Donnerstag, 20. Oktober 2011

Von: KS

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Keywords:
Irland | Präsident | Präsidentschaftswahlen | Fianna Fail | Sinn Fein
Kampf um die Präsidentschaft in Irland

Sieben Kandidaten – eine bunte Mischung

Regierungssitz Irland
Der Sitz der irischen Regierung ab Ende Oktober unter dem neuen Präsidenten, glaubt man den Buchmachern die den unabhängige Senator David Norris als Favoriten sehen. (Foto: commons.wikimedia.org/Jtdirl, CC BY-SA 3.0)

Nicht nur der unabhängige Beobachter von außen, auch die Wahlbürger in Irland selbst brauchen einen Kompass, wenn sie sich einen Überblick verschaffen wollen, wer weshalb und warum zu den Präsidentschaftswahlen Ende Oktober 2011 antritt. Das Kandidatenfeld, so meinen viele, verrät einiges von dem Misstrauen und der Ratlosigkeit, die zur Zeit die irische Gesellschaft kennzeichnen. Und dies, obwohl nach dem ökonomischen Crash des Jahres 2010 die wirtschaftlichen Komponenten nicht schlecht sind. Sagen doch die internationalen Finanzmärkte, Irland gewinne Vertrauen zurück.

Ein früheres Schlager-Sternchen ist auch dabei

David Norris
David Norris gilt 14 Tage vor der Abstimmung als Favorit. Doch viele stört das offenes Bekenntnis zu seiner Homosexualität. (Foto: commons.wikimedia.org/1-555-confide , CC BY 3.0)

Andererseits, für die Präsidentschaftswahlen gibt es so viele Kandidaten wie nie zuvor. Es ist eine bunte Mischung, die schon unmittelbar nach dem Ende der Bewerbungsfrist für Diskussionen und für einige Aufregung sorgte. So kandidiert beispielsweise – zum zweiten Male nach 1997 - Dana Rosemary Scallon. Man muss lange zurückdenken, um sich an sie zu erinnern: Sie gewann im Jahr 1970, also vor 41 Jahren, den Eurovision Song Contest für Irland mit dem Lied “All Kinds of Everything”. Sie begründete ihre Bewerbung damit, dass sie doch ihr Land schon seit Jahrzehnten auf internationaler Bühne vertrete. Dana wird wohl Außenseiterin bleiben. Bei den Buchmachern gilt – 14 Tage vor dem Urnengang - der unabhängige Senator David Norris als Favorit. Allerdings stört nicht wenige, dass er sich als bekennender Homosexueller präsentiert. Auch Michael D. Higgins, dem Vorsitzenden der Sozialdemokraten, werden gute Chancen eingeräumt – und nicht zuletzt  Martin McGuiness, der für Sinn Fein antritt und in früheren Jahren zur IRA gehörte. Zu den weiteren Kandidaten zählen der Europa-Abgeordnete Gay Mitchell, Mary Davis und der Geschäftsmann Sean Gallagher.

Die bisherige Regierungspartei zieht sich zurück

Viele Namen also. Sieben Kandidaten, die sich anschicken, für die nächsten sieben Jahre die Nachfolge der beliebten Präsidentin Mary McAleese anzutreten. Dabei fällt natürlich auf, dass die einstige Regierungspartei Fianna Fail, die im vergangenen Februar unter Ministerpräsident Brian Cowen die Parlamentswahlen nachgerade dramatisch verlor, weder einen eigenen Kandidaten ins Feld schickte noch eine Empfehlung für einen anderen abgeben wollte. Sie befindet sich nach eigenen Angaben in einem „Läuterungsprozess“. Dabei hätte sie mit dem früheren Ministerpräsidenten Bertie Ahern wohl einen aussichtsreichen Bewerber gehabt.

Früherer IRA-Kämpfer ist auch im Rennen

Martin McGuinness
Martin McGuinness war Mitglied der nordirischen Terrorkampftruppe IRA und zuletzt Moderator des nordirischen Friedensprozesses. (Foto: commons.wikimedia.org/Jaqian, CC BY-SA 3.0)

So richtet sich jetzt besonderes Augenmerk auf Martin McGuinness, das einstige Mitglied der  nordirischen Terrorkampftruppe IRA, der zuletzt Moderator des nordirischen Friedensprozesses geworden war. Noch Anfang Oktober 2011 war er Mitglied der nordirischen Autonomieregierung. Doch Sinn Fein, die irische Wiedervereinigungspartei, die auf beiden Seiten der irischen Grenze aktiv ist, holte ihn kurz entschlossen von seinem Belfaster Posten und schickte ihn in Dublin ins Rennen um die Präsidentschaft. Sollte McGuinness – nach dem Motto, alles ist möglich – Präsident werden, dann könnte dies als Plebiszit für ein einiges Irland verstanden werden. Denn er würde das Präsidentenamt, so hat er sich auch bereits geäußert, als "gesamtirische Aufgabe verstehen".

Wirtschaftlich zeichnet sich Aufschwung ab

Mag das Land, nicht zuletzt seit den Parlamentswahlen Anfang 2011, politisch zerrissen sein – wirtschaftlich aber hat sich gleichwohl einiges getan. Die Rede ist gar von einer "Auferstehung der irischen Wirtschaft". Und so fragt sich mancher, was dies nordeuropäische Sorgenkind anders und besser gemacht hat als beispielsweise Griechenland oder Portugal? Experten nennen zwei Gründe: Dublin habe lange vor den anderen Wackelkandidaten in Europa mit konsequentem Sparen begonnen. Und habe es zugleich verstanden, seinen Exportmotor wieder in Gang zu  bringen. Und Irland verfügt über eine starke Exportwirtschaft.  
 
 [KS]