Sonntag, 9. Mai 2010
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NRW | Wahl | Berlin | Wahlparty | CDU | SPD | Grüne | FDP
Wahl an Rhein und Ruhr

Tristesse bei Merkel und Westerwelle

NRW-Wahlabend in Berlin. Im bevölkerungsreichsten Bundesland waren über 12 Millionen aufgerufen, zur Wahl zu gehen. In Berlin beobachtete European Circle-Korrespondent Peter Brinkmann Tränen der Freude und der Trauer.
Sigmar Gabriel
SPD-Chef Sigmar Gabriel. (Foto: Florian Jaenicke/spd.de)

Bombenstimmung im Berliner Willy Brandt Haus! SPD-Chef Sigmar Gabriel freute sich über alle Maßen mit den fast 250 Genossen in der Parteizentrale. „Solch eine Stimmung hat dieses Haus schon lange nicht mehr erlebt. Nun lasst uns mal ordentlich feiern. Harte Arbeit steht uns bevor.“ Mit dem Ergebnis hatte wohl keiner gerechnet. Die SPD siegt wieder.  Als Parteichef Sigmar Gabriel aufs Podium kam, brauste der Jubel auf. Und wollte kein Ende mehr nehmen. Gabriel griff sich ein Plakat, das jemand hochhielt. Draufstand: „NRW gib uns die Kraft.“ Was natürlich ganz doppeldeutig gemeint war. Denn die Wahlsiegerin heißt Hannelore Kraft. Und der Sieg basiert nicht auf einer neuen Stärken der SPD, sondern vielmehr auf den Schwächen der anderen. Eigentlicher Gewinner nach Zahlen und auch in Folge sind die Grünen. Mit dem Verdopplung des Ergebnisses von 2005 ist die Partei um Sylvia Löhrmann der große Sieger. Nach dem historischen Ergebnis nach der Bundestagswahl und dem guten Abschneiden bei der Europa-Wahl punkten die Grünen erneut. Und dieses Mal ist eine Beteiligung der Regierung eher wahrscheinlich. „Sensationell. Der Spuk in Nordrhein-Westfalen ist vorbei.“, freute sich Parteichefin Claudia Roth über das starke Ergebnis.  „Wundervoll“ jubelte Grüne-Fraktionsvize Barbara Höhn, und auch Cem Özdemir lobte das „sensationell gute Wahlergebnis.“ Grüne Themen ziehen offenbar im Moment. Just hat die Grüne Partei des Vereinigten Königsreichs einen Platz im Parlament ergattert.

Katerstimmung bei CDU, SPD und der Bundesregierung

NRW Wahlergebnis
Vorläufige Sitzverteilung. (Foto: wahlergebnisse.nrw.de)

Ganz anders im Konrad-Adenauer-Haus. Dort verschluckte sich manch CDU-Mitglied am rheinische Kartoffelsalat, als aus den Vermutungen Gewissheit wurde: Das schlechteste Ergebnis an Rhein und Ruhr aller Zeiten. „Unbefriedigend und enttäuschend“, gab Parlamentsgeschäftsführer Peter Altmaier prompt zu. Von „überaus schmerzhaften Verlusten“ sprach Generalsekretär Hermann Gröhe. Kaum ein anderer CDU-Spitzenvertreter ließ sich blicken. Parteichefin Angela Merkel zog es nach der Landung ins Kanzleramt. Sie kannte die ersten Zahlen wohl schon auf Ihrem Flug von Moskau zurück nach Berlin. Selbst der sichtlich angeschlagener FDP-Chef Guido Westerwelle sprach in Berlin von einem „Warnschuss“ für die Regierungsparteien. Bei den Liberalen vereisten die Gesichter mit Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen. Damit kann Schwarz-Gelb nun nicht mehr mit einer Mehrheit im Bundesrat „durchregieren“. Egal ob Rot-Grün, Rot-Rot-Grün oder Große Koalition: Gesundheitsreform oder Steuersenkungen – all die Themen der nächsten Monate muss die Bundeskanzlerin nun mit der SPD abstimmen.

Feierlaune im Willy Brandt Haus

Willy Brandt Haus
Bei Curry Wurst und Brötchen, Radeberger Bier und Wein feierten die Genossen ihren lang ersehnten Sieg. (Foto: willy-brandt-haus.de)

Zurück ins Willy Brand Haus: Neben der Empore, auf der der Parteichef Gabriel steht, steht ein anderer Mann. Der frühere Wahlkampfmanager der SPD und heutige Wirtschaftsminister in Thüringen, Matthias Machnig. In der  Hand eine Flasche Radeberger, seine Zunge lechzt über die Lippen. Als ob er gerade den Wahlverlierer Rüttgers verspeisen möchte. Er weiß, wie siegen geht. Jetzt erlebt er, dass seine Partei wieder oben ist. Und dien Genossen jubeln ohne Ende. Und mit Schadenfreude. Lautes lachen und tosender Beifall brandet auf, als FDP-Chef Guido Westerwelle und seine Vorstandskollegen vor die Mikrofone treten. Gesichter voller Entsetzen, keine Miene verzieht sich. „Ja, weg sind sie. Das haben sie verdient“, rufen einige Genossen. Und Parteichef Gabriel wird sagen: „Schwarz-Gelb ist vorbei.“ Auch eine Abstrafen des Fehlstarts der Schwarz-Gelben Regierung in Berlin. Karsten Voigt, Ex-Juso Chef nickte: „Wir müssen jetzt mit allen reden. Auch mit den Linken. Wir können den Schwung, den die Partei jetzt hat, dich nicht in einer Großen Koalition verpuffen lassen. Also alle Möglichkeiten müssen beredet werden. Auf jeden Fall müssen wir regieren.“ Bei Curry Wurst und Brötchen, Radeberger Bier und Wein feierten die Genossen ihren lang ersehnten Sieg.

[PB]