungemein – und hilft, so nebenbei, gewiss dem Umsatz der Kanzlei. Liz Mohn wirkt neben Schlitzohr Henry Kissinger irgendwie verwittert, und bei Madeleine Albright fragt man sich besorgt, ob Rotes Kreuz in Rufweite bereitsteht, um rechtzeitig zu reanimieren, nur im Fall der Fälle. Nett, dass der Wolfgang Porsche da ist, da weiß man: einer, der doch was von Sicherheit versteht, jetzt wo er bei VW ist mit der Marke.
Biggi in Bogenhausen?
Nur die Biggi fehlte diesmal wohl, jetzt, wo nun alles raunt und munkelt über diese vertrackte Steuer- Daten- Kompakt-Disk, es soll ja mancher einst’ge Gast des Anwalts auch dort drauf zu finden sein, in Bogenhausen nicht, doch wohl auf Hehlers Datenträger, nein, so was, da ist ja wieder das Vögelein und Blitz, schon sind wir wieder mitten drin im prallen Leben und der "Bunten", weil wir ja so was von dazugehör’n!
Das Who-is-Who der zweiten Garnitur

- (Foto: securityconference.de/Sebastian Zwez)
Das also macht ihn aus, den Charme der Münchner Operette, Sicherheitskonferenz genannt – und fraglos hat sie ihren eigenen Reiz, jetzt, wo der „Moosi“ tot ist schon so lang, da braucht’s halt etwas, das noch irgend was hermacht, und so sekundiert selbst eine ach-so- kritisch-sonst-sich-gebende, aristokratisch-tiefergeb´ne "Süddeutsche" mit Bildchen von Frau Nebenverteidigungsministerin Stephanie zu Guttenberg beim Tete à Tete mit Anwalt, der Begum und AWD-Schröderspez’l Carsten Maschmeyer, während göttergleicher Gatte und Hauptverteidigungsminister Karl Theodor davon schwächelt, dass man „den Öffentlichkeiten“ doch vermitteln müsse, dass es Tote geben kann, wenn man für Sicherheit sich hinstellt in Afghanistan. Mehr Haltung, bitte!
Baby Schimmerlos - wie er leibt und lebt
Blitzlicht aber, auch das eine Münchner Lehre seit dem Wochenende, kann allerdings auch ohne Gnade sein. Denn wo der Zirkus und das eitle Flittern samt medienheißer Luft und aufgepumpten „Journalisten“ reiner Selbstzweck werden, da sehnt man sich nach Schimmerlos und Kir Royal zurück – und echter Politik mit Köpfen, die was auf dem Kasten haben.
[DK]









