Mittwoch, 23. Juni 2010

Von: RM

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Präsidentschaftswahlen | Jaroslaw Kaczynski | Polen | Bronislaw Komorowski | Wahlen | Katyn
Präsidentschaftswahlen in Polen 2010

Stichwahl: Komorowski kontra Kaczynski

Bronislaw Komorowski
Bronislaw Komorowski. (Foto: bronislawkomorowski.pl)

Mit 41,5 Prozent der Wählerstimmen ging Bronislaw Komorowski (PO - Bürgerplattform) aus dem Rennen hervor, Jaroslaw Kaczynski (PiS – Recht und Gerechtigkeit) folgt ihm dicht auf den Fersen mit rund 36,5 Prozent. Am 4. Juli 2010 findet nun die Stichwahl zwischen beiden Kandidaten statt.

Alles ist noch möglich

Die polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“ erklärt, dass mit dem knappen Sieg von Bronislaw Komorowski in der ersten Wahlrunde noch nichts entschieden sei. Trotz sehr guter Umfrageergebnisse vor den Wahlen hat Komorowski einen Vorsprung von lediglich fünf Prozent erzielt. Im nächsten Wahlgang scheint somit noch alles offen zu sein. Alles hängt davon ab, ob der Kandidat der Bürgerplattform seine Wähler mobilisieren kann und diese sich an den Wahlurnen gegen die Rückkehr einer von Kaczynski anvisierten IV. Republik entscheiden.

Kampf um die Stimmen von Napieralski 

Der Dritte im Spiel ist, obwohl mit dem Wahlergebnis von 13,7% ausgeschieden, der Mitte-links-Kandidat Grzegorz Napieralski. Er hat einen beeindruckenden Wahlkampf hinter sich, von 3 Prozent der Wählerstimmen laut Umfragen kletterte er bis beinahe 14 Prozent hoch. Das gute Ergebnis lässt sich sehen und wird als Abneigung gegen den Konservatismus der beiden Favoriten, speziell auch unter den jugendlichen Wählern gedeutet. Die beiden Kandidaten für die Stichwahl spekulieren heftig auf seine Wählerstimmen und loben daher in vielen herzlichen Worten das Ergebnis des Konkurrenten. Es stellt sich die Frage, wen der drittplazierte Napieralski in der zweiten Wahltour unterstützen wird und ob die Wähler seinem Wahltipp folgen. Bisher ist noch nicht absehbar, ob der Vorsitzende des Bundes der Demokratischen Linken (SLD) überhaupt einen der beiden Kandidaten unterstützen wird.

Jaroslaw Kaczynski
Jaroslaw Kaczynski. (Foto: jaroslawkaczynski.info)

TV-Duelle: Zwei zu Drei

Für die nächsten zwei Wochen im Wahlkampf vor den Stichwahlen wurden zwei Fernseh-Duelle in bereits etablierter US-amerikanischer Manier zu drei Themen angekündigt. Dies stellt einen Kompromiss zwischen beiden Kandidaten dar, da der Wahlstab von Kaczynski zwei Debatten und Komorowski drei Duelle veranstaltet wissen wollten. Der Streit der Fernsehsender (öffentlich versus kommerziell) um den Austragungsort des Duells (und die Einschaltquoten der TV-Stationen) dauert noch an.

Deja-vu: Lech Kaczynski kontra Donald Tusk

Der sich im Wahlkampf nach der Tragödie von Smolensk sanftmütiger und kompromissbereiter denn je zeigende Jaroslaw Kaczynski hat einen ernst zunehmenden zweiten Platz erreicht. Der vorherige Wahlkampf seines verstorbenen Zwillingsbruders Lech Kaczynski gegen den heutigen Premierminister Donald Tusk im Jahr 2005 lässt bei den Politikern der Bürgerplattform nur eine zurückhaltende Freude aufkommen. Im ersten Wahlgang hatte Lech Kaczynski mit 33 Prozent hinter dem Politiker der Bürgerplattform gelegen und anschließend die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Auf der Zielgeraden wurde Tusk von seinem Konkurrenten vor fünf Jahren bereits überholt.

Der Katyn-Effekt???

Die Kritiker Kaczynskis heben den „Katyn-Effekt“ des Wahlkampfes hervor. Die Präsidentschaftswahlen seien von dem Flugzeugunglück im russischen Smolensk überschattet worden. Kaczynski selbst kommentierte, dies sei keine normale Wahl gewesen, sondern „das Ergebnis einer riesigen Katastrophe, eines riesigen Unglücks, einer riesigen Tragödie“. Im Wahlkampf und am Wahlabend danach gab sich der Zwillingsbruder des verunglückten Staatschefs betont zurückhaltend und versöhnlich. Im Anschluss an die Veröffentlichung der ersten Wahlergebnisse bedankte er sich auch bei seinen Wahlgegnern dafür, dass sie im Wahlkampf auf scharfe Töne verzichtet hatten.

[RM]