Dienstag, 31. August 2010

Von: KS

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Keywords:
Republik Mazedonien | Namensstreit Griechenland | jugoslawische Teilrepublik | albanischer Großstaat
Seit Jahren eine griechische Blockade

Mazedonien kämpft um seinen Namen

Flagge Republik Mazedonien
Flagge der Republik Mazedonien (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)

Jetzt wollen die Vereinten Nationen im Namensstreit erneut vermitteln. Ein von außen fast bizarr wirkender Namensstreit steht dem Beitritt des kleinen Mazedonien in die Europäische Union jetzt schon seit sechs Jahren im Wege. Seit die ehemalige jugoslawische Teilrepublik im Jahr 1991 unabhängig wurde – im Gegensatz zu Teilungskriegen in anderen Gebieten des zerfallenden Jugoslawien ohne Blutvergießen -, ist die „Republik Mazedonien“ (Republika Makedonija), wie sie sich selbst nennt, international nachgerade namenlos. Griechenland hat international sein Veto gegen diese Bezeichnung eingelegt, denn es gibt im Norden eine gleichnamige griechische Provinz. Und zur Begründung kommt Athen sogar mit historischen Argumenten: Der Name Mazedonien sei einzig griechisch, schließlich sei schon Alexander der Große im vierten Jahrhundert vor Christi Geburt von „Mazedonien“ ausgezogen, um ein Weltreich von Griechenland bis Indien zu begründen.

Der Name „Nord-Mazedonien“ als Kompromiß?

Mit ihrem Namens-Veto blockiert Griechenland nicht nur die Aufnahme des kleinen Staates mit einer Landesfläche von 25.700 Quadratkilometern in die EU, sondern auch in die NATO. Die Vereinten Nationen haben einen Kompromiss gesucht und einen faulen gefunden: Bei den Vereinten Nationen wird das Land offiziell „Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien“ genannt. An diese Sprachregelung hält sich bislang auch die Bundesrepublik Deutschland. Zumindest international. In bilateralen Gesprächen und Verhandlungen mit der Regierung in der Hauptstadt Skopje verwenden inzwischen 121 Länder, darunter auch die USA und Russland, die Bezeichnung „Republik Mazedonien“. Neuerdings wird über einen Vorschlag von UN-Unterhändler Matthew Niemitz beraten, der die Bezeichnung „Nord-Mazedonien“ ins Spiel gebracht hat.

Mazedonien mit seiner Hauptstadt Skopje liegt in Griechenlands Norden (Foto: ec.europa.eu, Credit © European Union, 2010)

Arbeitslosenquote bei 32 Prozent

Die Lösung des Namensstreites und damit schließlich die Mitgliedschaft in der Europäischen Union sind für das arme Land lebensnotwendig. Mazedonien verfügt über keine nennenswerte Industrie und ist von Einfuhren abhängig. Und dabei sind die Länder der Europäischen Union wichtigste Handelspartner. Mit einem Durchschnittseinkommen von nicht mehr als 334 Euro monatlich liegen die Menschen im Lande ganz unten in der europäischen Einkommens-Skala; die Arbeitslosenquote liegt bei 32 Prozent. Die Armut trifft sich mit ethnischen Konflikten, die in den vergangenen Jahren immer wieder auch zu gewalttätigen Zusammenstößen geführt haben. Vor allem die albanische Minderheit, die immerhin fast ein Viertel der Gesellschaft ausmacht, fühlt sich weithin ausgegrenzt. Dass die Albanerpartei DUI mit am Regierungstisch sitzt, hat bislang kaum für Entspannung gesorgt.

Albaner werden misstrauisch beäugt

Stärkste politische Kraft im Lande ist die konservative Allianz VMRO-DPMNE, die mit Nikola Gruevski den Chefsessel besetzt und im Parlament 63 Prozent der Abgeordneten stellt. Dieses Machtverhältnis dürfte mit ein Grund dafür sein, dass der albanische Koalitionspartner bei der Vertretung der Interessen der albanischen Minderheit im Lande nicht besonders zum Zuge kommt, zumal Misstrauen herrscht: Nach unabhängigen Umfragen halten 50 Prozent der Albaner in Albanien, Kosovo und Mazedonien die Gründung eines großalbanischen Staates in naher Zukunft für wahrscheinlich. Insgesamt umfasst das Parlament in Skopje 120 Abgeordnete, die sich auf sage und schreibe 19 Parteien verteilen. Das ist eine seltene politische Zersplitterung, eine Zersplitterung, die vor allem eine ethnische ist. 

[KS]