Dienstag, 13. Juli 2010
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Regierungssprecher | Steffen Seibert | Presse- und Informationsamt | Bundesregierung | ZDF
Steffen Seibert – der sanfte Konvertit

Merkels neues Sprachrohr kommt vom ZDF

Steffen Seibert
Steffen Seibert (Foto: ZDF/Berthold Litjes)

Das Revirement ging völlig lautlos über die Bühne und wurde erst im Nachhinein publik. Als Nachfolger des bisherigen Berliner Regierungssprechers Ulrich Wilhelm, der zum Intendanten des Bayerischen Rundfunks ernannt worden ist, wird der 50 Jahre alte ZDF-Journalist Steffen Seibert als Staatssekretär und Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Angela Merkels Regierungssprecher sein. Eine Entscheidung, die etwas überrascht: Zwar  gilt Seibert als hervorragender, belastbarer und zugleich moderater, sanft wirkender  Journalist, aber er ist nicht bekannt als einer, der im Berliner Politbetrieb verankert wäre.  Er ist halt ein „Mainzelmännchen“ seit der Zeit seines Volontariats.

Schon als Volontär bei ZDF

Seibert hat nach dem Besuch der Tellkampfschule in Hannover – die offenbar eine Journalisten-Kaderschmiede ist, denn hier machte auch Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo das Abitur – in Hamburg und London Geschichte studiert. Danach, im Jahr 1989, begann er ein Volontarität beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) in Mainz. Dem Sender ist er mehr als 20 Jahre, bis zur Mitte des Jahres 2010, treu geblieben. Außerhalb der ZDF-Sendeantennen bewegte er sich lediglich zwischen 1992 und 1995 als ZDF-Auslandskorrespondent in Washington. In Mainz ging die Karriere anschließend ständig aufwärts und mündete 2007 in die Leitung des heute-journals in der Nachfolge von Klaus-Peter Siegloch. Für seine Moderation der Sondersendungen zum Anschlag auf das World-Trade-Center in New York wurde er in 2001 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Über sein Privatleben ist wenig bekannt. Seibert ist verheiratet, hat drei Kinder. Der getaufte Protestant ist später zum katholischen Glauben konvertiert. Über eine Parteizugehörigkeit ist nichts bekannt.

Weit mehr als nur „Wahr“-Sager

In seinem neuen Amt als Regierungssprecher wird er, wie seine Vorgänger, in der Öffentlichkeit zumeist wahrgenommen als jemand, der die Arbeit der Bundesregierung „zu verkaufen“ hat. Im Fernsehen taucht er zumeist montags, mittwochs und freitags auf, wenn er im Saal der Bundespressekonferenz, begleitet von den Sprechern der einzelnen Ministerien, den in Berlin akkreditierten Journalisten Rede und Antwort steht. Doch seine Aufgabe ist viel umfangreicher. Er ist als beamteter Staatssekretär Chef einer „Obersten Bundesbehörde“, die dem Bundeskanzler – in diesem Fall einer Bundeskanzlerin - direkt untersteht. Damit ist er auch einer der engsten Ratgeber des Regierungschefs. Zu seinen Aufgaben gehören zudem die Unterrichtung der Bundesregierung und des Bundespräsidenten über die weltweite Nachrichtenlage, er erstellt die „Kanzlermappe“, in der Entscheidungshilfen gebündelt werden, der Regierungssprecher hat zu diesem Zwecke auch die öffentliche Meinung zu erforschen und darzustellen, also alles Grundlagenmaterial zu sammeln und zu werten, das relevant ist für die politische Arbeit der Bundesregierung.

Felix von Eckardt hat das Amt geprägt

Steffen Seibert
Steffen Seibert wurde zum neuen Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung ernannt. (Foto: ZDF/Carmen Sauerbrei)

Das Amt ist auf eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Regierungschef angelegt, schließlich ist der Regierungssprecher zumeist in das sogenannte „Küchenkabinett“ im Bundeskanzleramt eingebunden. Daß es – trotz der heutigen Mediendemokratie – nicht ausreicht, der Regierung ein schönes Gesicht zu geben, sagt die Geschichte des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Den hohen Anspruch hat eigentlich schon der erste Amtsinhaber, Konrad Adenauers Felix von Eckardt, festgezurrt. Dieser kluge Kopf hat zwar seine Lebenserinnerungen unter die Überschrift „Ein unordentliches Leben“ gefasst, aber in Wahrheit war es etwas anderes. Für ihn und für viele nach ihm zählten folgende Eigenschaften zum Amt: Unerschütterliche Ruhe, großes Wissen, Humor, schnelle Reaktionsfähigkeit, Kenntnis der Gesetze, unter der die journalistische Arbeit steht, und jederzeit Hilfsbereitschaft“.

Jener leichte Zug von Arroganz…

Das hat die meisten Nachfolger ausgezeichnet, auch wenn die vertrauensvolle Nähe zum Regierungschef häufig nicht allzu lange hielt. In den gut 60 Jahren Bundesrepublik Deutschland gab es bislang 24 Regierungssprecher. Das heißt, sie haben es im Schnitt jeweils nur 2,9 Jahre bei ihrem obersten Dienstherrn ausgehalten. Es waren diplomatisch-kluge Köpfe darunter. Karl-Günther von Hase (1962 bis 1967) beispielsweise, der nicht selten unter einem bekannten Sprichwort in die Bundespressekonferenz ging: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“. Oder Conrad Ahlers (1969 bis 1972) und Klaus Bölling (1974 bis 1980 und dann nochmals kurz in 1982) die treue Diener, beste Ratgeber von Willy Brandt oder Helmut Schmidt waren.  Oder Peter Boenisch (1983 bis 1985), der schon lange zuvor Helmut Kohls enger Polit-Berater gewesen war. Sie kannten die journalistische Klaviatur, hatten zugleich jenen abschreckenden, Distanz schaffenden feinen Zug von Arroganz. Unnachahmlich war beispielsweise Böllings Blick in eine unbestimmte Ferne am Fragesteller vorbei, wenn er ein Gespräch abbrechen wollte.

Zwei Minister für besondere Aufgaben

Sie arbeiteten im Range eines beamteten Staatssekretärs, mit drei Ausnahmen, zum Teil aus politischer Not geboren: Hans Klein (1989 bis 1990) fungierte als Bundesminister für Besondere Aufgaben, Friedrich Bohl (1998) war zugleich Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts, und Otto Hauser (ebenfalls 1998) war Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeskanzler.

[KS]